Schwimmen

Duisburger Mädchen schwimmen nach Ausschluss in Düsseldorf

Diese Schwimmtalente wollen wieder im Duisburger Schwimmstadion trainieren (v.l.): Sina Preißler, Lilo Stephan, Helen Pollmann und Greta Roitzheim. Es fehlen: Maja Mahmutovic und Charlotte Migala

Diese Schwimmtalente wollen wieder im Duisburger Schwimmstadion trainieren (v.l.): Sina Preißler, Lilo Stephan, Helen Pollmann und Greta Roitzheim. Es fehlen: Maja Mahmutovic und Charlotte Migala

Foto: Pollmann

Duisburg.  Nach einem Streit mit dem Duisburger Schwimmteam trainieren sechs Mädchen in anderen Städten. Ihr Verein hat weitere Konsequenzen gezogen.

Sechs Mädchen des Vereins Freie Schwimmer Duisburg 1920 (FSD) dürfen weiterhin nicht im Schwimmstadion Duisburg-Wedau trainieren. Dies hatten die Verantwortlichen der Startgemeinschaft „Duisburger Schwimmteam“ (DST) im März 2019 beschlossen. Der Hintergrund: Das DST setzt mit seinen rund zehn angeschlossenen Vereinen, darunter auch FSD, auf Talente, die gezielt auf Wettkämpfe vorbereitet werden. Und so war es auch zunächst bei den sechs jungen FSD-Schwimmerinnen. Als ihre Trainerin aber nach Unstimmigkeiten nicht mehr für das DST zum Einsatz kam, wollten die Kinder unter ihrer Leitung und der Regie der Freien Schwimmer weiter trainieren. Dies ist zu ihrem großen Ärger aber nicht mehr im Schwimmstadion möglich. Das sei nur dem Leistungssport und dem DST vorbehalten, heißt es weiterhin aus dem dortigen Leitungsgremium. Deshalb sind die FSD-Mädchen aus dem Duisburger Süden zuletzt mit ihrer Wunschtrainerin zwangsläufig sogar auf Bäder in Düsseldorf und Ratingen ausgewichen.

„Das Hausverbot jährt sich nun zum ersten Mal“, sagt Britta Pollmann, Mutter eines betroffenen Kindes. Sie möchte eines betonen: „Wir sind alle recht sport-affine Eltern und könnten sogar mit der vorgeschobenen Regelung leben, dass das Schwimmstadion ausschließlich dem Leistungssport vorbehalten und Schwimmen dort allein in DST-Mannschaften möglich ist.“ Allerdings sei dies einerseits im Vorfeld so nicht kommuniziert worden. Und andererseits werde die Entscheidung nicht konsequent umgesetzt.

Duisburger Mutter spricht von „Willkür, Mobbing und Diskriminierung“

„In der Realität trainieren durchaus diverse Breitensportmannschaften der Heimatvereine, unter anderem ja nach wie vor auch der Freien Schwimmer dort – nur eben mit Ausnahme der sechs Mädchen“, sagt Pollmann.

Auch Hanspeter Sturm, Vorsitzender der Freien Schwimmer, ist verärgert: „Wieso dürfen andere Vereine, obwohl sie keine Aktiven im DST haben, ihr Vereinstraining im Schwimmstadion so gestalten wie sie wollen, also auch mit wem sie wollen, und der FSD nicht?“

Was Pollmann ebenfalls auf die Palme bringt: „Tag für Tag bleiben nachweislich und entgegen der DST-Behauptungen etliche Bahnen leer.“

Ute Migala, auch Mutter eines betroffenen Kindes, spricht deshalb von „Willkür, Mobbing und Diskriminierung“. Sie vermisst nicht nur weiter einen offiziellen, schriftlichen Beschluss zum Ausschluss der sechs FSD-Talente, sondern fordert auch Einsicht in die Belegungspläne des Schwimmstadions. Da fehle die Transparenz. Das DST habe sich bisher gegenüber den Eltern überhaupt nicht gesprächsbereit gezeigt.

Sorge um negative Auswirkungen für den gesamten Duisburger Schwimmsport

Sie befürchtet durch den Streit negative Auswirkungen für den gesamten Duisburger Schwimmsport: „Ich weiß von vielen anderen talentierten Kindern, die das Ziel hatten, im Duisburger Schwimmteam mitzumachen und diese Entscheidung jetzt noch einmal überdenken.“

Der FSD-Vorstand habe jedenfalls entschieden, das DST zum Großteil zu verlassen und nur noch für die verbliebenen Schwimmer in den DST-Mannschaften Mitglied zu bleiben. Für die anderen werde ein eigenes Startrecht für Wettkämpfe als Freie Schwimmer Duisburg beantragt.

Extra Schwimmzeiten in Ratingen und Düsseldorf gebucht

Außerdem wurden mit Vereinsgeld extra Schwimmzeiten für die sechs Mädchen in Ratingen und Düsseldorf gebucht.

Alfred Preissler, Vater eines betroffenen FSD-Talents, sagt: „Die Kinder sind weiter leistungsorientiert. Sonst würden sie nicht insgesamt fünfmal in der Woche trainieren“, so Preissler. „Montags geht’s ins Neudorfer Memelbad, donnerstags nach Wanheim. Ansonsten fahren wir Eltern unsere Kinder jeden Sonntag früh morgens nach Ratingen, damit sie dort um 7.30 Uhr ins Wasser können. Und dienstags und freitags bringen wir sie zum Rheinbad.“ Das Düsseldorfer Bad verfügt über eine fürs Wettkampftraining besonders wichtige 50-Meter-Bahn. Eine solche gibt es in Duisburg nur im Walsumer Allwetterbad und eben im Schwimmstadion.

Die Eltern wissen nicht, wie lange sie diesen Aufwand betreiben können. Sie sind auch über die fehlende Unterstützung der anderen Vereine im DST enttäuscht. Nach einem Brief an den Oberbürgermeister hatte seinerzeit das Dezernat des OB und das Sportdezernat des Beigeordneten Ralf Krumpholz zu vermitteln versucht. Es wurde empfohlen, eine Schiedsperson hinzuziehen.

Hoffnung ruht auf nächster Sitzung des Duisburger Schwimmteams

„Das alles ist nicht passiert“, sagt Hanspeter Sturm. Er möchte das Thema auf der nächsten Sitzung des Duisburger Schwimmteams am 24. März mit Vertretern der angeschlossenen Vereine noch einmal diskutieren.

Auch Britta Pollmann hofft auf eine Lösung. „Für unsere Tochter ist die Lage eine besonders prekäre“, erzählt sie. „Sie besucht die NRW-Sportklasse des Steinbart-Gymnasiums, ein Vorzeigeprojekt des Stadtsportbunds, und erfährt durch diese im nächsten oder übernächsten Schuljahr vermutlich eine individuelle Förderung in Form eines Frühtrainings – im Schwimmstadion!“ Das Trainingsverbot am Nachmittag im Verein werde aber vom Stadtsportbund gebilligt. „Das soll dann ein elfjähriges Kind noch verstehen...“

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