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Duisburger Start-up stellt Nano-Partikel nach Wunsch her

Dr. Sebastian Hardt an einem Reaktor zur Herstellung von Nano-Partikel für die industrielle Anwendung.

Foto: Stephan Eickershoff

Dr. Sebastian Hardt an einem Reaktor zur Herstellung von Nano-Partikel für die industrielle Anwendung. Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg.   Aus seiner Forschung am Zentrum für Nanointegration (Cenide) hat Dr. Sebastian Hardt eine Firma gemacht. Die designt spezielle Kleinstpartikel.

Sie stecken in Zahnersatz und Kosmetika, Batterien und Lasuren oder sind wirksam bei der Behandlung von Krebstumoren: Die Nanopartikel von Dr. Sebastian Hardt werden nach Kundenwunsch designt und maßgeschneidert produziert. Sein Start-up-Unternehmen „HSW-Materials“ hat er kürzlich aus der Universität Duisburg-Essen ausgegliedert.

Beschichtung schon im Reaktor

Der 35-jährige weiß, wie die Produktion der winzigen Metalloxid-Teilchen mit den besonderen Eigenschaften funktioniert. Einen der Sprayflammen-Reaktoren, die im Center for Nanointegration (Cenide) an der Carl-Benz-Straße stehen, hat der 35-Jährige für seine Promotion gebaut.

„Aus wirtschaftlicher Sicht war die Ausgründung sinnvoll“, sagt Hardt. Die Produktion von Nanopartikeln in industrierelevanten Mengen ist dabei kein Neuland – das machen Chemie-Größen wie Evonik längst. „Es gibt allerdings viele Projekte, die in großen Firmen nicht ungesetzt werden, weil es die Partikel nicht gibt.“ Mit der Herstellung der Wunsch-Partikel in kleinen Mengen stößt HSW-Materials in eine Lücke, glaubt Sebastian Hardt: „Für uns ist das wirtschaftlich.“

Lösung mit Salzen wird verbrannt

In seinem mit Gas befeuerten Reaktor wird eine Lösung mit verschiedenen Salzen verbrannt – dabei verbinden sich die verschiedenen Zutaten zu Eisenoxiden, die in einem Filter aufgefangen werden. „Hört sich einfach an, ist es im Prinzip auch“, sagt Hardt, der zunächst Maschinenbau studierte, ehe er seine Forschung am Cenide begann. Doch wie so oft entscheidet hier das Detailwissen, etwa zu Drücken, Temperaturen und Mischungen. Sein Alleinstellungsmerkmal: Noch im Reaktor kann er seine Partikel beschichten. „Können andere auch, aber sie müssen mit nass-chemischen Prozessen viel mehr Aufwand treiben“, erklärt er.

Produziert wird in Kevelaer, in seinem Heimatort hat Sebastian Hardt einen Teil einer Halle gemietet. Rund 100 Gramm pro Tag produziert der Reaktor, den er dort aufgebaut hat. Schnell soll es mehr werden. „In zwei bis drei Jahren wollen wir bis zu drei Kilogramm hinbekommen.“

Metalloxid-Partikel aus Eisen, Titan und Zink, auch Exoten wie Kobalt und Mangan hat die Kleinfirma im Angebot, auch das Portfolio soll wachsen. „Reine Metalle sind unser nächstes Ziel“, erklärt der Gründer. Medizin- und Elektrotechnik sind Einsatzbereiche, spannend sind Partikel für die Produktion so genannter Ferrofluide: „Sieht aus wie schmutziges Öl, mit einem angelegten Magnetfeld wirken sie wie ein Festkörper“, beschreibt Hardt. „Damit kann man eine verschleißfreie Kupplung bauen.“

Zwei seiner Lehrer sind Mitgesellschafter

Dem Cenide wird er vorläufig erhalten bleiben. Schon weil zwei seiner Lehrer Mitgesellschafter der Ausgründung sind. HSW steht für die Nachnamen von Dr. Sebastian Hardt, Prof. Dr. Christof Schulz und PD Dr. Hartmut Wiggers. „Der Reaktor in Kevelaer muss mit festen Parametern produzieren, hier im Cenide können wir weiter an der Verbesserung der Prozesse arbeiten“, erklärt Sebastian Hardt: „Es ist eine Win-Win-Situation.“

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