Tier & Natur

Eine tierisch aufwendige Inventur im Duisburger Zoo

Alexander Nolte, Revierleiter Affenhaus, half bei der Zählung und Messung der Schildkröten. Vor allem ihr Gewicht ist immer ein guter Anhaltspunkt über ihre Entwicklung: Aufgrund eines sehr langsamen Stoffwechsel, ist ihre Entwicklung langwierig.

Alexander Nolte, Revierleiter Affenhaus, half bei der Zählung und Messung der Schildkröten. Vor allem ihr Gewicht ist immer ein guter Anhaltspunkt über ihre Entwicklung: Aufgrund eines sehr langsamen Stoffwechsel, ist ihre Entwicklung langwierig.

Foto: Morris Willner

Duisburg.   Von Alpaka bis Doktorfisch, von Elefant bis Zebra: Insgesamt 8981 Tiere aus 418 Arten wurden im Tierpark am Kaiserberg gezählt und gewogen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Ganz zaghaft streckt die kleine Schildkröte ihren Kopf aus dem Panzer. Als das heftige Klicken der vielen Fotoapparate ertönt, zuckt sie kurz wieder zurück. Doch dann schaut sie sich interessiert um, lugt neugierig über den Rand der Waage auf der sie sitzt, und schaut direkt in die Linsen. Dr. Carolin Bunter, Tierärztin im Duisburger Zoo, notiert das exakte Gewicht: 92,4 Gramm. Bei der Inventur wird immer alles genauestens dokumentiert.

Individuell wie ein Fingerabdruck

Bevor es wieder ins Terrarium geht, steht eine weitere Fotosession an. Nicht nur eine Schar von Pressefotografen will ein Bild von der Schildkröte, auch Dr. Bunter macht einige Schnapsschüsse. Von ihrem Panzer, um genau zu sein. Dieser ist – wie der Fingerabdruck beim Menschen – einzigartig. Dann ist es geschafft. Die Schildkröte darf sich einreihen in die Schar der 8981 Tiere aus 418 Arten, die in den vergangenen Wochen im Zoo gezählt und größtenteils gewog

en wurden.

Von Alpaka bis Doktorfisch, von Elefant bis Zebra – alle Tiere sind erfasst worden. Wirklich alle? Johannes Pfleiderer, zoologischer Leiter und in den vergangenen Wochen meist mit Klemmbrett, Artenliste und Kugelschreiber unterwegs, erklärt: „Natürlich wissen wir, wie viele Elefanten, Zebras und Gorillas wir in unserem Zoo haben, bei einigen Arten können sich Jungtiere aber durchaus im Gehege verstecken, oder erwachsene Tiere lassen sich mal einige Wochen nicht sehen.“ Besonders im Aquarium stehe das Zoo-Team in jedem Jahr auf ein Neues vor großen Herausforderungen. „Fische sind flink, lassen sich zum Teil kaum auseinander halten und Jungtiere sind zum Teil winzig“, erklärt Pfleiderer.

Pantherschildkröte bringt es auf 7,4 Kilo

Weniger flink sind die Schildkröten, die an diesem Tag als letzte Tiere gezählt und gewogen werden. Das nächste Tier ist etwas kamerascheuer, als das Jungtier, das zuvor auf die Waage gelegt wurde. Vielleicht ist die große, ausgewachsene Schildkröte – die ebenfalls keinen Namen hat, sondern eine vierstellige Nummer – auch einfach weniger neugierig auf die Kameras und die Waage, weil sie die Prozedur schon aus den Vorjahren kennt. „Das Tier ist seit Anfang der 90er Jahre bei uns“, erklärt Pfleiderer. Dass beide Tieren der selben Gattung angehören, ist kaum zu glauben. Die große Pantherschildkröte bringt es auf satte 7,4 Kilogramm.

Auch die noch winzigen Pantherschildkröten werden in etwa dieses Gewicht eines Tages erreichen. „Da Amphibien einen sehr langsamen Stoffwechsel haben, ist ihre Entwicklung langwierig“, erklärt Dr. Bunert. „Daher ist es für uns enorm wichtig, die Schildkröten häufig zu wiegen, um zu sehen, ob alles gut ist“, erklärt sie weiter.

Weniger Tiere als vergangenes Jahr

Insgesamt befinden sich im Zoo derzeit etwas weniger Tiere als noch im Jahr 2017, erklärt Pfleiderer. 2017 habe es noch 431 Arten dort gegeben. „Dass die Zahlen schwanken, ist normal. Es werden immer wieder Tiere abgegeben, oder kommen dazu“, sagt er. Hinzugekommen seien unter anderem Sumpfwallabys. „Seit einigen Jahren liegt unser Fokus auf dem Australien-Gehege, da ist so ein Zuwachs natürlich sehr schön“, sagt Pfleiderer.

Besonders stolz ist man auch auf den Zuchterfolg der Madagaskar-Ratten. „Eine Fortpflanzung in Zoos ist in den vergangenen 16 Jahren in ganz Deutschland nicht vorgekommen“, weiß Pfleiderer.

>>> WISENTS VERLASSEN BALD DEN ZOO

Tiere kommen und gehen im Duisburger Zoo. In diesem Jahr steht auch eine weitere Trennung an: Der Tierpark wird seine Wisents abgeben, damit das Löwengehege wachsen kann.

Neu begrüßen die Zoo-Besucher dafür unter anderem Dahomey-Zwergrinder, Java-Binturongs, Wickelschwanzleguane und Schlankboas.

Infos: www.zoo-duisburg.de.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben