Sozialer Arbeitsmarkt

Duisburger Handwerk zögert beim Sozialen Arbeitsmarkt

Den Weg auf Baustellen dürften Langzeitarbeitslose durch das neue Gesetz zum Sozialen Arbeitsmarkt nur selten finden,  glaubt das Handwerk.

Den Weg auf Baustellen dürften Langzeitarbeitslose durch das neue Gesetz zum Sozialen Arbeitsmarkt nur selten finden, glaubt das Handwerk.

Foto: Ulrich von Born

Duisburg.   „Versagt der Soziale Arbeitsmarkt?“ fragten die Duisburger Grünen in einer Diskussionsrunde. Das Handwerk reagiert bislang zurückhaltend.

Um eines vorweg klarzustellen: „Der Soziale Arbeitsmarkt ist grundsätzlich gut“, sagt Dr. Frank Bruxmeier, Geschäftsführer des Bildungszentrums Handwerk Duisburg. Aber, auch das ist seine Überzeugung: „Er wird ein Arbeitsmarkt der Sozialwirtschaft bleiben.“ Dass auch Handwerksfirmen und Unternehmen der Privatwirtschaft Arbeitsplätze in einer nennenswerten Größenordnung dem Sozialen Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen, glaubt er nicht. „Natürlich gibt es in dem einen oder anderen Betrieb Möglichkeiten. Aber man muss sich ein Stück weit ehrlich machen und nicht zu hohe Erwartungen haben,“ erklärte Bruxmeier in einer Diskussionsrunde, zu der die Grünen unter der Fragestellung „Versagt der Soziale Arbeitsmarkt?“ in ihre Geschäftsstelle eingeladen hatten.

„Nur 22 Prozent der Firmen brauchen Helfer“

Bruxmeier begründete seine Meinung mit den Erfahrungen, die Handwerksbetriebe mit Modellprojekten und assistierten Ausbildungen gemacht hätten. „Die Wirtschaft verweigert sich nicht. Aber: Die Handwerksbetriebe arbeiten in einer Hochkonjunktur. Es geht nicht darum, ob die Jobs zu 70 oder 100 Prozent gefördert werden. Auf das Geld kommt es nicht an. Die können es sich nicht leisten, wenn der Angestellte morgens zu spät kommt, dadurch die Lieferung nicht rechtzeitig vom Hof geht und bei den Kunden ankommt. Das honoriert kein Kunde. In diesen Momenten hilft auch kein Coach.“ Hinzu komme: „Nur 22 Prozent der Firmen brauchen Helfer. Wir brauchen Fachkräfte.“ Und Fachkräfte, darüber war sich die Runde, an der auch Werner Rous, Leiter des Duisburger Jobcenters teilgenommen hat, einig: „Fachkräfte wird das Teilhabechancengesetz den Betrieben nicht bringen.“

99 Anträge bislang in Duisburg gestellt

Bislang hat das Jobcenter in Duisburg 99 Anträge auf Förderung einer Stelle nach dem neuen Gesetz ausgegeben. 36 Anträge wurden bewilligt. „Es sind nicht nur karikative Jobs dabei, sondern auch im Bereich der Kinderbetreuung, Elektroinstallation und Verwaltungstechnik“, sagt Katrin Hugenberg, Pressesprecherin des Jobcenters. Zahlen, die ermutigen. Aber auch Werner Rous sagt: „Große Firmen und auch das Handwerk werden nicht hunderte Stellen zur Verfügung stellen. Wir brauchen einen klugen Mix.“ Ziel des Jobcenters ist es, 50 Stellen pro Monat vermitteln zu können.

Frank Bruxmeier bleibt skeptisch, dass dieses Ziel erreicht wird, wenn nicht der große Teil der Jobs im sozialen Bereich geschaffen wird. Das Handwerk habe andere Anforderungen. Bruxmeier wies auf eine gezielte Initiative der Duisburger Handwerkerschaft hin, durch die erst kürzlich junge Männer mit Abschluss, aber ohne Ausbildung, mit der Schweizerischen Bahn zusammengebracht wurden. 13 Männer, alle mit arabisch-türkischem Migrationshintergrund, werden in den kommenden elf Monaten zu Lokführern für Güterzüge ausgebildet.

Ausbildung zur Alltagsbegleiterin

Dass der Soziale Arbeitsmarkt ein Sprungbrett für einige Langzeitarbeitslose auf den ersten Arbeitsmarkt sein kann, daran glaubt Dr. Martin Florichs von der AWO Campus GmbH, Duisburg. Sein Beispiel ist aber auch eines aus dem sozialen Bereich: So werde eine Frau, die langzeitarbeitslos war, und über eine soziale Teilhabe in eine Awo-Einrichtung kam, um dort mit Heimbewohnern zu spielen und einzukaufen, zur Alltagsbegleiterin am Seniorenzentrum ausgebildet.

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete und Sprecherin für Arbeitnehmerrechte Beate Müller-Gemmeke warb inständig beim Handwerk dafür, Jobs für den Sozialen Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stellen. Denn: „Arbeit ist mehr als ein Einkommen. Es geht auch um soziale Teilhabe am Leben.“

IHK setzt auf Bildungslotsen

Für Frank Bruxmeier ist klar: „Es muss zuerst die Qualifizierung stimmen“, sagt der Geschäftsführer des Bildungszentrum Handwerk Duisburg mit Blick auf den Fachkräftemangel.

Dies weiß auch die Industrie- und Handwerkskammer und setzt auf Projekte wie Learning by Doing, Bildungslotsen und Willkommenslotsen für Flüchtlinge. „Wir werben für die duale Ausbildung, versuchen bei den Schülern anzusetzen, wenn sie noch in der Findungsphase sind, bevor sie aus der Schule kommen“, erklärt Matthias Wulfert, stellv. Hauptgeschäftsführer der niederrheinischen IHK zu Duisburg. Und das in Kooperation mit der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter. Denn: Das Problem des Fachkräftemangels werde kein Träger alleine lösen.

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