Gesundheitsserie

Duisburger HNO-Arzt ist international gefragter Experte

Der renommierte HNO-Spezialist Prof. Dr. Stephan Remmert arbeitet als Chefarzt am Malteser Krankenhaus St. Anna in Huckingen.

Der renommierte HNO-Spezialist Prof. Dr. Stephan Remmert arbeitet als Chefarzt am Malteser Krankenhaus St. Anna in Huckingen.

Foto: Tanja Pickartz

Duisburg-Huckingen.   Auf der Bestenliste: Am St. Anna Krankenhaus rekonstruiert Prof. Remmert Zungen. Nach der Heilung können Patienten wieder feste Nahrung essen.

Spitzenmedizin vor der Haustür: Er ist eine Koryphäe auf seinem Gebiet. Gerade erst landete Prof. Dr. Stephan Remmert auf der Focus-Liste als bester Experte für Kopf-Hals-Tumore an erster Stelle. Er bekam die volle Punktzahl, sowohl von Kollegen als auch von Patienten. „Das freut mich natürlich“, sagt der Mediziner mit einem freundlichen Lächeln. Er ist Chefarzt der HNO-Klinik am Malteser Krankenhaus St. Anna. Gerade hat er seinen Vertrag um zwei weitere Jahre verlängert, bis zu seinem 68. Lebensjahr: „Das Operieren macht mir Spaß“, sagt der Spezialist.

Stephan Remmert bezeichnet HNO-Ärzte scherzhaft als „Fünf-Löcher-Ärzte“ - zuständig für je zwei Nasen- und Ohrenöffnungen und den Mund. Doch diese Bereiche sind entscheidend für einen Menschen – um zu atmen, zu hören, zu schlucken und zu schmecken.

Die komplizierte Operation kann acht Stunden dauern

Patienten aus ganz Europa kommen in die Huckinger Klinik, um sich von ihm operieren zu lassen. Vor allem Kranke, die an Zungenkrebs leiden, vertrauen auf seine Erfahrung. Prof. Remmert hat sogar eine eigene Operationsmethode entwickelt, den so genannten Remmert-Lappen.

Dabei wird die Zunge in einer aufwendigen Operation rekonstruiert. Dazu entnimmt der Arzt Muskulatur des Zungenbeins, formt daraus einen Zungenkörper und transplantiert darauf Haut, die er zuvor dem Unterarm des Patienten entnommen hat. Eine hoch komplizierte Operation, die sechs oder acht Stunden dauert. Es folgen Bestrahlung und Reha.

Der Chefarzt operiert auch Kassenpatienten

„Ich hatte Patienten, die wurden schon drei Jahre künstlich ernährt. Nach der OP konnten sie wieder feste Nahrung zu sich nehmen“. Der Arzt spricht von den Momenten, die nicht nur den Patienten, sondern auch ihn glücklich machen.

Remmert ist in Magdeburg aufgewachsen, 1989 an eine Klinik in Lübeck gewechselt und seit nunmehr 15 Jahren Chefarzt am St. Anna-Krankenhaus. Noch immer steht der Arzt am OP-Tisch. Komplizierte Eingriffe führt er selbst durch - egal ob bei Privat- oder Kassenpatienten. „Hier ist meine Arbeitskraft gut eingesetzt“, sagt der Arzt. Vergleichsweise harmlose Eingriffe wie das Einsetzen eines Paukenröhrchen überlasst er seinen Mitarbeitern.

Fäden, die dünner sind als ein menschliches Haar

Fit für die stundenlangen Operationen hält sich der Mediziner durch Sport. Entspannen kann er beim Malen. In seinem Arztzimmer hängt eine von ihm gemalte New Yorker Skyline – so detailgetreu und fein ausgearbeitet, das man sie für ein Foto halten könnte.

Seine Geschicklichkeit und die Fähigkeit, filigran zu arbeiten, kommt ihm auch beim Operieren zugute. Er vernäht hauchdünne Fäden, dünner als ein menschliches Haar. Der Arzt muss dabei durch den engen Mund- und Rachenraum mit all den Blut- und Nervenbahnen navigieren.

Warnzeichen: Länger als drei Wochen heiser

Der Vater einer erwachsenen Tochter, die gerade ihre erste Stelle als Assistenzärztin in einer Essener HNO-Klinik angetreten hat, ist froh, dass sich die Einstellung gegenüber dem Rauchen gewandelt hat. Er ist froh, dass viele Jugendliche nicht mehr rauchen, nur weil es schick ist und man dazu gehören will. Denn: „95 Prozent meiner Kehlkopfkrebs-Patienten sind Raucher“, so Remmert. Ihnen versucht er zu helfen, in dem er nach Entfernen des Tumorgewebes einen neuen Schlund aus dem Unterarmgewebe einsetzt und aus Rippenknorpeln ein Kehlkopf-Gerüst konstruiert.

Eine Vorsorgeuntersuchung wie bei Brust oder Darm ist im HNO-Bereich nicht hilfreich. Das Problem ist, dass man diese Tumore unter einem Zentimeter Größe auch mit modernen bildgebenden Verfahren nicht erkennen kann. „Wenn sie dann ein Zentimeter groß sind, haben wir es bereits mit einer Million Zellen zu tun. Die sich dann durch Teilung entsprechend schnell vermehren“, erklärt Remmert die große Gefahr.

Kann man vorbeugen? „Man sollte auf sich selbst achten“, sagt der Experte. Warnzeichen sind langhaltende Schluckbeschwerden, ein Fremdkörpergefühl im Rachenbereich, Knötchen am Hals oder wenn man drei Wochen lang heiser ist. „Dann sollte man auf jeden Fall zum Arzt gehen“, rät Prof. Stephan Remmert.

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Eine neue Serie stellt Mediziner im Duisburger Süden vor

„Die Gesundheit ist zwar nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts“. Kein anderes Zitat von Arthur Schopenhauer, Philosoph und Arzt, wird so oft herangezogen wie dieses.

Jeder, der krank ist und war, kann diesen Satz unterstreichen. Und jeder Patient ist heilfroh, dass es Menschen gibt, die sich professionell mit der Gesundheit der anderen beschäftigen.

In einer neuen Serie stellen wir Menschen vor, die dies im Duisburger Süden tun: hoch spezialisierte Chefärzte, engagierte Pflegekräfte, Mediziner, die ambulant versuchen, Geist und Körper zu heilen.

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