Auszeichnung

Duisburgerin engagiert sich für Borderline-Betroffene

Therapeutin Sabine Thiel (Mitte) freut sich über den Preis der Novitas BKK. OB Sören Link (l.), Novitas Vorstandsvorsitzender Frank Brüggemann (2.v.r.) und Dr. Andreas Horn, Chefarzt am Alexianer Krankenhaus Krefeld, überreichen ihr eine Skulptur der Duisburger Künstlerin Michaela Hansen.

Therapeutin Sabine Thiel (Mitte) freut sich über den Preis der Novitas BKK. OB Sören Link (l.), Novitas Vorstandsvorsitzender Frank Brüggemann (2.v.r.) und Dr. Andreas Horn, Chefarzt am Alexianer Krankenhaus Krefeld, überreichen ihr eine Skulptur der Duisburger Künstlerin Michaela Hansen.

Foto: Sebastian Hetheier

Duisburg.   Die Novitas BKK verlieh zum ersten Mal „Das Duisburger Beispiel“. Heilpraktikerin Sabine Thiel engagiert sich für Erkrankte und ihre Angehörigen.

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Es gibt Erkrankungen, über die redet man als Betroffener nicht gerne. Umso wichtiger ist es, dass es andere tun. So wie Sabine Thiel, die sich seit vielen Jahren für Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung und ihre Angehörigen einsetzt. Um ihr Engagement zu ehren, zeichnete die Krankenkasse Novitas BKK sie nun mit dem Preis „Das Duisburger Beispiel“ aus. Dieser soll den Blick auf lokale Initiativen lenken, die Menschen mit einer Erkrankung mehr Lebensqualität bringen.

Live-Rollenspiel soll Aufklärung bieten

„Borderliner? Das sind doch die Ritzer.“ Diesen Satz hat Sabine Thiel unzählige Male gehört. Schließlich befasst sich die Heilpraktikerin und Psychotherapeutin seit vielen Jahren mit der „Borderline“-Persönlichkeitsstörung, eine schwere seelische Behinderung, die Emotionen und das Selbstwertgefühl des Menschen betreffen. Sie hat es geschafft, das Krankheitsbild in die Öffentlichkeit zu rücken, ein Netzwerk für Betroffene und ihre Angehörigen aufzubauen. Denn Borderliner haben mit vielen Vorurteilen zu kämpfen: „Betroffene und Angehörige sind oft stigmatisiert“, weiß Sabine Thiel. Als Mutter eines Sohnes mit Borderline-Störung ist sie selbst betroffen. Daher gründete sie vor acht Jahren die erste Selbsthilfegruppe „Grenzgänger“ für Angehörige in Duisburg, die es mittlerweile auch in anderen Städten gibt. Auch eine Sprechstunde für Angehörige und Betroffene brachte Thiel auf den Weg. Weiter ging ihr Engagement mit der Entwicklung eines Bühnenstücks mit dem Theater Oberhausen, in dem Betroffene ihre Geschichten erzählen. „Hier würde ich mir wünschen, dass es auch in Duisburg ein Theater gäbe, dass mit uns kooperiert“, sagt sie. Zur Zeit entwickelt Thiel ein Live-Rollenspiel mit einem Borderline-Parcours, der „Verständnis für die Betroffenen vermitteln soll“. Mehrere Fachsymposien organisierte die Duisburgerin, ebenso den Trialogischen Tag mit Betroffenen, Angehörigen und Fachleuten, der am 3. November bei der Novitas an der Schifferstraße im Innenhafen stattfindet.

Dort bekam sie gestern unter Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters Sören Link den Preis verliehen. Dr. Andreas Horn, Chefarzt im Alexianer Krankenhaus Krefeld, erklärte in seinem Fachvortrag, wie sich das Krankheitsbild ausdrückt. „Menschen mit Borderline haben viel größere Probleme, mit ihren Emotionen umzugehen, als andere. Ihnen fehlen Fertigkeiten, Gefühle angemessen zu regulieren. Um Stress abzubauen, verletzen sich die Betroffenen deshalb mit Rasierklingen.“ Eine Störung, die keineswegs selten ist: Der Anteil von Borderline-Patienten in psychiatrisch-psychotherapeutischen Kliniken liegt bei 15 Prozent.

„Eigentlich“, sagt Sabine Thiel, „verdienen die Menschen, mit denen ich arbeite, dieses Lob. „Die Betroffenen arbeiten so hart an sich.“ Trotzdem sei sie stolz auf ihre Arbeit, die mittlerweile auch in Fachkreisen wahrgenommen und geschätzt werde. „Als ich 2009 die erste Selbsthilfegruppe gegründet habe, hat man uns nur drei bis vier Monate gegeben.“

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