Gesundheit & Pflege

Duisburger Klinikum rekrutiert Pfleger-Nachwuchs aus China

Das Evangelische Klinikum Niederrhein beschäftigt chinesische Pflegekräfte – hier im Gespräch mit Pflegedienstleiterin Andrea Hirsch.

Das Evangelische Klinikum Niederrhein beschäftigt chinesische Pflegekräfte – hier im Gespräch mit Pflegedienstleiterin Andrea Hirsch.

Foto: Guido Jansen

Duisburg.   Das Evangelische Klinikum Niederrhein ist bei seiner Suche nach Nachwuchs in China fündig geworden. Sechs Pfleger bereiten sich auf Prüfung vor.

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Das Evangelische Klinikum Niederrhein (EVKLN) löst seinen Mangel an Pflegekräften mit Nachwuchs aus China. Sechs junge Chinesen, vier Frauen und zwei Männer, sind seit einigen Wochen in Duisburg und bereiten sich auf die Prüfung vor dem Gesundheitsamt vor, die Voraussetzung für den Einsatz in Deutschland ist.

Angeworben wurden die Pflegekräfte von der UBG International Kurse Recruitment in Eastern-Europe and China GmbH – einer Vermittlungsagentur mit Sitz in Berlin. „Sie haben die Bewerber vor Ort ausgewählt“, berichtet Heike Lütfring, Pflegedirektorin am EVKLN. Fachliche Qualifikation und Sprachkenntnisse spielten dabei eine Rolle. „Alle sprechen Deutsch auf B1-Niveau und haben einen Bachelor-Abschluss“, so Lütfring am Rande eines Besuchs von Hans Pflug, dem China-Beauftragen der Stadt, im Fahrner Krankenhaus.

„Das werden oft die besten Ärzte“

Die Motivation, ihre berufliche Zukunft in Deutschland zu suchen, sei sehr unterschiedlich, hat die Pflegedirektorin erfahren: „Einer hat bereits zwei Kinder und sieht hier für seine Familie eine bessere Perspektive. Ein anderer möchte eine medizinische Karriere machen. Diese Fälle kennen wir – das werden oft die besten Ärzte.“

Das Klinikum investiert in den Nachwuchs aus dem Reich der Mitte: Neben einer Vermittlungsgebühr von 12.000 Euro pro Pflegekraft gibt’s für die sechs Vorbereitungsmonate bis zur Prüfung ein Pflegehelfer-Gehalt und eine mietfreie Unterkunft im Schwesternwohnheim am Meidericher Herzzentrum. „Dort ist eine Mitarbeiterin freigestellt für Schulung und Integration“, erklärt Heike Lütfring. Ein halbes Jahr werde reichen, um sich einzuleben und die Prüfung zu bestehen, glaubt sie: „Bei den allermeisten wird das funktionieren.“

Mehrbedarf von 20 Stellen wegen Neuregelung

Mit der Verstärkung bereitet sich das Klinikum vor auf die neuen Pflegepersonal-Untergrenzen, die ab 2019 für den Intensiv-Bereich, Kardiologie, Geriatrie und Unfallchirurgie gelten sollen.

Auf einer Intensivstation müsste dann etwa nicht wie bisher eine Kraft tagsüber für 2,5 Patienten, sondern für zwei Patienten zur Verfügung stehen. „Das bedeutet etwa 20 Stellen mehr für unsere Kliniken“, rechnet Lütfring. „Wenn wir das nicht erfüllen können, müssten wir Patienten abweisen.“

Aus dem eigenen Nachwuchs könne die Lücke nicht geschlossen werden, sagt die Pflegedirektorin. Die hauseigene Pflegeschule stellt pro Jahr 90 junge Frauen und Männer ein, seit 2015 eine zusätzliche Klasse eingerichtet wurde. „Es reicht nicht, einfach noch eine weitere Klasse einzurichten. Wir müssen die Schüler auch in den Kliniken ausbilden können“, erläutert die Pflegedirektorin.

44 Prozent der Pfleger sind 50 Jahre und älter

Obwohl etwa 80 bis 85 Absolventen pro Jahr die Ausbildung beenden, reicht das nicht, um den Bedarf wegen Fluktuation und Ruhestand zu decken. „Etwa 44 Prozent der Kollegen sind 50 Jahre und älter“, so Lütfring. Insgesamt beschäftigt das Klinikum 1500 Kräfte auf 805 Planstellen und weitere 230 im Funktionsdienst.

Trotz Angeboten von familienfreundlichen Arbeitszeiten, und einer hohen Rückkehrerquote aus Familienzeit mache dem Evangelischen Klinikum der wachsende Wettbewerb um qualifizierte Pflegekräfte zu schaffen. Häuser, die selbst nicht ausbilden, würden teilweise mit Anwerbeprämien arbeiten, weiß Lütfring. Der Rückgriff auf Fachkräfte aus China soll deshalb keine einmalige Option bleiben: „Im Oktober kommen noch sechs weitere Chinesen.“

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