Filmprojekt

„Ein Neues Leben“ – das Filmprojekt des ISI für Geflüchtete

Das Team aus geflüchteten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen dreht mit dem bekannten Filmemacher Nils Neubert (2.v.l.).

Das Team aus geflüchteten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen dreht mit dem bekannten Filmemacher Nils Neubert (2.v.l.).

Foto: Kerstin Bögeholz

Duisburg.   ISI-Leiterin Viola Werner und Filmemacher Nils Neubert haben mit 15 Kindern und Erwachsenen einen Film über die Erfahrung der Flucht gedreht.

„3,2,1, Action“, ruft der zehnjährige Kiarash, während er hinter der Kamera steht und durch die Linse guckt. Davor steht Alind, zwölf Jahre alt, und schlägt die Filmklappe zu. Für eine Woche verwandelten sich die Räume des Instituts für soziale Innovation (ISI) an der Neudorfer Blumenstraße in ein Filmstudio. Unter dem Titel „Ein neues Leben“ entwickelte Viola Werner, Leiterin des Projekts „Aufrichten“, gemeinsam mit Journalisten und Filmemacher Nils Neubert ein Filmprojekt für Geflüchtete. Die 15 Teilnehmer sind Bewohner oder ehemalige Bewohner der benachbarten Sammelunterkunft an der Memelstraße.

Fluchterfahrungen stehen im Fokus

ISI-Projektleiterin Viola Werner startete mit der Kunst-Therapeutin und Koordinatorin Zeljka Telisman das Filmprojekt zur Traumabewältigung. „Eigentlich war die Teilnahme nur für Kinder und Jugendliche ausgelegt, jedoch steht in dem Film die Fluchterfahrung im Fokus, die haben schließlich alle gemein“, begründet die Kinder- und Jugendtherapeutin, warum auch zwei Erwachsene mitmachen.

Ein wirkliches Drehbuch hat der Film nicht. Er besteht hauptsächlich aus Interviews und Porträtfotos, aber auch Aufnahmen von Duisburg werden gezeigt. „Wir haben die schönen Orte der Stadt gefilmt, damit sie ihre neue Heimat kennenlernen“, so der Kölner Filmemacher Nils Neubert. „Ziel war nicht nur die Verarbeitung der Flucht, sondern auch, in der neuen Gesellschaft anzukommen und sich in ihr zurecht zu finden“, erklärt er.

Geflüchtete führen Interviews miteinander

Neben seiner Arbeit als Journalist leitet der Kölner in Kroatien eine Filmschule für Kinder und Jugendliche und arbeitet vier bis fünfmal im Jahr an ähnlichen Filmprojekten mit. „Ich liebe es, Filme zu machen, aber vor allem interessieren mich Menschen und ihre Schicksale. Hier habe ich die Verbindung zwischen beidem“, so Nils Neubert.

Mit seinem Assistenten René Müller stellt er den professionellen Rahmen mit Kameras, Licht und Ton bereit. Neben anfänglichen Fragen wie „Wie benutzte ich eine Kamera?“, wird den angehenden Filmemachern auch die Interview-Technik erklärt, indem sie sich gegenseitig befragen. „Das gibt jedem die Chance, sich zu öffnen, ohne dass es jemandem peinlich sein muss“, erklärt Nils Neubert. „Dadurch sind viele emotionale Momente entstanden.“ So einer entstand, als Kiarash seine Mutter Asma fragte, was sie am meisten von Zuhause vermisse. „Meine Familie und meinen Beruf“, hat die Iranerin geantwortet.

Arbeit mit der Technik ist für die Kinder spannend

Gerade für die jüngeren Teilnehmer ist die Arbeit mit der Technik äußerst spannend. „Am meisten Spaß hat es gemacht, als Nils die Drohne fliegen ließ“, schwärmt der zehnjährige Kiarash. Vor erst 17 Monaten ist er mit seiner Familie aus dem Iran nach Deutschland gekommen. Auch der 43-jährige Mohammed musste fliehen. Im Irak wurde der Journalist verfolgt. „Aufgrund seines Berufs konnte er sehr viel zum Projekt beitragen“, erklärt Neubert. Ein weiteres Ziel des Filmprojekts ist es, die Erwachsenen bezüglich ihrer beruflichen Zukunft zu motivieren. „Unter den Flüchtlingen sind Menschen mit unglaublichen Fähigkeiten, die gefördert werden müssen, da sie uns sehr viel zurückgeben können. Mohammed ist einer davon.“

Seine Premiere hatte der Film bereits vor Freunden und Familienangehörigen. „Im Herbst soll es eine öffentliche Vorführung geben“, kündigt Viola Werner an und ergänzt: „ein Theaterstück ist auch schon in Planung“.

>>>>> Kooperation mit zwölf Schulen

„Aufrichten“ ist ein Projekt des Instituts für soziale Innovation (ISI) mit Sitz an der Blumenstraße im Semnos-Therapiezentrum.

Leiterin Viola Werner gibt Kindern, Frauen und Männern Halt in ihrem neuen Leben und überbrückt die lange Wartezeit auf eine Therapie. Es wird gefördert von der „Aktion Mensch“ und unterstützt von Therapeuten, Künstlern, Schauspielern und Fotografen. Das ISI kooperiert mit zwölf Schulen in Duisburg.

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