Kammerkonzert

Ein russischer Abend mit Anna Malikova in Duisburg

Ihren Einstand als „Artist in Resicence“ der Duisburger Philharmoniker gab Anna Malikova am Bechstein-Flügel.  

Ihren Einstand als „Artist in Resicence“ der Duisburger Philharmoniker gab Anna Malikova am Bechstein-Flügel.  

Foto: Andre Symann / Duisburger Philharmoniker

Duisburg.  Die neue Residenzkünstlerin der Duisburger Philharmoniker gibt ihren Einstand am Bechstein-Flügel. Der Wolf jagt Rotkäppchen über die Tasten.

Pianistin Anna Malikova ist dem Duisburger Publikum schon seit langem bekannt, denn regelmäßig arbeitet die aus Usbekistan stammende Künstlerin mit den Duisburger Philharmonikern zusammen. In dieser Saison wird der Musikerin eine besondere Ehre zuteil – als „Artist in Residence“. Als Residenzkünstlerin gab sie in der Mercatorhalle ihren Einstand mit einem Solo-Abend am Bechstein-Flügel.

Das Programm konzentriert sich ganz auf die russische Musik in der Gestalt dreier großer Komponisten: Den Anfang macht Sergej Prokofjew mit seinen „Visions fugitives“. Die 20 Klavierminiaturen werden von Anna Malikova abwechslungsreich gestaltet. Jeder Satz erhält seine eigene Farbe und Prägung. Die schnellen Sätze werden von der Pianistin mit leichter Hand dahingeworfen, die langsamen sind mit Bedeutung aufgeladen.

Virtuose Klanggemälde und ein nachdenklicher Epilog

Zwischen den Stücken macht die Pianistin keine Pausen, sondern setzt nur kleine Zäsuren. In einigen der aufgewühlten Sätze entwirft sie aber auch virtuose Klanggemälde, wobei sie stets das tänzerische Element der Musik akzentuiert. Nach dem wild aufbrausenden Presto agitatssimo ist das finale Lento irrealmente ein nachdenklicher Epilog.

Düstere Klangwelten entwirft der Spätromantiker Alexander Skrjabin: Die Etüde cis-Moll brodelt wie ein Vulkan, der flüssige Kohle ausspeit. Trotz des beständigen Bewegungsdrangs der Musik verliert Malikova nie den roten Faden, der sich in Gestalt melodiöser Aufschwünge durch das Stück zieht, aus den Augen. In Skrjabins bizarr aufbrausender Sonate Nr. 5, setzt die Pianistin, trotz vieler Stimmungsumbrüche und den harmonischen Wagnissen des Komponisten, auf die herbe Schönheit dieser Klänge. Das Ergebnis ist ein Feuerwerk aus dunklen Farben.

Anna Malikova bringt den Theatermusiker Tschaikowsky zum Klingen

Leicht und beschwingt geht es nach der Pause mit Peter Tschaikowskys „Dornröschen“-Ballett weiter. Der Komponist hat zwar selbst keine Konzertsuite zu diesem Ballett veröffentlicht, jedoch hat der russische Pianist Mikhail Pletnev eine Auswahl aus elf sehr charakteristischen und beliebten Szenen zu einer Suite zusammengestellt und für Klavier bearbeitet.

Für eine Musikerin wie Anna Malikova sind die pianistischen Anforderungen dieser anspruchsvollen Bearbeitung leicht zu meistern. Neben musikalischer Brillanz setzt sie auf die große orchestrale Geste. Ihr Klavierspiel ist klanglich opulent und von tänzerischer Eleganz geprägt. In Sätzen wie „Rotkäppchen und der Wolf“ hört man den handfesten Theatermusiker Tschaikowsky heraus: Beim ihm stimmt der Wolf kein Heulen an, sondern brummt wie ein Bär und jagt Rotkäppchen durch den Wald aus Musik.

Mit „Kanarienvogel“ und „Silberfee“ geht es ins Finale

Fröhlich lässt Anna Malikova Tschaikowskys „Kanarienvogel“ vorbeifliegen und zwitschern. Die „Silberfee“ verströmt schwerelose Leichtigkeit, und im Finale dürfen Pomp, Pathos und die große Geste nicht fehlen. Das Duisburger Publikum begrüßt die neue „Artist in Residence“ mit großem Beifall, und zwei kleine Fans kommen sogar mit Blumen auf die Bühne.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben