Kirche

Europäisches Architektur-Beispiel aus Duisburg

Pfarrer Dietrich Köhler-Miggel genießt es schon seit 25 Jahren, in der Jesus-Christus-Kirche in Buchholz zu arbeiten.

Pfarrer Dietrich Köhler-Miggel genießt es schon seit 25 Jahren, in der Jesus-Christus-Kirche in Buchholz zu arbeiten.

Foto: Lars Heidrich

Duisburg.   Die Jesus-Christus-Kirche in Buchholz, deren Renovierung 2012 preisgekrönt wurde, wird im „Atlas of European Architecture“ vorgestellt.

Manche Duisburger Schmuckstücke werden in der Stadt kaum zur Kenntnis genommen. Der fachkundige Blick von Außen jedoch öffnet die Augen. So hat es die evangelische Jesus-Christus-Kirche in Buchholz in die aktuelle Ausgabe des „Atlas of European Architecture“ geschafft. Das Gotteshaus befindet sich in dem über 500 Seiten starken englischsprachigen Atlas der europäischen Architektur neben dem Dänischen National Museum für Schifffahrt in Helsingør, dem Warschauer Museum zur Geschichte der polnischen Juden oder dem Lütticher Bahnhof in bester architektonischer Gesellschaft.

Überwältigend großzügig

Pfarrer Dietrich Köhler-Miggel liebt das im Oktober 1964 eröffnete Gotteshaus schon lange und konnte sich nach der Renovierung 2010 durch das Kölner Büro Kastner/Pichler bereits über den Architekturpreis der Evangelischen Kirche im Rheinland 2012 freuen. Damals hieß es in der Begründung: „Darin besteht die besondere Leistung der Renovierung, die dem Bestandsbau mit wenigen, aber gekonnten Interventionen eine schlagende Strahlkraft verleiht.“ Pfarrer Köhler-Miggel sagt: „Ich lebe seit 25 Jahren in diesem Raum – und genieße ihn.“

Licht und geradezu überwältigend großzügig wirkt der Kirchenraum, dessen Nord- und Ostwand mit 1050 Fenstern aus Glasbausteinen bestehen, „die damals eigens in den USA angefertigt wurden“, so Köhler-Miggel. Durch diesen Einfall des Tageslichts, der bei der Renovierung des Dachs noch durch die Vergrößerung eines Fensters verstärkt wurde, ändern sich die Lichtverhältnisse im Raum je nach Tageszeit und Wetter von strahlend hell und farbig bis dunkel und grau. Das Licht wird wiederum gespiegelt vom strukturierten Zinkblech, mit dem die Emporen verkleidet sind.

Bewusst Ziegel „zweiter Wahl“

Die Süd- und Westwand besteht aus Ziegeln, für die bewusst „zweite Wahl“ verwendet wurde. Auch das wirkt lebendig und hat für Pfarrer Köhler-Miggel auch eine symbolische Bedeutung: „Hier wird niemand weggeworfen.“ Außerdem hat Architekt Fritz Kreidt, von dem alle künstlerischen Entwürfe einschließlich der Backsteinengel stammen, auch Ortsbezüge hergestellt. Aus stählernen Kreuzprofilen, gefertigt in der Lehrwerkstatt von Rheinmetall, besteht nicht nur das Altarkreuz.

Der Altar wird durch ein modernes Lichtkonzept besonderes hervor gehoben. „Der Gottesdienst ist ja eine Inszenierung“, sagt der Pfarrer. Und vom Altar blickt man durch das große Dachfenster auf den hohen Glockenturm neben der Kirche, dessen Glockenstuhl gerade erneuert wurde.

„15 Jahre nach dem Krieg hatte man die Mut, etwas so Großes zu bauen“, sagt Köhler-Miggel bewundernd. Ausgelegt war die Kirche für 9000 Gemeindeglieder, heute zählt die (zusammen gelegte) Trinitatis-Gemeinde 6500 Mitglieder. Gottesdienste werden künftig nur noch in der Jesus-Christus-Kirche gefeiert. „Wir bauen ab, aber auch auf und passen uns den Entwicklungen an.“

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