Theater

Duisburger Spieltrieb sieht dem Tod ins Auge

Foto: Sascha Kreklau

Der Jugendclub Spieltrieb am Theater Duisburg bringt das Stück „Ein Augenblick vor dem Sterben“ als letzte Premiere der Spielzeit auf die Bühne.

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Der Tod ist unausweichlich. Oder vielleicht doch nicht, zuweilen, für eine unbestimmte Zeit? Auf jeden Fall wird zunächst reichlich gestorben in dem neuen Stück, das der Jugendclub Spieltrieb als letzte Premiere in dieser Spielzeit am Sonntag, 18. Juni, erstmals auf die Bühne bringt. Im Acht- bis Zwölf-Minuten-Takt hauchen sieben Darsteller ihr Leben aus, enden sieben Geschichten in dem Stück „Ein Augenblick vor dem Sterben“ nur einen Augenblick später. Unwiederbringlich? Ein Fixer dreht durch und setzt sich den „goldenen Schuss“, ein terrorisiertes Kind verschluckt sich mit finaler Folge an einem Hühnerknochen, einem Schwerkranken wird die Gleichgültigkeit einer Pflegekraft zum Verhängnis; der katalanische Autor Sergi Belbel hat es aber mit dem Tod seiner Charaktere nicht bewenden lassen.

Chance für die „Aussortierten“

Ein Grund, weshalb Schauspiel-Intendant Michael Steindl das Stück aus seiner Schublade hervorgekramt hat, wo es zehn Jahre geschlummert hat. „Das ist so clever verknüpft und erzählt“, schwärmt Steindl. Ein weiterer Grund war, dass für die Vorgänger-Produktion „Die Hütte im Wald“ viel mehr Akteure des Jugendclubs auf die Bühne wollten, als es Rollen zu verteilen gab. Für die „Aussortierten“, die sich inzwischen als Facebook-Gruppe selber so nennen, eine Chance, sich doch noch auf der Bühne zu präsentieren. Und zum dritten war da noch Jonas Schütte, der zusammen mit Matthias Matz in der Inszenierung von Samuel Becketts „Endspiel“ im Duisburger Theater für reichlich Furore gesorgt hat.

Schütte spielt, leitet und schreibt, was ihn interessiert

Bis 2013 leitete der an der renommierten Berliner Ernst-Busch-Hochschule für Schauspielkunst ausgebildete Mime in Halle an der Saale einen Jugendclub am Neuen Theater. „Seitdem spielt, leitet und schreibt er, was ihn interessiert. Was viel ist. Aber sonst nichts“, wie er auf seiner Homepage über sich selber schreibt. Beste Voraussetzungen also, um die Regiearbeit für die Produktion des Duisburger Jugendclubs Spieltrieb zu übernehmen. Umso mehr, als Michael Steindl nach der „Endspiel“-Produktion das Gefühl nicht los wurde, „da haben sich Leute gefunden, die können was miteinander schaffen, um die Lücke zu füllen, die der überraschende Tod von Michael Altmann bei uns am Theater hinterlassen hat“.

Ein „unlösbare Aufgabe“

Der 33-jährige Schütte nahm das Angebot gerne an. Dabei reizte ihn erklärtermaßen nicht nur das „sehr filmisch geschriebene“ Drama des Katalanen Belbel. „In dem Stück gibt es einen Motorradunfall, weil eine übereifrige Polizistin bei einem Einsatz jemanden überfährt. Wie bringt man so was auf die Bühne? Eigentlich ist das eine unlösbare Aufgabe“, findet Schütte, der sie natürlich dennoch zu erfüllen sucht. „Wir pirschen uns da Stück für Stück ran.“ Eine andere Frage, die ihn für diese Regiearbeit eingenommen hat, ist die, wie so junge Leute mit diesem so elementaren Thema umgehen; wobei doch die meisten in diesem Alter – die Spieltrieb-Mitglieder sind in der Regel zwischen 17 und 23 Jahre alt – noch keine Erfahrung damit gemacht haben, wie schnell das Leben zu Ende sein kann. „Wie sterben 17- bis 23-Jährige auf der Bühne? Das ist schon spannend zu sehen, wie sie sich auch da ranpirschen“, erzählt Schütte.

Schizophrene Situation

Schließlich gehe es auch um Einsamkeit, um Emotionalität, um die Ebene einer Person, die oftmals hinter dem nach außen getragenen, öffentlichen Ich verborgen bleibt. „Diese schizophrene Situation ist für junge Menschen, die durch die Pubertät gerade selber in einer solchen Lage sind oder sie eben erst hinter sich gelassen haben, nicht einfach auf der Bühne darzustellen“, meint Schütte. „Aber die schaffen das mit ihrem Charme und ihrem erfrischenden Humor.“ Letztlich sei das Thema Sterben ja nicht nur bedrückend. Schütte: „Es bringt auch eine Menge Lebensfreude.“

Premiere bereits ausverkauft

Premiere feiert der Jugendclub Spieltrieb mit „Ein Augenblick vor dem Sterben“ am Sonntag, 18. Juni, um 20 Uhr im Foyer III des Theaters. Sie ist ausverkauft.

Das Stück des katalanischen Autors Sergi Belbel, für das er 1996 den Spanischen Nationalpreis für Dramatik erhielt, ist die letzte Premiere des Jugendclubs in dieser Spielzeit.

Weitere Aufführungstermine: 19., 26. und 27. Juni sowie 3., 10. und 14. Juli. Karten: 11 Euro.

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