Eine alternative Rundfahrt durch den Duisburger Hafen

Größter Binnenhafen der Welt, bedeutende Logistik-Drehscheiben – doch die Superlativen können auch Schattenseiten haben. Mehr darüber erfuhren rund 100 Gäste auf der „MS Stadt Duisburg“. Eingeladen zur alternativen Hafenrundfahrt hatte eine Veranstaltergemeinschaft Kirchlicher Dienste und Umweltgruppen, die von der Infostelle „Dritte Welt“ des Ev. Kirchenkreises Duisburg koordiniert wird.

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Größter Binnenhafen der Welt, bedeutende Logistik-Drehscheiben – doch die Superlativen können auch Schattenseiten haben. Mehr darüber erfuhren rund 100 Gäste auf der „MS Stadt Duisburg“. Eingeladen zur alternativen Hafenrundfahrt hatte eine Veranstaltergemeinschaft Kirchlicher Dienste und Umweltgruppen, die von der Infostelle „Dritte Welt“ des Ev. Kirchenkreises Duisburg koordiniert wird.

Duisburg gilt mit 3,7 Millionen TEU (Einheit für Standartcontainer) jährlich als weltgrößter Containerumschlagplatz im Binnenland. Somit stellt der Hafen zwar für den Industriestandtort einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar, dennoch verpflichte Duisburgs die Auszeichnung „Fairtrade-Town“ dazu, auch die Schattenseiten des Hafens darzulegen, meinen die Organisatoren. Die Gäste erfuhren, dass weltweit rund zwei Millionen Menschen auf See arbeiten. Jedoch verkehren dort auch viele „Sweat-Ships“, Schiffe mit katastrophalen Arbeitsbedingungen ohne gesetzliche Mindestlöhne.

„Hinzu kommt, dass nicht nur ein Import von z.B. Nahrungsmitteln, Bekleidung, Eisenerz oder Steinkohle nach Deutschland erfolgt, sondern auch hochgiftiger Elektronikschrott nach Accra in Ghana exportiert wird, der dort von Kindern und Erwachsenen recycelt wird, wodurch giftige Dämpfe freigetreten werden“, erläuterte Martin Schaper, Leiter der Infostelle 3. Welt des Kirchenkreises.

Die Organisatoren machten deutlich, dass es aber auch Folgen für Duisburg gibt. So können die Straßen den wachsenden Schwerverkehr kaum noch bewältigen; Anwohner klagen über Belastung durch Lärm und Feinstaub. Eine weitere Information, die vielen unbekannt war: Im Nazi-Deutschland fand im Duisburger Hafen humanitärer Menschschmuggel statt – die Begleitung und Schleusung von Verfolgten ins Ausland. Den roten Faden der Rundfahrt spann die Ruhrorter Budenbesitzerin Esther Schmitz – alias Kabarettistin Doris Schaper. Sie stimmte mit ihren „Dönekes vonne Bude“ die Teilnehmenden auf die Themen ein. Musikalisch begleitet wurde sie von Mona Manson am Akkordeon mit Hafen- und Arbeiterliedern.

„Ziel der Alternativen Hafenrundfahrt ist es, das Bewusstsein zu wecken für gerechte Produktionsbedingungen sowie für soziale und umweltschonende Herstellungs- und Handelsstrukturen“, sagt Martin Schaper. Gefördert wurde die Fahr der Duisburger Stiftung für Umwelt, Gesundheit und Soziales sowie des Evangelischen Kirchlichen Entwicklungsdienstes. Eine oder mehrere Wiederholungen sind geplant.

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