Spiele

Ein gutes Spiel reizt immer wieder

Aus einer Leidenschaft wurde ein Beruf: Wolfgang Lüdtke trifft sich seit 30 Jahren mit Freunden zu Spieleabende in senem Keller, seit 25 Jahren testet und bearbeitet er für den Kosmos-Verlag Spiele.

Foto: Herbert Höltgen

Aus einer Leidenschaft wurde ein Beruf: Wolfgang Lüdtke trifft sich seit 30 Jahren mit Freunden zu Spieleabende in senem Keller, seit 25 Jahren testet und bearbeitet er für den Kosmos-Verlag Spiele. Foto: Herbert Höltgen

Ortsmarke.   Der Duisburger Wolfgang Lüdtke testet für einen Verlag die Prototypen neuer Gesellschaftsspiele und arbeitet dabei eng mit llustratoren zusammen.

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Die Regale reichen vom Fußboden bis zur Decke. Fans von Gesellschaftsspielen bekommen glänzende Augen: Mehrere hundert Spiele hat Wolfgang Lüdtke in seinem Kellerbüro in Mündelheim stehen. Und sie sind nicht nur zum Anschauen da, viele von ihnen werden immer mal wieder gespielt. Ein großer Tisch mit mehreren Stühlen steht in der Mitte des Raumes, der Schreibtisch an der Seite.

Wolfgang Lüdtke befasst sich beruflich mit Gesellschaftsspielen, die der Stuttgarter Verlag „Kosmos“ herausbringt. Der Mündelheimer ist einer von fünf Redakteuren, die lange Zeit neue Ideen und Entwürfe von Autoren testen, gegebenenfalls Verbesserungen vorschlagen und schließlich dem Verlag eine Empfehlung aussprechen.

An Catan – Das Spiel mitgearbeitet

Gesellschaftsspiele waren von jeher ein schöner Freizeitausgleich für den gelernten Bankkaufmann. Seit 30 Jahren schon trifft sich Wolfgang Lüdtke mit Freunden und Bekannten zu Spiele-Abenden. Früher sogar regelmäßig in der Katholischen Hochschulgemeinde an der Mülheimer/Ecke Lotharstraße und heute jeden Donnerstagabend in seinem Arbeitszimmer im Keller. Mit der Zeit lernte er immer mehr Gleichgesinnte und schließlich auch Autoren kennen, besuchte Fachmessen und machte letztlich das Hobby zum Beruf. Mit Freunden und Bekannten gründete er 1992 den Verlag TM-Spiele, der für den Kosmos-Verlag Spiele bearbeitete. Vor vier Jahren wurde der Verlag „TM-Spiele“ aufgelöst. Im Mai 2013 holte der Kosmos-Verlag Wolfgang Lüdtke als Redakteur für den Bereich Familien- und Erwachsenenspiele an Bord.

Bekannt ist der Stuttgarter Verlag vielen Spielefreunden durch „Catan – Das Spiel“ vom Autor Klaus Teuber. An dem 1995 erschienenen Spiel hat auch Wolfgang Lüdtke mitgearbeitet. Mittlerweile wurden von dem Grundspiel sechs Millionen Stück in 30 Ländern verkauft. 1988 erschien Klaus Teubers erstes Spiel: „Barbarossa und die Rätselmeister“, das Lüdtke wie so viele andere Spiele des Autors getestet hat. Vielen Insidern bekannt sein dürften „Die Legenden von Andor“, entwickelt von Michael Menzel, der viele Jahre in Duisburg wohnte und heute in Neukirchen-Vluyn lebt. „Das Spiel ist das einzige Werk von Michael Menzel. Er ist hauptsächlich als Illustrator tätig“, sagt Lüdtke, der selbst Autor des Zwei-Personen-Spiels „Caesar und Cleopatra“ ist.

„Online-Spiele sind nicht meine Welt“

Der Mündelheimer ist der erste, der die Prototypen eines neuen Spiels sieht. Er wartet auf ein Paket, das prompt kommt, packt es mit strahlenden Augen aus und staunt: Der Autor, dessen Name noch nicht verraten werden soll, da nicht feststeht, ob der Verlag das Spiel herausbringt, hat sich viel Mühe gegeben, ein Spielbrett gestaltet, Würfel, Spielchips, selbstentworfene Karten und eine vier DINA-4-Seiten umfassende Spielregel dazugelegt. Wolfgang Lüdtke wird das Spiel noch am Abend mit seinen Freunden bei Chips und Getränken spielen und ist von dem, was er vorfindet, bereits angetan.

Sollte das Spiel herauskommen, wäre das frühestens 2020 der Fall. „Für ein gutes Spiel sei wichtig, dass es Spaß macht und den Spielern eine gute Unterhaltung und eine schöne Zeit bietet. Ein gutes Spiel sollte auch den Reiz haben, es immer wieder spielen zu wollen“, sagt der Fachmann, der Spiele favorisiert, bei denen es keine Verlierer und keine Gewinner gibt, die Spieler aber gemeinsam agieren müssen, um ans Ziel zu kommen. Lüdtke schätzt den sozialen Aspekt von Gesellschaftsspielen in der Runde von netten Menschen: „Online-Spiele sind nicht meine Welt.“

Am Anfang steht die Idee

Von besonderer Bedeutung ist die Arbeit der Illustratoren. Außer mit Michael Menzel arbeitet Wolfgang Lüdtke gerne mit Claus Stephan aus Baerl zusammen. Ihnen wird das Thema vorgegeben und sie erarbeiten zwei bis drei Vorschläge zur Auswahl. Eineinhalb bis zwei Jahre dauert es durchschnittlich, bis ein Spiel herausgegeben wird. Am Anfang steht die Idee. „Manchen fällt unter der Dusche ein Thema ein, andere verarbeiten ein Erlebnis im Urlaub“, sagt Wolfgang Lüdtke.

Die wenigsten Autoren können allerdings von dieser Arbeit leben, viele machen sie als Hobby. „Manche sind schon unheimlich stolz, wenn sie ihren Namen vorn auf der Schachtel sehen“, weiß der Spiele-Tester. Freuen darf sich jetzt ein junger Engländer. Im Jahr 2016 hatte er ein Spiel, das die Eisenbahn zum Thema hat, eingereicht. Kurz vor den Feiertagen machte Wolfgang Lüdtke dem Autor ein besonderes Weihnachtsgeschenk. Er teilte ihm mit, dass der Verlag Kosmos das Spiel im Jahr 2019 herausbringt.

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