Digitales

Duisburger Firma liefert Software bis zu den Fidschi-Inseln

Geschäftsführer Sascha Freiburg (links) vom Duisburger Unternehmen Spielberg Solutions weiß noch, was Lochkarten sind – Mitarbeiter Marvin Wilms dürfte sie nur noch aus dem Museum kennen.

Geschäftsführer Sascha Freiburg (links) vom Duisburger Unternehmen Spielberg Solutions weiß noch, was Lochkarten sind – Mitarbeiter Marvin Wilms dürfte sie nur noch aus dem Museum kennen.

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Duisburg-Wanheim.  Spielberg Solutions ist seit einem halben Jahrhundert Software-Spezialist. Längst ist die Firma digital. Begonnen hat alles mit Lochkarten.

Der Name verleitet dazu, ihn englisch auszusprechen und an Hollywood zu denken, dabei hat Spielberg Solutions mit Filmen nur im Mikroformat zu tun und ist nicht in Kalifornien beheimatet, sondern in Wanheim. Hier entwickelt die Firma ihre Software und vertreibt sie in 22 Länder weltweit, von Deutschland bis zu den Fidschi-Inseln, und das seit 50 Jahren. Damals begann alles mit Lochkarten.

Nummern von Akten, Plänen, Versicherungen: Weit bevor es Disketten, CDs oder USB-Sticks gab, dienten Lochkarten zur Speicherung von Daten. Die Geschichte von Spielberg Solutions beginnt, als Lochkarten in den 1960er Jahren aus der Mode kommen: Die Duisburger Firma übernimmt für IBM die Wartungsarbeiten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Für den Weltkonzern ist das nicht mehr lukrativ; für Spielberg Solutions ist es der Einstieg in den Markt, von dem die Firma noch heute lebt.

Der Einstieg ins internationale Geschäft: eine PC-Hardware, um Lochkarten auszulesen

Einige Jahre später sollen die Lochkarten, die längst nicht mehr zeitgemäß sind, verschwinden – aber mit ihnen nicht die darauf gespeicherten Daten. Also entwickelt das Unternehmen eine Hardware, um die Lochkarten an den PC anzuschließen und auszulesen, und verkauft sie. „Da es Lochkarten weltweit gab, war das der Einstieg in den internationalen Markt“, sagt Geschäftsführer Sascha Freiburg.

Als in den 1990er Jahren der erste Scanner für Mikrofilme auf den Markt kommt, lassen sich analoge Informationen erstmals digital speichern. „Das war der Einstieg ins Dokumenten-Management beziehungsweise ins ECM“, ins Electronic Content Management. Wenige Jahre später lässt sich endlich auch Papier einscannen. Für den ersten Papierscanner entwickelt die Duisburger Firma eine spezielle Software, um die gescannten Bilder zusammen mit Schlagworten zu speichern: Scan File ist programmiert, der Vorläufer des Programms File Director, mit dem Spielberg Solutions auch heute noch sein Geld verdient – einen einstelligen Millionenbetrag pro Jahr gibt der Geschäftsführer als Umsatz an.

„Papier ist furchtbar, wenn es darum geht, Daten zu teilen“

„Papier ist nichts Schlechtes, aber furchtbar, wenn es darum geht, Daten zu teilen: Meinen Zettel gebe ich aus der Hand und sehe ihn vermutlich nie wieder – oder ich kopiere ihn, und er ist nach zwei Tagen hoffnungslos veraltet, weil ich noch Dinge dazugeschrieben habe“, erklärt Sascha Freiburg. Im Gegensatz dazu ermöglich es die Spielberg-Software den Mitarbeitern der Firmenkunden, Daten in Echtzeit zu bearbeiten und miteinander zu teilen. Die Kunden: „mittelständische- bis Großunternehmen“, der File Director zählt weltweit mehr als 7000 Installationen.

16 Mitarbeiter beschäftigt Spielberg Solutions an der Oberen Kaiserswerther Straße, es sollen wieder 20 werden. Die Firma bekommt den Fachkräftemangel zu spüren: Acht bis neun Monate dauert es im Schnitt, bis Stellen in ihrer Branche besetzt werden können. Geschäftsführer Freiburg hat mit Bewerbern schlechte Erfahrungen gemacht: „Entweder kommen die mit Null Erfahrung und horrenden Gehaltsvorstellungen – oder es kommt niemand.“

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