UNICEF-AKTION

Duisburger machen mit beim „Theater der 10.000“ von Unicef

Die Regieanweisungen für das  Unicef-Theater der 10.000 erhielten auch die Mitspieler auf dem König-Heinrich-Platz über Kopfhörer und Smartphone-App.

Die Regieanweisungen für das Unicef-Theater der 10.000 erhielten auch die Mitspieler auf dem König-Heinrich-Platz über Kopfhörer und Smartphone-App.

Foto: Fabian Strauch

Duisburg.   Gut vierzig Teilnehmer trafen sich am 11. Mai Punkt 12.19 Uhr vor dem Amtsgericht Duisburg und spielten mit beim „Theater der 10.000“ von Unicef.

Sie stehen angespannt in Reih und Glied, die Gesichter höchst konzentriert. Sie blicken starr geradeaus, keiner regt sich. Doch dann, ganz plötzlich der Aufbruch nach vorn. Gemeinsam, gleichzeitig. Die vorbeiflanierenden Zuschauer sind irritiert. Die Gruppe agiert simultan, doch es sind keine Kommandos zu hören. Es herrscht bis auf den üblichen Samstagmittagslärm Stille auf dem König-Heinrich-Platz.

„Ist das ein einstudierter Tanz“, fragt ein Passant und blickt skeptisch hinüber zu den knapp 40 Personen, die in einem akribisch abgesperrten Rechteck gerade seltsame Gebärden machen. „Sieht gar nicht so aus.“ Dann schaut er hilfesuchend zu einer Mitarbeiterin von Unicef. Die erzählt ihm, dass die Akteure ihre Regieanweisungen über Kopfhörer und Smartphone bekommen. „Wir spielen hier gerade das größte Theaterstück Deutschlands. Diese Aktion ist einmalig“, erklärt auch Peter Walter von der Unicef-AG Duisburg.

Regieanweisungen per Kopfhörer

Von Flensburg bis Passau heben gerade tausende Menschen gleichzeitig die Arme, bilden einen Kreis, oder schreiten langsam aufeinander zu. Je länger das Stück dauert, desto komplexer werden die Regieanweisungen. Die passenden Kommandos bekommen die 40 Akteure über eine App zeitgleich über Kopfhörer angesagt. Das Gleiche hören die Teilnehmer in Aachen, Görlitz, oder wo auch immer sie gerade ebenfalls auf einem öffentlichen Platz stehen und performen. So können ganz viele Menschen gleichzeitig an unterschiedlichen Orten gemeinsam etwas tun.

Die Teilnehmer hören dabei weit mehr als krude Kommandos, sie lauschen einer Geschichte. Sie sind Zeitreisende, die zurück in das Jahr 2019 kommen, um die Erde vor dem globalen Kollaps zu retten. Sie sollen den Kindern wieder eine Basis zum Leben schaffen. „Bei dieser Aktion geht es darum, Menschen symbolisch gemeinsam in Bewegung zu setzen. Wir möchten spielerisch auf ein ganz ernstes Thema aufmerksam machen“, betont Walter.

Kampagne „Kindheit braucht Frieden“

Das Projekt ist der Höhepunkt der Unicef-Kampagne „Kindheit braucht Frieden“. Walter und seine ehrenamtlichen Mitstreiter in aller Welt wollen mit dieser ungewöhnlichen Straßentheateraktion auf die furchtbare Situation von Kindern in Kriegsgebieten und auf der Flucht aufmerksam machen. Und zwar nicht mehr nur mit den obligatorischen Weihnachtsgrußkarten, die die Deutschen schon seit Jahrzehnten kennen und fleißig verschicken. Unicef soll insgesamt präsenter und aktiver werden. Das ist auch das Ziel der rund 50 Aktiven Mitglieder in Duisburg, die noch Unterstützer suchen.

Eine neue Kraft ist Antonia Ortmann. Sie studiert Erziehungswissenschaft und ist vor etwa einem Jahr zu den Duisburger Uniceflern gestoßen. Heute ist sie die IT-Beauftragte und muss dafür Sorge tragen, dass die App auch auf allen Smartphones reibungslos läuft. „Mir liegt das Thema Kinder sehr am Herzen, das war schon immer so. Ich hab mir in der vierten Klasse schon zum Geburtstag ein Patenkind von Unicef gewünscht“, erklärt sie beinahe entschuldigend. Ihre Freundin Lynn Stiebert ist mit dabei, weil sie die Idee des deutschlandweiten Theaterstückes genial findet: „Antonia hat mir davon erzählt, und da bin ich neugierig geworden und wollte mir das Ganze einmal anschauen“.

Gelungener Auftakt für weitere Aktionen

Auch wenn die Messlatte mit dem Arbeitstitel „Theater der 10.000“ für Duisburg vielleicht etwas zu hoch gelegt wurde, da hier nur knapp vierzig statt der statistisch benötigten 100 Personen mit auf die Zeitreise gegangen sind, so ist es doch für das Kinderhilfswerk ein gelungener Auftakt für weitere Publikumsaktionen. Peter Walter ist optimistisch, dass Unicef demnächst viel aktiver, präsenter und politischer werden wird. „Wir werden nach wie vor auf dem Weihnachtsmarkt präsent sein, Sie werden uns auf dem Folk- oder Kinder-Kultur-Festival finden und wir werden weiterhin in Schulen aktiv sein. Da ist noch ganz viel Potenzial, was wir künftig ausschöpfen möchten.“

Geärgert hat den 65-jährigen Chef-Organisator Peter Walter von der Duisburger Unicef-AG die zögerliche Zusage der Stadt, den Platz nutzen zu dürfen: „Ich musste drei E-Mails schreiben und mehrmals nachfragen, bis wir die Genehmigung hatten, hier spielen zu dürfen, während Pegida die Erlaubnis, am Bahnhof zu demonstrieren sofort bekam.“


Interessierte sind bei Unicef willkommen

Wer Lust hat, sich näher mit Unicef vertraut zu machen, ist willkommen beim nächsten Treffen am Donnerstag, 6. Juni, 18 Uhr, Fabrikstraße 32, in Ruhrort.

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