Zwillinge aus Duisburg

Duisburger Zwillinge (80) teilten sich sogar die Freundin

Die Geschwister Günter (l.) und Dieter Dahm aus Duisburg haben in 80 Jahren viel zusammen erlebt – besonders bei der Bundeswehr und in der Frauenwelt.

Die Geschwister Günter (l.) und Dieter Dahm aus Duisburg haben in 80 Jahren viel zusammen erlebt – besonders bei der Bundeswehr und in der Frauenwelt.

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Die Duisburger Zwillinge Günter und Dieter Dahm haben in 80 Jahren viel erlebt: Bei der Bundeswehr trieben sie ihren Feldwebel zur Weißglut.

Besucher von Günter und Dieter Dahm stehen schon bei der Begrüßung vor dem ersten Problem: Welchem Bruder hat man schon die Hand geschüttelt? Günter und Dieter Dahm können über diese Probleme nur schmunzeln, „denn das passiert bis heute so gut wie allen Leuten.“ Im Februar sind die eineiigen Zwillinge 80 Jahre alt geworden – und in der Zeit haben sie zusammen eine Menge erlebt. Gemeinsam erinnerten sich die Duisburger an geteilte Zahnschmerzen, geteilten Stubenarrest und eine geteilte Freundin.

Schon in der Schule wurden die Zwillinge schmerzhaft verwechselt

Bis die beiden Brüder 20 Jahre alt waren, kamen Günter und Dieter im Partnerlook daher. Das sorgte schon in der Grundschule für schmerzhafte Verwirrungen. „Auf unserer Schule waren Katholiken und Protestanten streng getrennt, auf dem Schulhof durfte man sogar eine Linie nicht übertreten.“ Beim Gang zur Toilette tat Günter aber genau das, die gepfefferten Backpfeifen gab es vom Lehrer aber für Dieter.

„Das hat richtig geblutet, der Lehrer hatte nämlich einen Siegelring am Finger“, erinnert sich der fälschlicherweise Bestrafte. Mutter Dahm war darüber so aufgebracht, dass sie wenig später kurzerhand den Lehrer ohrfeigte. „Die Brille von dem ist im hohen Bogen weggeflogen“, erzählen sie grinsend.

Auch an die Kriegsjahre 1944/45 erinnern sie sich gut, „wir mussten oft in den Bunker.“ Als es 1954 auf die Berufsschule ging, trennten sich ihre Wege das erste Mal – zumindest ein wenig. Schon damals erlebten die Zwillinge aber die besondere Verbindung zwischen ihnen. Als Dieter auf dem Weg zur Schule mit dem Fahrrad in ein Loch in der abgesackten Straße fiel und sogar kurz die Besinnung verlor, kam Bruder Günter fast zeitgleich mit dem Krankenwagen zum Unfallort.

„Ich habe einfach gespürt, dass da was nicht stimmt“, weiß er noch, auch heute beobachten die Brüder dieses Phänomen. „Zum Beispiel haben wir zeitgleich Zahnschmerzen gehabt, oder wir treffen uns häufig beim Einkaufen, obwohl wir uns gar nicht verabredet haben.“

Bei der Bundeswehr helfen sich die Duisburger Zwillinge

Als Günter und Dieter zum Wehrdienst in Neue Vahr in Bremen kommen, wollen die Vorgesetzten die beiden trennen. „Das haben wir denen aber ganz schnell wieder ausgetrieben.“ Die Sperrstunde ab 22 Uhr nehmen sie nicht immer so genau, Günter wird beim Zurückschleichen erwischt. „14 Tage Bau“, also Stubenarrest, lautet das Urteil, „aber ich hatte grade eine neue Freundin in der Stadt“, erinnert sich Günter.

Die Lösung liegt auf der Hand: Die beiden tauschen ihre Ausweise und Spindschlüssel, Dieter sitzt die Strafe ab, während sein Bruder den Freigang genießt. „Auf dem Dachboden in der Kaserne standen auch Betten, das hat keiner mitbekommen, wenn man sich da hochgeschlichen hat“, schmunzeln die Brüder.

Generell nutze den Zwillingen ihr Aussehen beim Kontakt mit der Frauenwelt. Als Dieter, damals zusammen mit einer Dame aus England, eine neue Flamme entdeckt, greift er zu einer kreativen Problemlösung. „Ich habe meinem Bruder erzählt, was wir so gemacht haben“, lacht er – Günter „übernimmt“ die alte Freundin und Dieter ist frei für die neue Angebetete.

Hochzeit feiern die Zwillinge zusammen

Zurück in der Heimat heiraten die Brüder, zwar nicht die englischen Freundinnen, aber natürlich trotzdem zusammen. Am 6. November 1964 läuten die Hochzeitsglocken bei einer Doppelhochzeit. Jeder der beiden bekommt zwei Kinder, Dieter hat drei Enkel, Günter zwei und sogar einen Urenkel. Seit 20 Jahren ist Günter Witwer, „aber ich bin noch nicht richtig im Ruhestand“, betont er. Der gelernte Heizungstechniker ließt, noch bis Ende 2019, an einem Tag in der Woche Heizungen ab, auch sein Bruder hat später vom Schreiner zum Heizungstechniker umgeschult.

Besonders die Erinnerungen an ihre Bundeswehrzeit halten die beiden Brüder in Ehren. Noch heute treffen sie sich mit vier ehemaligen Kameraden aus ihrer Truppe, und Dieter gibt zu: „Auf den Fotos weiß ich manchmal selbst nicht, wer von uns beiden wer ist.“

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