Gericht

Duisburgerin steht für vorsätzliche Geisterfahrt vor Gericht

Vom Auto der 46-jährigen Ruhrorterin blieb nach ihrem Selbstmordversuch auf der A 59, bei dem sie selbst und zwei weitere Personen am 9. März 2018 schwer verletzt wurden, nur ein Haufen Schrott über.

Vom Auto der 46-jährigen Ruhrorterin blieb nach ihrem Selbstmordversuch auf der A 59, bei dem sie selbst und zwei weitere Personen am 9. März 2018 schwer verletzt wurden, nur ein Haufen Schrott über.

Foto: Foto: Arnulf Stoffel / dpa

Duisburg.  Weil sie sich töten wollte, fuhr eine Duisburgerin (46) verkehrt auf die A 59 auf und verletzte zwei Menschen. Nun steht sie vor dem Landgericht.

Das bisherige Leben eines Paares aus Moers endete am Morgen des 9. März 2018 um 5.30 Uhr auf der Autobahn A 59 bei Fahrn. Als der 57-jährige Mann und seine 52-jährige Lebensgefährtin auf dem Weg zu ihrem Arbeitsplatz in Röttgersbach waren, prallte ihr Auto frontal mit einem entgegen kommenden Fahrzeug zusammen. Kein gewöhnlicher Unfall: Um sich umzubringen, war eine 46-jährige Ruhrorterin verkehrt herum auf die Autobahn aufgefahren. Seit Mittwoch steht sie vor dem Landgericht.

Die Antragsschrift wirft ihr mehrfachen versuchten Mord mit gemeingefährlichen Mitteln, gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr und gefährliche Körperverletzung vor. Doch die Frage, ob die Frau dabei heimtückisch oder mit gemeingefährlichen Mitteln handelte, ist eher akademischer Natur. Es geht nicht um eine Bestrafung der 46-Jährigen, sondern um die Forderung der Staatsanwaltschaft, die psychisch schwer gestörte Frau zum Schutz der Allgemeinheit dauerhaft in einem psychiatrischen Krankenhaus unterzubringen.

Paar aus Moers hatte keine Chance

Zwei Fahrzeuge hatten der Geisterfahrerin noch ausweichen können. Ihre Autos wurden vom roten Kleinwagen der Beschuldigten nur gestreift. Alle fünf Insassen blieben unverletzt. Das Paar aus Moers hatte dagegen keine Chance mehr: Kaum hatte der 57-Jährige zum Überholen eines langsam fahrenden Lastwagens angesetzt, passierte es.

„Meine Frau rief noch: Da ist ein grelles Licht“, erinnerte sich der Zeuge. „Dann wurde ich erst wieder wach, als Notarzt und Feuerwehr da waren.“ Mehrfach kämpft der Mann, dessen Fuß und Unterschenkel in einer speziellen Schiene stecken und der noch immer an Krücken läuft, bei seiner Aussage mit den Tränen.

Zeugen brachen in Tränen aus

Unter anderem erlitt der 57-Jährige einen Lungenriss, kann seit dem Unfall auf dem linken Ohr nicht mehr hören. „Ich leide unter Atemnot, werde nie mehr Sport machen können. Mein Fuß wird nächste Woche noch einmal operiert. Die Knochen sind so zerstört, dass der Fuß steifgelegt werden soll.“ Zu den körperlichen Folgen kommt eine posttraumatische Belastungsstörung: „Ich kann nicht mehr schlafen, denke immer wieder an den Unfall.“

Seiner Lebensgefährtin geht es nicht viel besser. Auch sie brach beim Anblick der Beschuldigten in Tränen aus. Die Wirbelsäule der 52-Jährigen wurde an mehreren Stellen verletzt. Auch sie läuft noch immer an Krücken.

Die Beschuldigte bedauert das Geschehene

„Der Unfall tut mir heute sehr Leid“, so die Beschuldigte, die bei der Tat ebenfalls schwer verletzt wurde, zu Prozessbeginn. „Ich weiß nicht, wie das passiert ist.“ Erinnern kann sie sich angeblich nicht. Bereits zuvor war die 46-Jährige mehrfach auffällig geworden. Zuletzt, als eine Polizeistreife sie eine Stunde vor der Tat anhielt, weil sie laut hupend durch Großenbaum kurvte.

Für das Verfahren sind bis 10. Juli drei weitere Sitzungstage geplant.

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