Politik

Duisburger Parteien suchen neue Ansprachen an die Bürger

Duisburger Parteien werden weiterhin auch an Infoständen in den Fußgängerzonen und auf Märkten mit den Bürgern in Kontakt treten. Aber es wird auch andere Ansprachen geben.

Duisburger Parteien werden weiterhin auch an Infoständen in den Fußgängerzonen und auf Märkten mit den Bürgern in Kontakt treten. Aber es wird auch andere Ansprachen geben.

Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg.   Neben der Duisburger SPD, die ihre Strukturen neu ordnet, suchen auch andere Parteien Formate, um Mitglieder aktiver in die Arbeit einzubinden.

Parteiarbeit 2019? Für Ralf Jäger, SPD-Chef in Duisburg ist klar, wie die aussehen muss: „Wir müssen digitaler werden.“ Und: Bislang lebte die Partei in einer Komm-Struktur, in der die Bürger auf die Partei zukamen, wenn sie ein Problem hatten. Diese Zeiten seien aber vorbei. „Wir brauchen neue Formate, mit denen wir auf die Bürger zugehen, sie ansprechen“, erklärt Ralf Jäger.

Die SPD ist die erste große Partei in Duisburg, die sich in einem Strukturprozess neu aufstellt. Sinkende Mitgliederzahlen von rund 11.000 Ende der 70er Jahre auf knapp 4000 aktuell erfordern ein Umdenken in der Ortsvereinsarbeit. Einige der bislang 31 Ortsvereine seien nicht mehr in der Lage, „eine lebendige Ortsvereinsarbeit zu leisten“, sagt Ralf Jäger. Dass am Ende einige Funktionsträger in den Ortsvereinen gesagt haben, „das gefällt mir nicht, damit war zu rechnen. Die Mehrzahl sagt aber: Dieser Prozess war längst überfällig“, so Jäger.

Versammlungen abends um 19 Uhr sind schwierig

Mit einer Vereinsarbeit wie vor 20 Jahren spreche man heute keine neuen Mitglieder mehr an. „Die meisten wollen mitarbeiten, aber haben keine Zeit, abends um 19 Uhr zur Versammlung zu erscheinen, weil sich die Arbeitswelt verändert hat. Nicht alle haben um 17 oder 18 Uhr Feierabend“, so Jäger. Die Partei brauche eine „digitale Plattform, auf der strukturiert Themen diskutiert und abgeschlossen werden können.“ Ausbauen will die SPD neue wie die Theken,- oder Wohnzimmergespräche.

Aber nicht nur die SPD sucht nach neuen Formaten. Auch andere Parteien passen ihre Strukturen an. Die Grünen bewegt die Frage: „Wie binden wir die Mitglieder ein?“ Im Gegensatz zu den großen Parteien, steigen ihre Mitgliederzahlen. Landeschef Felix Banaszak sagte erst kürzlich im Gespräch mit der NRZ: „Wir gründen eher Ortsvereine und müssen kleinteiliger werden.“ Kleinteiliger, aber wie? Darüber denkt man auch in Duisburg nach. „Wir haben einen großen Aktivenkreis. Gerade die Mitglieder, die jetzt zu uns kommen, wollen was machen“, sagt Duisburgs Parteisprecherin Birgit Beisheim. Viele Grüne seien auch in anderen Initiativen aktiv. „Für uns ist es wichtig, mit denen ins Gespräch zu kommen. Dadurch werden wir sichtbarer“, so Beisheim. Sie listet auf: „Wir gehen zum Runden Tisch in Marxloh, ins Frauenhaus, sprechen mit Umweltinitiativen.“

Natürlich werde es auch weiterhin themenbezogene Bürgerabende geben. Und in Wahlkämpfen werden die Kandidaten und Mitglieder auch wieder an Infoständen stehen. Aber eine Präsenz in den sozialen Medien und eine direktere Ansprache an die Bürger – darin sind sich alle Parteien einig – muss dazukommen.

Kinderbetreuung bei Parteitreffen

Einmal im Monat sind beispielsweise die Linken mit einem Infostand auf dem Hochheider Markt präsent. „Infostände gehören weiterhin zur Parteiarbeit. Aber wenn man sich nur darauf fokussiert, hat man schon verloren“, sagt Rainer Rensmann, Geschäftsführer der Linksfraktion. Das Ziel sei es, „Kommunalpolitik auch für junge Leute attraktiv zu machen. Und dazu gehört auch, darüber nachzudenken, wann man Sitzungen ansetzt oder ob man eine Kinderbetreuung organisieren kann“, sagt Lukas Hirtz, Sprecher des Kreisverbandes der Linken. Die Partei habe in ihrer Geschäftstelle mittlerweile eine Spielecke.

Ähnlich sieht das auch Stephan Wedding, Junges Duisburg. „Als junges Wählerbündnis nutzen wir alle Kanäle. Twitter, Facebook...“ Aber genauso wichtig blieben die Infostände. „Es sind zwei Zielgruppen. Nutzer der Sozialen Medien sind für einen Moment interessiert, wollen sich schnell informieren“, so Stephan Wedding. Dies ersetze aber nicht die Gespräche mit den Bürgern auf Marktplätzen. „Diese Gespräche lassen sich nicht digital simulieren. Wenn es darauf ankommt, wollen die Leute persönlich mit uns reden und kommen auch zu in die Geschäftstelle.“

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