Britischer EU-Austritt

Duisburger IHK mahnt Unternehmen: Auf Brexit vorbereiten

Vom Duisburger Hafen aus gehen Waren per Schiff, Eisenbahn oder Lkw auf die Reise in alle Himmelsrichtungen und damit auch zu Zielen in Großbritannien. Und für diese Verkehre ändern sich durch einen Brexit reihenweise die Rahmenbedingungen.

Vom Duisburger Hafen aus gehen Waren per Schiff, Eisenbahn oder Lkw auf die Reise in alle Himmelsrichtungen und damit auch zu Zielen in Großbritannien. Und für diese Verkehre ändern sich durch einen Brexit reihenweise die Rahmenbedingungen.

Foto: Hans Blossey

Duisburg.   Nicht nur für die Logistikunternehmen in Duisburg ändern sich durch den Brexit viele Rahmenbedingungen. Die IHK bietet eine Checkliste an.

Keine drei Monate mehr, dann ist die Europäische Union um Großbritannien kleiner. Wahrscheinlich. Oder vielleicht. Viele Fragen rund um den Ausstieg der Briten aus dem gemeinsamen Markt sorgen für große Verunsicherung in der Wirtschaft. Hohe Kosten durch höhere Zölle und zusätzliche Bürokratie befürchtet die Industrie- und Handelskammer. Für Betriebe mit Handelsbeziehungen nach Großbritannien hat die IHK eine Brexit-Checkliste zusammengestellt (www.ihk-niederrhein.de, Stichwort „Brexit“).

„Ärgerlich ist, dass den Unternehmen unnötige Kosten entstehen, weil sie sich auf verschiedene Möglichkeiten einstellen müssen“, erläuterte unlängst Kammer-Hauptgeschäftsführer Stefan Dietzfelbinger. Sein Rat an die Unternehmen: Auf einen harten Brexit einstellen. Besonders betroffen von einem harten Brexit sind laut IHK Betriebe, die bisher ausschließlich in der binnengrenzenlosen Europäischen Union tätig und deshalb beispielsweise mit Zollformalitäten nicht vertraut sind.

„Insbesondere im Warenverkehr wird es eine Reihe von Verschlechterungen geben“

„Insbesondere im Warenverkehr wird es eine Reihe von Verschlechterungen geben“, heißt es in der Brexit-Checkliste klar und deutlich. Im Detail wird dann abgefragt, ob sich die betroffenen Unternehmen vorbereitet haben auf einen Warenverkehr wie mit Ländern außerhalb der EU, mit abweichenden Vorschriften bei Im-und Export, mit Zöllen und in Zukunft vom bisherigen Standard abweichenden Normen.

Wichtig für Unternehmen an einem Logistikstandort wie Duisburg: Laut IHK ist mit einem „erhöhten bürokratischen Aufwand bei Lieferungen per Straßengüterverkehr“. Und: „Dies wird auch verbunden sein mit deutlich längeren Wartezeiten an der Grenze zu UK sowie bei Hafenterminals.“

Der unionsrechtliche Schutz für europäische Investoren fällt weg

Damit nicht genug: „Der Brexit hat für deutsche Investoren zur Folge, dass der unionsrechtliche Schutz für europäische Investoren wegfallen wird“, warnt die Kammer. Und es könne einige Zeit dauern, bis ein Investitionsschutzabkommen in Kraft treten werde. Prüfen solle jedes Unternehmen auch, inwieweit Versicherungen noch wirksam sind und ob ein Wechsel zu einem Anbieter mit Sitz innerhalb der EU sinnvoller sein könnte.

Völlig ungeklärt ist nach Einschätzung der Kammer derzeit noch die Rechtslage für EU-Bürger, die nach dem 30. März eine Arbeit in Großbritannien aufnehmen. Voraussichtlich seien in solchen Fällen künftig Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen oder auch Visa notwendig. Was er vom Brexit erwartet, umriss IHK-Präsident Burkhard Landers so: „Das Vereinigte Königreich ist auf dem Weg zu einem unbedeutenden Inselstaat am Westrand Europas.“

>>KNAPPE MEHRHEIT FÜR EU-AUSTRITT

Am 23. Juni 2016 haben bei einem Referendum 51,9 Prozent der britischen Wähler für einen Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union gestimmt. Die Wahlbeteiligung beim Brexit-Votum lag bei 72,2 Prozent.

Im März 2017 informiert Premierministerin Theresa May die EU über den Austrittswunsch Großbritanniens. Damit lief die Frist von zwei Jahren für die Regelung eines EU-Austritts. Der Austritt ist somit auf den 30. März 2019 festgelegt.

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