Wirtschaft

Espera in Duissern: Unternehmen plant Umzug in Duisburg

Ratskandidaten, Vorstands- und Fraktionsvorsitzenden in Duisburg haben am Mittwoch auf Einladung des Vereins „Wirtschaft für Duisburg“ das Espera-Werk in Duissern besichtigt.

Ratskandidaten, Vorstands- und Fraktionsvorsitzenden in Duisburg haben am Mittwoch auf Einladung des Vereins „Wirtschaft für Duisburg“ das Espera-Werk in Duissern besichtigt.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Die Firma Espera mit 130 Mitarbeitern möchte den Standort Duissern verlassen. Konzept für einen Neubau steht – doch die Gewerbefläche fehlt noch.

Unterschiedlich große Käseblöcke, verpackte Putenbrust oder Äpfel – viele Produkte im Supermarkt verlangen eine gewichtsabhängige Preis- und Warenauszeichnung. Was Kunden beim Griff ins Kühlregal oft nicht wissen: Ein Großteil der Etiketten auf verpackten Waren kommt von Maschinen made in Duisburg.

Die Rede ist von Espera. Das Unternehmen aus Duissern ist führender Hersteller von gewichtsabhängigen Preisauszeichnungs- und Etikettiersystemen, die in der Lebensmittelindustrie eingesetzt werden. Portionierte und verpackte Ware wird durch die Duisburger Maschinen auf dem Fließband in Millisekunden gewogen und nach Kundenwunsch etikettiert – bis zu 150 Packungen pro Minute und bei Bedarf rund um die Uhr.

Espera in Duisburg: Kein Wachstum in Duissern möglich

1924 gegründet, befindet sich das familiengeführte Unternehmen in dritter Generation. 300 Mitarbeiter an acht Standorten zählt die Firma. „In Duisburg haben wir 130 Beschäftigte“, sagt Marcus Korthäuser. Der promovierte Ingenieur führt die Geschäfte seit 2010.

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Kopfzerbrechen bereitet dem Geschäftsführer aber der Unternehmensstandort, wie er am Mittwoch in einer vom Verein „Wirtschaft für Duisburg“ organisierten Diskussionsrunde und Werksbesichtigung mit Ratskandidaten, Vorstands- und Fraktionsvorsitzenden der etablierten Parteien deutlich machte.

Espera plant Umzug nach Wedau

Das Firmengelände befindet sich mitten im dicht bebauten Wohngebiet an der Moltkestraße in Duissern. Für weiteres Wachstum fehlen Flächen. „Wir platzen aus allen Nähten“, sagt Korthäuser. Zwar steht bereits ein konkretes Konzept für den Neubau, doch für die Realisierung fehlt eine attraktive Gewerbefläche.

Ein Wunschstandort ist bereits gefunden: Der geplante 30 Hektar große Innovations- und Technologiestandort Wedau-Nord, der neben einem Universitätscampus auch Gewerbeflächen vorsieht, soll es werden. Konstruktive Gespräche mit Wirtschaftsdezernent Andree Haack habe es bereits gegeben. Doch einen klaren Zeithorizont für die Realisierung des attraktiven neuen Gewerbestandorts nördlich der Wedauer Brücke und dem Wohnbauprojekt 6-Seen-Wedau gibt es bisher nicht.

Bei Standortanalysen falle Duisburg durch

Für den Geschäftsführer ist jedoch klar: Der Standort Duisburg soll auch weiterhin das Herz der Entwicklung und Produktion bleiben. Eine solche Entscheidung würden nicht alle Unternehmer treffen. Bei Standortanalysen falle Duisburg durch, so Korthäuser. Das liege am Steuerhebesatz und den wenigen Gewerbeflächen im Stadtgebiet.

Die anwesenden Politiker signalisieren, dass mit dem „Masterplan Wirtschaft“ die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Duisburg steigen soll. Bruno Sagurna, Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion, sieht Fortschritte durch die Flächenentwicklungsgesellschaft, um Bauland für Gewerbe besser vermarkten zu können. Thomas Mahlberg, CDU-Parteichef in Duisburg, hält die Neuausrichtung der Wirtschaftsförderung für einen wichtigen Katalysator – doch dazu brauche die GFW mehr Personal: Die Konkurrenz-Städte Essen und Dortmund würden deutlich mehr Geld für Wirtschaftsförderung ausgeben.

>>> Das Unternehmen Espera: Entwicklung und Innovation

  • Angefangen hat es bei Espera in Duissern in den 1920er Jahren mit Produkten für den Metzgereibedarf, etwa Schneidemaschinen und Fleischwölfe. In den 50er Jahren entwickelt das Unternehmen die erste elektronisch rechnende Ladentischwaage der Welt. Mit der groben Hack-Kunst eines Fleischerbeils hat das, was hinter den Mauern der Espera-Werke passiert, nichts mehr zu tun.
  • In Millimeterarbeit werden im Werk die einzelnen Teile zusammengebaut. Das Team besteht aus Ingenieuren und Technikern, und ist etwa für eine sich im Umbruch befindliche Nahrungsmittelindustrie – Stichwort Verpackungsmüll – auf der Suche nach innovativen Lösungen für Etikettierungen.
  • 30 Prozent der Mitarbeiter sind in der Abteilung für Forschung und Entwicklung tätig, 70 aktive Patente unterstreichen den innovativen Fokus des Unternehmens. Ein Beispiel für technischen Fortschritt: Espera hat eine Maschine entwickelt, die in Echtzeit über den Zustand einzelner Verschleißteile informiert. So können drohende Maschinenausfälle und Stillstandzeiten in der verpackenden Lebensmittelindustrie vermieden werden.
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