Stadtplanung

„Duisburger Freiheit“ soll Marke werden

Das 30 Hektar große Gelände der Duisburger Freiheit aus der Vogelperspektive.

Das 30 Hektar große Gelände der Duisburger Freiheit aus der Vogelperspektive.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Duisburg.  Kaum eine Fläche in der Stadt bewegte so sehr wie die „Duisburger Freiheit“. Jetzt soll Bürgerbeteiligung die Planung für die Brache begleiten.

Multi Casa, Masterplan „Duisburger Freiheit“, Loveparade-Katastrophe, Möbelhaus-Pläne, Bürgerentscheid über das Designer-Outlet-Center: Die alte Güterbahnhofsbrache am Rand der Duisburger Innenstadt hat wie keine andere Fläche Duisburgs Gemüter bewegt. Und sie bleibt die gewichtigste Zukunftsfrage städtischer Entwicklung. Noch firmiert das Areal unter dem Begriff „Duisburger Freiheit“. Doch was soll auf dem riesigen Gelände entstehen, nachdem Duisburg mit dem Kauf der Brache durch die städtische Wohnungstochter Gebag es wieder selbst in der Hand hat, zu planen, zu entwickeln und zu entscheiden?

Breite Akzeptanz in der Bürgerschaft

Was auf dem Gelände mit den weit sichtbaren Ruinen zukünftig passiert, sollen auch die Duisburger im Rahmen eines Beteiligungsprozesses mitbestimmen. „Mein Ziel ist es, eine breite Akzeptanz der Stadtgesellschaft für die grundsätzliche Ausrichtung und Zielsetzung der Entwicklung dieser Fläche zu erreichen. Dabei will ich auch die Duisburger Bevölkerung bei den Planungen mitnehmen und beteiligen“, betont Oberbürgermeister Sören Link. „Dafür müssen die inhaltlichen Ziele nachhaltig und zukunftsweisend sein, denn die Entwicklung der Fläche wird einige Jahre in Anspruch nehmen“, legt Gebag-Geschäftsführer Bernd Wortmeyer dabei Wert auf die Qualität eines Verfahrens- und Beteiligungsprozesses.

Vertrauen in die Entwicklung zurückgewinnen

In der Juli-Ratssitzung will die Stadt das weitere Vorgehen in einer Vorlage dem Stadtparlament vorlegen. Schon im Mai hatte sie die ersten Grundzüge der Bürgerbeteiligung und Vorschläge für die nächsten Schritte vorgelegt. Danach geht es auch darum, „verloren gegangenes Vertrauen in die Entwicklung zurückzugewinnen“ sowie „Transparenz und Akzeptanz“ zu schaffen. Unverrückbar bleibt dabei die „emotionale Historie des Geländes“. Hinterbliebene und Betroffene der Loveparade-Katastrophe von 2010 sollen eingebunden werden.

Zugleich: Das städtische Filetstück soll eine neue Leitbildidee erhalten und zu einer besonderen Duisburger „Marke“ werden. Sie soll ein nachhaltiges, positiv besetztes Image bekommen, nachdem das Areal in den vergangenen zehn, 15 Jahren nur als Unglücksort, als Fläche gescheiterter Projekte und als politisches Streitobjekt Schlagzeilen machte.

Areal hat überregionale Bedeutung

„Das Areal hat nicht nur lokale/regionale, sondern auch überregionale, wenn nicht eine internationale Bedeutung“, so die Stadt. Planungsdezernent Martin Linne: „Die einmalige Chance, diese zentrale Fläche in Duisburg und der Region entwickeln zu können, ist da. Jetzt gilt es, nach vorne zu schauen, auch mit einem qualitativen Anspruch.“

Für den geplanten Beteiligungsprozess hat die Gebag das Düsseldorfer Büro deekeling arndt/amo (DAA) beauftragt, ein Konzept zu entwerfen. In einem ersten Schritt werden hierfür Interviews mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft sowie der Verwaltung geführt. Parallel dazu werden vergleichbare Projekte aus dem In- und Ausland gesichtet, „um mögliche Impulse für den in Duisburg anstehenden Prozess abzuleiten“. In einem weiteren Schritt steht die breite Bürgerbeteiligung an. Dazu soll im Spätsommer eine öffentliche Kick-Off-Veranstaltung stattfinden.Danach soll es auch Themen-Werkstätten geben. Parallel dazu sind Bürger-Aktionen auf allen digitalen Kanälen geplant, online, via Twitter und Facebook.

Ruinen-Abriss wird geprüft

Geprüft wird unterdessen, ob die Ruinen schon vor dem Start der Bauplanung abgerissen werden. Klar ist, dass die bisherigen Planungen im Masterplan von Sir Norman Foster, die ein exponiertes Büro- und Dienstleistungszentrum mit ergänzendem Wohnen und Gewerbe sowie einer zentralen öffentlichen Grünfläche vorsahen, ein „Update“ brauchen.

Leserkommentare (2) Kommentar schreiben