Universität Duisburg-Essen

Duisburger Politologe fragt: Wie solidarisch sind wir?

„Politsolid“ nennt  Prof. Dr. Achim Goerres, Politikwissenschaftler der Uni Duisburg-Essen, sein Forschungsprojekt zur politischen Solidarität.

„Politsolid“ nennt Prof. Dr. Achim Goerres, Politikwissenschaftler der Uni Duisburg-Essen, sein Forschungsprojekt zur politischen Solidarität.

Foto: Foto: Tanja Pickartz / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Im Projekt „Politsolid“ forscht Prof. Dr. Achim Goerres zu politischer Solidarität. So hat er den Europäischen Forschungsrates (ERC) überzeugt.

Wie solidarisch sind wir, wenn der Staat durch neue Steuern und Gesetze soziale Ungleichheit mindern, Integration von Zuwanderern erleichtern und politischen Extremismus bekämpfen will? Diese Frage möchte Prof. Dr. Achim Goerres mit einem künstlichen „Online-Staat“ namens Novaland beantworten. Für sein fünfjähriges Forschungsprojekt „Politsolid“ erhält der Politikwissenschaftler der Universität Duisburg-Essen (UDE) den mit zwei Millionen Euro dotierten Consolidator Grant des Europäischen Forschungsrates (ERC).

„Bürger“ des virtuellen Staats können schnell reagieren

Die Bürger in Novaland sind Bürger aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die sich freiwillig beteiligen. Ihre Aufgabe: Sie müssen sich zu den Dingen verhalten, die der Wissenschaftler von außen ändert – etwa eine Erhöhung der Steuern.

„In einem künstlichen Staat kann ich die Qualität des Handelns manipulieren. In der echten Politik vollzieht sich der Wandel nur sehr langsam“, erklärt Goerres. „Anschließend analysiere ich, wie und warum die Menschen darauf reagieren. Diese empirische Überprüfung ist experimentell und neu in meinem Forschungsbereich.“

Den Umgang mit Krisen verstehen und verbessern

Welche Erkenntnisse verspricht er sich? „Wer solidarisch ist, ist bereit, Kosten durch staatliche Umverteilung für andere zu tragen“, sagt Achim Goerres. Für moderne Demokratien sei diese Einstellung sehr wichtig. „Die Ergebnisse können helfen, Entwicklungen auf unserem Kontinent und den Umgang mit Krisen zu verstehen und zu verbessern.“ Folgen soll ein Feldversuch mit der Stadt Duisburg.

Das Ziel ist dabei, politische Prozesse und Entscheidungen besser an den Bürgern zu orientieren. Das, vermutet der Politologe, steigere sowohl die Zufriedenheit der Bürger als auch ihre Bereitschaft, Umverteilung zugunsten anderer zu unterstützen. Wie sich politische Solidarität steigern lässt, zeige etwa der Zuspruch der Skandinavier für ihre gut funktionierenden Wohlfahrtsstaaten, so Goerres. Umfragen plant er deshalb zudem Deutschland, Estland, Irland, Italien, Rumänien und Schweden.

Fachmann für Studien zu Individuen und Politik

Goerres‘ Studien drehen sich immer um Individuen und Politik. Er selbst bezeichnet sich als Menschenforscher. „Dabei fasziniert mich, was jemanden dazu motiviert, bestimmte Dinge zu tun oder zu lassen. Manchmal handeln Menschen scheinbar politisch aus klar materiellem Eigeninteresse, manchmal selbstlos oder aus anderen Beweggründen. Warum das so ist, treibt mich um.“

Der ERC fördert qualitativ hochwertige Forschungen in Europa und die Pionierleistung von Wissenschaften in allen Bereichen. Der Consolidator Grant richtet sich an etablierte Spitzenwissenschaftler, die bereits ausgezeichnete Forschungen vorzuweisen haben. Für die UDE ist er der erste seiner Art und insgesamt der sechste ERC Grant.

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