Kunst-Freiheit

Duisburgs Bürgermeister hat mit Anti-Erdogan-Bild Probleme

Austellung - Politische Arbeiten von Thomas Baumgärtel, im Bild, am Donnerstag, den 04.10.18 in der Cubus Kunsthalle in Duisburg. Foto: Tanja Pickartz/ FFS FUNKE Foto Services

Austellung - Politische Arbeiten von Thomas Baumgärtel, im Bild, am Donnerstag, den 04.10.18 in der Cubus Kunsthalle in Duisburg. Foto: Tanja Pickartz/ FFS FUNKE Foto Services

Foto: Tanja Pickartz

Duisburg.   Das Erdogan-Bananen-Bild des Künstlers Thomas Baumgärtel hat ein politisches Nachspiel ausgelöst. Grüne kritisieren den dritten Bürgermeister.

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Das umstrittene Kunstwerk des Kölner Künstlers Thomas Baumgärtel, das den türkischen Staatspräsidenten Erdogan mit gelber Banane im Gesäß zeigt und das als Teil einer Werkausstellung des Künstlers bis einschließlich Sonntag in der Cubus-Kunsthalle zu sehen war, hat jetzt in Duisburg ein politisches Nachspiel ausgelöst.

Die Duisburger Grünen haben unter Hinweis auf eine Facebook-Debatte zu diesem strittigen Kunstwerk in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Sören Link die Amtsführung des dritten Bürgermeisters von Duisburg, Erkan Kocalar, in Zweifel gezogen. Sie haben den OB aufgefordert, zu prüfen, ob seine auf Facebook dazu gemachten Äußerungen mit „Pflichten und Aufgaben eines Repräsentanten der Stadt und des Rates dieser Stadt zu vereinbaren“ seien.

„Diese Person mit einer perversen Mentalität . . .“

Ihrem Brief an den Oberbürgermeister haben die Grünen eine ausführliche, zweiseitige Abschrift einer am 10. Oktober 2018 auf Facebook öffentlich geführten Debatte zwischen Kocalar und fünf weiteren türkischsprachigen Gesprächspartnern beigefügt. Diese Debatte haben die Duisburger Grünen von einem beim OVG Düsseldorf vereidigten Dolmetscher ins Deutsche übersetzen lassen.

Demnach soll der 3. Duisburger Bürgermeister Kocalar auf Facebook erklärt haben: „ . . . diese Person (meint den Künstler) mit einer perversen Mentalität und die Zuständigen des Kubus Museums, die diese Ausstellung vorbereitet haben, sollen wissen, dass mit dieser Aktion die Ehre aller in Duisburg lebenden Menschen türkischer Nationalität verletzt worden ist.“

„Aufwiegelnde und gefährliche Amtsanmaßung“

Diese Äußerungen des Bürgermeisters Kocalar bewerten die Grünen in ihrem offenen Brief an den OB unter Hinweis auf die im Grundgesetz verfasste Freiheit von Kunst und dem Grundrecht auf Meinungsfreiheit als „eine aufwiegelnde und gefährliche Amtsanmaßung.“

Das von den Grünen vorgelegte Zitat bezeichnete Kocalar gegenüber der Redaktion indes als „falsch“. So habe er dies nicht gesagt. Er habe mit dem Erdogan-Bananen-Bild kein Problem, aber er habe in dem Facebook-Posting gesagt, dass andere damit ein großes Problem hätten, und dass diese sich in der Ehre verletzt sähen. Die Übersetzung des Dolmetscher sei „kryptisch und unvollständig“, kritisierte der Kreisverband der Linken dazu in einer Stellungnahme.

Und weiter: „Auch wenn wir feststellen, dass uns das Bild nicht gefällt, fällt es unter die Kunstfreiheit. Die Feststellung, dass sich ein nicht unerheblicher Teil der Stadtbevölkerung durch das Bild von Baumgärtel in ihrer Ehre angegriffen fühlten, ist sachlich richtig.“

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