Brauchtum

Duisburger lässt sich vom Bistum zum Nikolaus ausbilden

Dirk Schuchardt aus Duisburg-Huckingen hat sich an der Nikolaus-Schule des Bistums Köln zum professionellen Nikolaus ausbilden lassen. Rund um den 6. Dezember ist er dann als Nikolaus kostümiert in Kitas und Schulen unterwegs.

Foto: Stephan Eickershoff

Dirk Schuchardt aus Duisburg-Huckingen hat sich an der Nikolaus-Schule des Bistums Köln zum professionellen Nikolaus ausbilden lassen. Rund um den 6. Dezember ist er dann als Nikolaus kostümiert in Kitas und Schulen unterwegs. Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg.   Dirk Schuchardt hat sich vom Bistum Köln offiziell zum Nikolaus ausbilden lassen. Er möchte Kindern die wahren Werte des Festes vermitteln.

Seit Knecht Ruprecht sein Gehilfe ist, hat der Nikolaus ein kleines Image-Problem. „Zumindest bei uns Kindern der Siebziger oder Achtziger Jahre“, weiß Dirk Schuchardt. Schließlich hatte der Heilige den strafenden Knecht stets im Schlepptau – wenn der mit seiner Reisig-Rute wedelte, verkrochen sich manche Kinder vor Angst unterm Tisch. Eltern nutzen das Gespann eben auch heute noch gerne als kleine Erziehungshilfe. Dirk Schuchardt möchte den guten Ruf des Nikolaus stärken, ihn wieder zum Freund machen, und schlüpft daher selbst ins Ornat. In einem Nikolausseminar des Bistums Köln wurde der Huckinger nun zum offiziell ausgebildeten Sankt Nikolaus gekürt.

Gerade hat der Postbote die letzten Gimmicks für die Verwandlung geliefert: Dirk Schuchardt reißt den Karton auf und zieht eine Rundbrille, Kreuzkette und einen rubinroten Ring heraus. „Man muss alles ablegen, was einen identifizieren könnte“, sagt er und streift sich die rahmenlose Brille von der Nase. Seine eigene Tochter war es, die im Alter von vier Jahren seine wahre Identität bei einem Termin im Kindergarten beinah auffliegen ließ. „Ich hatte meine Autoschlüssel unbedacht zu den Geschenken in den Sack geworfen“, erinnert er sich. „Sie sah das und löcherte mich mit Fragen.“ Ohnehin gilt für Nikoläuse, die auf zweifelnde Kinder treffen: Immer geheimnisvoll bleiben, vage antworten. „Auch das lernt man im Nikolaus-Seminar“, lacht der 44-Jährige und stülpt den Chormantel über, schiebt den weißen Bart über den Mund und ruckelt die Perücke zurecht. Jetzt noch die Mitra, den Bischofsstab – und der Wandel zum St. Nikolaus ist perfekt.

Private Darstellungen

Seit 2012 stellt der Familienvater den Heiligen im privaten Kreis dar, im Kindergarten der beiden Töchter oder auf Familienfesten. „Nun wollte ich das Ganze professioneller angehen und bin bei der Internet-Recherche zufällig auf das Seminar des Bistums gestoßen.“ Daran nahm er Anfang November teil, zusammen mit Männern, die sich ebenfalls seriös auf ihre Rolle vorbereiten wollten. Den Nikolaus zu spielen, bedeutet eben mehr als nur ein rotes Kostüm überzuwerfen. „Mit Klamauk hat das nichts zu tun.“ Vielmehr gehe es um die Vermittlung von Werten. „Mittlerweile wird ja alles durcheinander gebracht“, weiß Dirk Schuchardt. Supermärkte preisen Schoko-Weihnachtsmänner als Nikoläuse an, Eltern stopfen Geschenke in Socken als wäre schon Weihnachten. „Zu dieser Kommerzialisierung möchte ich einen Gegenpol schaffen.“

„Das hat alles nichts mit dem ursprünglichen Sinn und der historischen Person Nikolaus von Myra zu tun.“ Der war nämlich Bischof im dritten, bzw. vierten Jahrhundert nach Christus im byzantinischen Reich, der heutigen Türkei. „Es gibt drei Hauptgeschichten, in denen es vor allem ums selbstlose Schenken geht“, hat er gelernt. „Dass Geben seliger als Nehmen ist.“ Das möchte er Kindern vermitteln – auf Augenhöhe, „völlig angstfrei“.

Das Goldene Buch mit den guten und schlechten Taten der Kinder hat er trotzdem dabei. Jedoch verzichtet er auf die Frage, vor der jedes Kind Bange ist: Warst du auch artig? „Ich lasse mich von Eltern nicht als Erziehungshelfer missbrauchen“, macht Schuchardt deutlich. „Vielmehr möchte ich mit den Kindern ins Gespräch kommen.“ Daher darf auch kein strafender Knecht Ruprecht mit. „Die Kirche empfiehlt ohnehin, ihn ganz abzuschaffen, um keine schlechten Gefühle hervorzurufen.“ Der Nikolaus möchte ja nicht in ängstliche, sondern in strahlende Kinderaugen blicken. „Dafür mache ich den Job schließlich.“

Ausgleich zum Job als Trauerredner

Dirk Schuchardt lebt mit seiner Frau und den beiden Töchtern, 9 Jahre und 23 Monate alt, in Huckingen. Hauptberuflich ist der 44-Jährige als Trauerredner beschäftigt. Den Nikolausjob macht er „als fröhlichen Ausgleich zur oft traurigen Arbeit“.

Fühlte er sich vor dem Seminar als „Einzelkämpfer“, habe er nun das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Wer Dirk Schuchardt als ehrenamtlichen Nikolaus für 2017 buchen möchte, schreibt eine Mail an: nikolaus.duisburg@web.de. Weitere Infos zu den Seminaren, die auch vom Bistum Essen angeboten werden, auf www.nikolausaktion.org.

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