Feuerwehrfrauen

Duisburger Feuerwehrfrauen wollen akzeptiert werden

„Wir sind ein Team“, sagen Larissa Noback, Ronja Wüstkamp, Denise Olpe, Denise Glaser und Tanja von Kobilinski (v.l.), Feuerwehrfrauen bei der Löschgruppe 202 in Duisburg-Meiderich.

„Wir sind ein Team“, sagen Larissa Noback, Ronja Wüstkamp, Denise Olpe, Denise Glaser und Tanja von Kobilinski (v.l.), Feuerwehrfrauen bei der Löschgruppe 202 in Duisburg-Meiderich.

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Blöde Sprüche müssen sich Retterinnen in Duisburg immer noch anhören. Warum sie herablassende Kommentare und sexistischer Blödsinn kaltlassen.

Frauen in der Feuerwehr: Mittlerweile eigentlich ganz normal, in den Köpfen vieler Menschen aber trotzdem noch etwas ungewöhnliches, im schlimmsten Fall sogar etwas unangenehmes. Davon wissen auch die die fünf Frauen der Löschgruppe 202 der freiwilligen Feuerwehr in Meiderich ein Liedchen zu singen.

Allerdings kein besonders lautes, denn so häufig seien die blöden Kommentare gar nicht zu hören, und in der Löschgruppe selbst sei sowieso alles in Ordnung. Schließlich, und das haben alle Mitglieder der Löschgruppe mit Duisburgs größter Frauendichte gemeinsam, gehe es um die Leidenschaft für den Feuerwehrjob.

Feuerwehrfrauen in Duisburg sind nicht „zu schwach, um Bewusstlose zu tragen“

Denise Olpe, Larissa Noback, Ronja Wüstkamp, Denise Glaser und Tanja von Kobilinski führen Doppelleben. „Büro“ oder „Krankenschwester“ bekommt man zu hören, wenn man nach ihren Berufen fragt. Gemeinsam haben sie aber alle ihren Job bei der freiwilligen Feuerwehr – und ihr Geschlecht. Wenn die fünf Damen, übrigens im Beisein ihrer männlichen Kollegen, aber so von ihrer Leidenschaft erzählen, fühlt es sich nicht so an, als ob ihr Geschlecht irgendeine Rolle bei der Feuerwehr spielt.

Vielleicht, schmunzelt Tanja von Kobilinski, seien Frauen im Rettungseinsatz sogar manchmal organisierter und einfühlsamer als die Männer, auf jeden Fall aber: Gleichgestellt. Auch bei der körperlichen Arbeit, „wir sind ein Team und machen alle dasselbe“, sind sich die Retterinnen einig. Natürlich böten die Männer beim schweren Schleppen ihre Hilfe an, „aber die würden uns das auch machen lassen, wenn wir was sagen würden“, ist sich Larissa Noback sicher. „Der eine ist halt kräftig, die andere hat vielleicht ein größeres Lungenvolumen und kann das Atemgerät länger tragen“, erklärt von Kobilinski.

Anerkennung für Feuerwehrfrauen ist immer noch ein heikles Thema

Allerdings, gibt Feuerwehrmann Sven Heller zu bedenken, gebe es bei den Bürgern nach wie vor viele Vorbehalte, und die Damen stimmen zu. „Das ist vor allem die ältere Generation, wenn ich mit einer Kollegin Menschen aus ihrer Wohnung hole, wird oft gefragt, ob denn noch ein Kollege kommt. Die nehmen die Frauen nicht richtig für voll“, weiß Heller.

Wenn Tanja von Kobilinski den riesigen Einsatzwagen fährt, spürt sie immer wieder die erstaunten Blicke der Passanten. „Und wenn man ins Gespräch kommt, wird gesagt, dass man ja nicht stark genug wäre, um bewusstlose Personen zu schleppen“. Dabei, merkt Sven Heller an, komme es bloß auf die Physis an, und damit darauf, wer wie viel Sport mache.

Akzeptanz der Retterinnen hinkt hinterher

Stören tun die blöden Kommentare die gestandenen Feuerwehrfrauen schon lange nicht mehr, „selbst dann nicht, wenn man sich von den Gaffern sexistische Sprüche anhören muss“. „Hier rein, da raus“ lautet das Motto, schließlich geht es immer noch darum, Menschenleben zu retten.

Trotzdem hinkt die Akzeptanz der Retterinnen hinterher. Offensivere Kampagnen oder einen Fokus auf Feuerwehrfrauen in der PR-Arbeit lehnen aber alle fünf Frauen ab. „Wir wollen ja nicht besser oder wichtiger sein als die Männer, wir wollen bloß akzeptiert werden.“

Frauen haben bei der Feuerwehr besondere Herausforderungen

Beim „Netzwerk Feuerwehrfrauen e.V.“ kennt man sich mit dem Thema aus. Susanne Klatt ist Vorsitzende des Vereins, in dem sich Frauen und Männer der freiwilligen und der Berufsfeuerwehr organisieren, und weiß, welche besonderen Herausforderungen auf Frauen im Rettungsdienst zukommen. „Das geht bei unförmigen Männerklamotten los und erstreckt sich bis zu einem gewissen Gefühl der Einsamkeit, wenn man nur von männlichen Kollegen umgeben ist.“

Die Verwunderung über Frauen bei der Feuerwehr und die Frage „warum zum Teufel“ man nicht einen entspannteren Job mache, seien aber mittlerweile seltener geworden. „Wir werden immer positiver aufgenommen, die Leute sehen nicht mehr bloß eine Frau, sondern viel eher, was wir für eine anstrengende Aufgabe haben.“

Leserkommentare (2) Kommentar schreiben