Zoo Duisburg

Exoten im Zoo Duisburg seit zehn Jahren: die Schnabeligel

Die niedlichen Knopfaugen taugen nicht wirklich, um sich in der Umgebung zu orientieren. Die Schnabeligel sehen schlecht, aber ihre lange Nase besitzt einen hervorragenden Geruchssinn und kann auch feine Schwingungen spüren.

Die niedlichen Knopfaugen taugen nicht wirklich, um sich in der Umgebung zu orientieren. Die Schnabeligel sehen schlecht, aber ihre lange Nase besitzt einen hervorragenden Geruchssinn und kann auch feine Schwingungen spüren.

Foto: Fabian Strauch

Duisburg.   Der Zoo hält in seinem Australien-Revier zwei Schnabeligel. Die niedlich aussehenden Lebewesen gehören zu den eierlegenden Säugetieren.

Die eierlegende Wollmilchsau als wirtschaftlich mehrfach verwertbares Mischwesen oder als umfassend ausbeutbarer Arbeitnehmer ist weitgehend bekannt, aber nur ein Sinnbild. Der eierlegende pelzig-stachelige Schnabeligel hingegen ist weit weniger Menschen geläufig, aber er ist tatsächlich ein Lebewesen. Ein seltenes und seltsames, das irgendwann in Verlauf der Evolution auf einer Übergangsstufe klemmen geblieben zu sein scheint. Denn der Schnabel- oder Ameisenigel ist ein eierlegendes Säugetier. Es ist nur in Australien und Neuguinea beheimatet – und im Zoo Duisburg.

Kuriose Wesen aus Down Under

Ein Paar dieser kuriosen Wesen hat 2009 am Kaiserberg ein neues Zuhause gefunden. Es kam aus dem Tierpark in Rotterdam nach Duisburg, wo die Pfleger nicht nur durch die erfolgreiche Koala-Zucht bewiesen hatten, dass sie mit den Tieren aus Down Under umzugehen wissen. „Wir haben viele australische Tiere, deshalb fiel die Wahl damals auf uns“, sagt Mario Chindemi, der das Revier leitet.

Die beiden stacheligen Gesellen, die seitdem auch in seiner Obhut sind, faszinieren ihn besonders, obwohl sie mit Vorsicht zu behandeln sind. Nur mit dicken Handschuhen ist ein Direktkontakt möglich. „Die Stacheln sind echt gefährlich. Wenn die Igel einen stechen, brechen die Spitzen der Stachel ab, und weil die oft dreckig sind, entzündet sich die Wunde schnell“, erklärt Chindemi. Da ist es von Vorteil, dass er und die anderen Pfleger mit den beiden Duisburger Schnabeligel im Regefall nur zweimal im Jahr auf Tuchfühlung gehen müssen – wie jetzt im Frühjahr, wenn die Tiere vom Innen- ins Außengehege ziehen. Im Spätherbst geht’s dann wieder zurück ins Warme.

Von den derzeitigen Temperaturschwankungen erhofft Chindemi eine anregende Wirkung auf die Tiere in sexueller Hinsicht. Schließlich seien das 1980 geborene Weibchen und das 1984 geborene Männchen im besten Alter, sagt er. In Menschenhand könnten die Igel gut 50 Jahre alt werden. „Einmal hatte wir tatsächlich ein Igel-Ei“, erzählt Chindemi. „Aber plötzlich war das verschwunden.“

Seltsames Paarungsverhalten

Im Zoo jedenfalls muss sich das Männchen weit weniger anstrengen als seine wild lebenden Artgenossen wie Chindemi erzählt: „Die haben ein merkwürdiges Liebesspiel, das die Australier Igel-Zug nennen. Hinter einem Weibchen, das bei Paarungsbereitschaft einen besonderen Geruch verbreitet, laufen Schnauze an Hintern bis zu zehn Männchen her, die sich gegenseitig wegzuschubsen versuchen. Das kann Tage, sogar Wochen dauern, bist das Weibchen deutlich macht: so jetzt will ich.“ Dann lege sich das Weibchen flach auf den Bauch und der Sieger im Kampf um seine Gunst grabe sich an seiner Seite ein, um beim Liebesakt, der bis zu 180 Minuten dauern kann, nicht gestochen zu werden. Danach gehen die Tiere wieder getrennte Wege, denn die Igel sind Einzelgänger.

Nachwuchs wächst in Hautfalte heran

Drei bis vier Wochen nach erfolgreicher Verpaarung legen die Weibchen ein Ei, selten zwei oder drei. „Das ist so lederartig wie bei Schildkröten“, sagt Chindemi. „Das Ei kommt dann in eine Hautfalte, die sich ausbildet. Schnabeligel sind kein Beuteltiere. Und wenn der Nachwuchs mit einem Eizahn die Hülle geknackt hat, schleckt es die Milch der Mutter. Die hat aber keine Zitzen, sondern ein Milchfeld.“ Das sei ein Bereich mit hunderten von Drüsen, die eine „richtige Powernahrung“ abgeben, sobald das Jungtier daran leckt. Gut zwei Monate später, wenn der Nachwuchs für die Hautfalte zu groß wird und anfängt, unangenehm zu pieksen, buddele die Mutter eine schützende Mulde für das Jungtier und lege es dort ab.

„Dann lässt sie ihren Nachwuchs da liegen, kümmert sich zwar noch sechs Monate drum, aber versorgt den meist nur, wenn er auf dem Weg lieg“, erzählt Chindemi lachend. „Das sind echte Überlebenkünstler, diese Igel. Die kommen in allen Lebensräumen in Australien vor, quetschen sich in Felsspalten und haben fast keine natürlichen Feinde, weil die sich mit ihren ungewöhnlich langen Gliedmaßen und Grabkrallen in die Erde buddeln und dort so verankern, dass man die da nicht rauskriegt.“ Nach oben schützten sie die abwehrenden Stacheln.

Nach Buschbränden gibt es Igel-Barbecue

Auch Buschbrände machten den Tieren nichts aus. „Die Stachelspitzen sind ein bisschen angesengt, aber nach dem Feuer schütteln die Asche und Erde ab und schlecken mit ihren langen Zungen die ganzen verbrannten Insekten auf. Für die ist dann richtig Igel-Barbecue“, lacht Chindemi. Die Tiere würden zwar schlecht sehen. Aber sie hätten ein „supergutes Gehör“ und einen ausgeprägten Geruchssinn. „Deren Nase ist mit Blut gefüllt und dadurch können sie feinste Schwingungen und Strahlungen erfassen. Deshalb graben die sich bei Buschfeuern auch rechtzeitig ein.“ Auch wenn Mario Chindemi weit kuscheligere Schützlinge zu betreuen hat, von den eierlegenden Igeln ist er total begeistert: „Das sind unglaubliche Viecher. Die sind echt hardcore. Australier halt.“

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