Ermittler „bestürzt“

Fall Marvin: Ging die Polizei Duisburg Hinweis nicht nach?

Marvin aus Duisburg wurde in diesem Haus in Recklinghausen entdeckt, nachdem er zwei Jahre lang vermisst worden war. Hätten Ermittler ihn schon eher finden können? Entsprechende Hinweise gibt es.

Marvin aus Duisburg wurde in diesem Haus in Recklinghausen entdeckt, nachdem er zwei Jahre lang vermisst worden war. Hätten Ermittler ihn schon eher finden können? Entsprechende Hinweise gibt es.

Foto: Olaf Fuhrmann / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Hätte Marvin aus Duisburg früher gefunden werden können? Die Polizei hatte Hinweise, wo sich Marvin aufhielt. Machten die Ermittler Fehler?

Hätte die Polizei Duisburg den mehr als zwei Jahre vermissten Marvin bereits im Sommer 2019 finden können? Die Ermittler hatten, wie sich nun herausstellt, bereits seit Monaten einen Hinweis, dass Marvin sich bei einem vorbestraften Mann aus Recklinghausen aufhalten könnte. Diesen Hinweis haben Beamte der Ermittlungsgruppe in Recklinghausen jetzt in der Akte zum Vermisstenfall Marvin gefunden.

Vermisstenakte der Polizei Duisburg zum Fall Marvin enthielt Hinweis

„Im Juli 2019 hat es einen Aufruf in der Sendung ‘Aktenzeichen XY’ gegeben“, berichtete Andreas Wilming-Weber, Pressesprecher der Polizei Recklinghausen, auf Nachfrage unserer Zeitung. Nach dem Fernsehaufruf habe es einen Hinweis auf den 44-Jährigen gegeben, dessen Wohnung Beamte am Freitag wegen des Verdachts auf Verbreitung von Kinderpornografie durchsuchten. Den Zeugenhinweis entdeckten die Beamten aus Recklinghausen jetzt in der Vermisstenakte zum 15-jährigen Marvin. Diese hatten sie aus Duisburg angefordert, nachdem Polizisten den Jungen aus Duisburg während der Hausdurchsuchung im Schrank des 44-jährigen Tatverdächtigen fanden.

Fall Marvin: Ist Polizei Duisburg Zeugenhinweis nachgegangen?

„Jetzt ist die Frage, ob und wie die Kollegen der Polizei diesem Hinweis auf den 44-Jährigen nach der Fernsehsendung nachgegangen sind“, sagte Wilming-Weber. Das zu klären liege bei der Polizei Duisburg. Auch die Staatsanwaltschaft Duisburg sei informiert.

Die Beamten der Polizei Duisburg reagierten mit „großer Bestürzung“ auf die Erkenntnis der Kollegen in Recklinghausen, sagte Duisburgs Polizeisprecher Stefan Hausch: „Wir warten jetzt zunächst darauf, dass die Vermisstenakte zu uns zurückkommt.“ Dann werde analysiert, welchen Inhalt der Hinweis gehabt habe und wie mit diesem umgegangen worden sei.

„Wir müssen analysieren, ob möglicherweise ein individueller Fehler oder ein organisatorischer Mangel vorliegt“, kündigte Hausch gegenüber unserer Zeitung an. Die Staatsanwaltschaft Duisburg erhalte einen entsprechenden Bericht nach Weihnachten. Diese bewerte dann, ob es strafrechtliche Konsequenzen gebe.

Marvin aus Duisburg war mehr als zwei Jahre vermisst

Der zweieinhalb Jahre vermisste Marvin war erst am vergangenen Freitag zufällig bei einer polizeilichen Durchsuchung in der Wohnung des 44-Jährigen entdeckt worden. Der heute 15-Jährige war in einem Schrank versteckt. Der Junge war im Juni 2017 im Alter von 13 Jahren aus einer Wohngruppe in Oer-Erkenschwick verschwunden. Nach ihm wurde bundesweit gefahndet. „Nach dem Aufruf bei ‘Aktenzeichen XY’ sind zwischen 30 und 50 Hinweise bei uns eingegangen“, sagte der Duisburger Polizeisprecher Hausch.

Der in Recklinghausen festgenommene 44-Jährige sitzt derweil in Untersuchungshaft. Er ist bereits vorbestraft. Wegen des Besitzes von Kinderpornografie hatte er bereits eine zehnmonatige Freiheitsstrafe erhalten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Aktenkundig ist der Recklinghäuser seit 1994.

Ermittlungsarbeit geht über Weihnachten weiter

Die Ermittlungseinheit in Recklinghausen arbeitet auch über Weihnachten intensiv weiter an dem Fall: „Wir prüfen, wo sich der Tatverdächtige aufgehalten hat, zu wem er Kontakt hatte“, beschreibt Polizeisprecher Wilming-Weber die Aufgaben. Zudem werde das in der Wohnung sicher gestellt Material weiter ausgewertet.

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