Fall Marvin

Fall Marvin: Mutter fürchtet erneute Trennung von ihrem Sohn

Manuela B., Mutter des zweieinhalb Jahre vermissten Marvin aus Duisburg, ist über die Planungen entrüstet.

Manuela B., Mutter des zweieinhalb Jahre vermissten Marvin aus Duisburg, ist über die Planungen entrüstet.

Foto: Privat

Duisburg.  Der zweieinhalb Jahre vermisste Marvin aus Duisburg soll in eine pädagogische Einrichtung weit entfernt. Mutter fühlt sich nicht ernst genommen.

Der Mutter zerreißt es das Herz, täglich sind in allen möglichen Medien neue Berichte zu sehen oder zu lesen über ihren Marvin, der zweieinhalb Jahre vermisst wurde und schließlich in der Wohnung eines Pädophilen entdeckt wurde. In kaum einem sieht Manuela B. den Kinderschutz gewahrt. Zu detailliert ist ihr, was über die Erlebnisse ihres Sohnes bekannt wird. Jetzt will sie einen Anwalt einschalten – der aber noch eine dringlichere Aufgabe hat. Dabei geht es um Marvins zukünftige Therapie.

Die weitere Behandlung des Jungen soll in einer hunderte Kilometer entfernten Einrichtung erfolgen, berichtet sie. Und ist entrüstet. Kaum hat sie nach zweieinhalb Jahren ihren Sohn endlich wieder, soll er ihr wieder genommen werden „vom staatlichen System“, wie sie es nennt. In einer geschlossenen pädagogischen Einrichtung mit 1:1-Betreuung soll er untergebracht werden - mit ihrer Zustimmung, denn die Mutter hat nach eigenen Angaben weiterhin das Sorgerecht und das Aufenthaltsbestimmungsrecht.

Duisburg: Fall Marvin – Mutter bekommt keinen Einblick in Krankenakte

Natürlich wolle sie nicht gegen ärztlichen Rat agieren, sie sehe auch, dass Marvin komplett neu aufgebaut werden müsse. Aber so, dass er nicht wieder von ihr getrennt werde. „Wir telefonieren drei mal am Tag, wir sehen uns regelmäßig.“ Das gehört für sie zum Heilungsprozess dazu.

„Ich habe gefragt, was passiert, wenn ich dem nicht zustimme, da hat man mir gesagt, man könne dagegen klagen, ich könne nach fast 16 Jahren das Aufenthaltsbestimmungsrecht verlieren“, berichtet die Mutter. Sie fühlt sich erpresst, nicht mitgenommen bei den Entscheidungen. Nachdem es womöglich auch bei den polizeilichen Ermittlungen Fehler gegeben hat, weil entscheidenden Hinweisen nicht nachgegangen worden sein soll, ist ihr Vertrauen geschmolzen. Nicht mal einen Blick in die Krankenakte habe man ihr gewährt. Die Stadt Duisburg hält sich bedeckt: „Aus Gründen des Datenschutzes können Fragen zu der familiären Situation und zu den konkreten Maßnahmen des Jugendamtes nicht beantwortet werden“, sagte eine Sprecherin.

Vorwürfe gegen die Einrichtung in Oer-Erkenschwick

Auch gegen die Einrichtung in Oer-Erkenschwick, in der ihr Sohn betreut wurde, erhebt sie schwere Vorwürfe. Man habe den Kontakt von Marvin zu dem Tatverdächtigen Wochen vor dem Verschwinden toleriert. Und Marvin habe ihr erzählt, dass er zusammen mit den Pädagogen vor dem Haus geraucht habe. Da war er 13. „Das Haus hat so viele Fehler gemacht“, beklagt Manuela B..

Und sieht sich ebenfalls als Opfer. Ihre körperliche Fitness habe nach dem dritten Herzinfarkt in der Zeit der Suche nach ihrem Kind nachgelassen, „meine Kräfte sind eingeschränkt, das wird förmlich ausgenutzt“, klagt sie. Zum nächsten Runden Tisch nimmt sie jedenfalls Verstärkung mit, eine Anwältin soll sie begleiten.

Professionelle Hilfe für den Jungen wichtig

„Ich möchte nicht, dass mir mein Sohn vom staatlichen System entfremdet wird, es muss doch andere Möglichkeiten geben, näher bei mir.“ Sie wolle ihn doch nur ab und an besuchen, in den Arm nehmen können.

920 Tage und Nächte habe sie um ihn geweint. Jetzt, im Krankenhaus, sehe sie, wie es ihm zumindest körperlich von Tag zu Tag besser gehe. Wie er sich gefreut habe, den Opa, die Schwester wieder zu sehen. Lachen, Tränen, Freude, Schmerz - alles gleichzeitig, alles „so echt“, wie Manuela B. sagt.

Ihr ist klar, dass Marvin professionelle Hilfe braucht, um das Geschehene zu verarbeiten. Der Tatverdächtige, klagt sie, habe „seine Kinderseele zerstört, benutzt, gedemütigt“.

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