Comedy

Ein Syrer, der sich über seine Landsleute lustig macht

Comedian Omar Meslmani erklärt Migranten deutsche Eigenarten, seine Videos werden in sozialen Netzwerken geteilt.

Comedian Omar Meslmani erklärt Migranten deutsche Eigenarten, seine Videos werden in sozialen Netzwerken geteilt.

Foto: Michael Dahlke

Duisburg.   Omar Meslmani ist Duisburger - und Syrer. In Videos und bei Stand-up-Comedy macht er Witze über beide Welten, die arabische und die deutsche.

Als Ausländer im Jobcenter, beim Deutschkurs mit Türken oder als Einwanderer beim Arzt – die Videos von Omar Meslmani beschäftigen sich mit Themen aus der Sicht eines Syrers. Das begeistert eine internationale Fangemeinde. Auf Facebook folgen dem 22-jährigen, der in Rheinhausen sein Abitur gemacht hat, 156.000 Menschen, auf Instagram sind es 26.000 und auf Youtube 34.000.

Auch als Stand-up-Comedian macht Omar Meslmani erste Gehversuche. Mit einem strahlenden Lächeln berichtet er von den vielen Vorurteilen und Ahnungslosigkeiten, die ihm im Alltag begegnen: Etwa weil der Vermieter bei der Besichtigung den Gebrauch einer Toilette erklären will. Oder weil man ihn fragt, ob es in Syrien warm ist. Oder ob man dort Auto fahre. Omar Meslmani, der in der Großstadt Aleppo aufgewachsen ist, macht sich charmant darüber lustig – und nimmt so manchem Thema die Schwere.

Erste Videos mit dem Handy gedreht

Anfangs hat Meslmani seine Videos mit dem Handy gedreht, auf arabisch eingesprochen, auf Facebook veröffentlicht. Schließlich hat ihn der Ehrgeiz gepackt und er hat sein Publikum auf Deutsch angesprochen. Dadurch wurde das WDR-Format wdrforyou auf ihn aufmerksam, ein Angebot für Flüchtlinge in vier Sprachen. Seither sind einige Filme in Studioqualität entstanden, mit arabischen Untertiteln.

Meslmani nimmt auch die Besonderheiten und Macken seiner Landsleute aufs Korn und trifft damit ihren Humor. Er macht sich lustig über den Prototyp des Arabers, der schon länger in Deutschland ist und damit angibt. „Die Syrer lernen durch mich Deutschland kennen“, erzählt der junge Filmer und Schauspieler. Man nehme ihn ernst, schreibe ihn an, bitte ihn um Rat. Kritik komme aber auch, etwa wenn er sich über sich selbst in seiner Lebensrolle als Syrer lustig mache. Die Sehnsucht seiner Landsleute, hier anzukommen, sei groß. Ihnen rufe er zu: „Leute, habt keine Angst, wenn ich mal pauschalisiere, die Deutschen sind schlau, die glauben auch nicht alles.“

Erste Erfolge mit dem Jugendclub Spieltrieb

Gesellschaftliche, zwischenmenschliche Differenzen sind sein Thema, von Religion oder Politik lässt er lieber die Finger: „Toleranz, Leben und leben lassen ist mein Motto, so einfach ist das“, sagt der junge Mann. Er hofft, bald einen deutschen Pass zu bekommen. Damit wäre vieles leichter. „Ich sehe vielleicht nicht aus wie ein Deutscher, aber ich strenge mich richtig an, wie ein Deutscher.“

Mit dieser Einstellung hat er sich auch am Theater Duisburg durchgebissen, wo er mit dem Jugendclub Spieltrieb aufgetreten ist. „Das war eine harte Zeit, ich verstand nichts von dieser anspruchsvollen Sprache“. Aber er hat sich durchgekämpft. Umso mehr ärgert ihn, wenn er wegen seiner Haarfarbe, seines Aussehens erlebt, dass er nicht willkommen ist, „das ist sehr verletzend“.

Meslmani kam 2014 nach Duisburg. Der Onkel, ein Arzt, wohnte schon lange hier, vermittelte das Visum. Über Jordanien reiste die Familie mit vier Kindern ein. Inzwischen studiert Omar Psychologie in Bielefeld, weil er auch damit Menschen helfen kann. Die Schauspielerei und der Humor sind aber „die Nummer 1 in meinem Kopf“. Seiner Karriere will er eine Chance geben, ausprobieren, ob er davon leben könnte. Omar weiß, dass nicht jeder Gag in jeder Kultur zündet. Eine realistische Chance rechnet er sich auch auf dem arabischen Markt aus, wo er in 28 Ländern verstanden wird.

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