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Zweiter Rettungsweg fehlt

Duisburger Familie muss plötzlich aus der Wohnung raus

Foto: Morris Willner

Familie Kühnel aus Buchholz musste ihre Mietwohnung kurzfristig verlassen. Die Sechs wurden notdürftig in Huckingen untergebracht.

Duisburg.   Zweiter Rettungsweg fehlt. Sechsköpfige Familie aus Duisburg muss kurzfristig notdürftig untergebracht werden. Hausverwalter scharf kritisiert.

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Alle raus – sofort: Knall auf Fall musste Familie Kühnel aus Buchholz in der vergangenen Woche ihre 116 Quadratmeter große Mietwohnung an der Sittardsberger Allee verlassen. Die vier Herren vom Bauamt, die mittags plötzlich vor der Tür standen, ließen nicht mit sich reden und machten einen fehlenden zweiten Rettungsweg im achten Obergeschoss des Hochhauses dafür verantwortlich. Seitdem leben Carina und Dominik Kühnel mit vier Kindern im Alter von fünf bis 13 Jahren notdürftig in einer nicht mal halb so großen Wohnung der Gebag in Huckingen, die die Stadt kurzfristig zur Verfügung stellte. Sauer ist die Familie vor allem auf den Hausverwalter, der habe sich bis heute nicht persönlich gemeldet.

Aus allen Wolken gefallen

„Ich mache zurzeit eine Ausbildung zur Berufskraftfahrerin und saß in der Schule, als mein Mann mich anrief und mir sagte, ich müsse sofort nach Hause kommen“, erzählt die 32-Jährige. „Als ich die Geschichte gehört habe, bin ich aus allen Wolken gefallen.“ Das Unheil hat am Montag vor einer Woche mit einem Feuerwehreinsatz seinen Lauf genommen. „Ich war mit den Kindern unterwegs, mein Mann krank zu Hause. Er hat sich etwas auf unseren Elektrogrill gelegt und ist dann leider eingeschlafen““, sagt Carina Kühnel. „Gebrannt hat nichts, aber der Rauchmelder schlug Alarm.“

Wie die Stadt auf Nachfrage mitteilt, fiel der Feuerwehr bei dem Einsatz vor Ort auf, dass die Fenster für einen zweiten Rettungsweg zu klein sind. Das gelte auch für eine zweite etwas kleinere rund 90 Quadratmeter große Wohnung mit zwei Mietern, die sich ebenfalls im achten Obergeschoss befindet.

Wohnnutzung war nicht genehmigt

Das Geschoss wurde zudem, wie Stadtsprecher Peter Hilbrands erklärt, laut Hausakten gar nicht zur Wohnnutzung genehmigt. „Da die Mindestanforderungen für Rettungswege nicht erfüllt sind, ist von einer konkreten Gefahr auszugehen.“ Deshalb sei die Nutzung der beiden Wohnungen am vergangenen Mittwoch untersagt worden.

Die Hausverwaltung, so Hilbrands, habe keine Ersatzbleibe für die Mieter anbieten können. Die Fachstelle für Wohnungsnotfälle wurde deshalb informiert und die Familie Kühnel in einer Wohnung der Gebag in Huckingen untergebracht, die für solche Notsituationen zur Verfügung gestellt werden kann. Den beiden anderen betroffenen Mieter sei die Unterbringung in einer dafür vorgesehenen Einrichtung angeboten worden. Diese sei aber nicht genutzt worden.

Kein persönliches Gespräch

Der von der Familie Kühnel stark kritisierte Hausverwalter Bodo Tillger gibt auf Nachfrage an, vom fehlenden zweiten Rettungsweg auch erst in der vergangenen Woche erfahren zu haben. Die Eigentümerseite habe davon ebenfalls nichts gewusst. „Das Haus ist in den 70er Jahren gekauft worden und damals müssen die nun betroffenen Wohnungen bereits vermietet gewesen sein“, so Tillger. „Es ist jetzt aktuell trotzdem natürlich keine Entwicklung, die ich gut heißen kann.“

Mit der Familie Kühnel habe er bisher nicht das Gespräch gesucht, weil er über die sozialen Medien übel beschimpft worden sei. „Wir werden jetzt aber alles daran setzen, die Wohnungen so schnell wie möglich wieder genehmigungsfähig zu bekommen, damit alle Mieter wieder einziehen können“, so der Hausverwalter.

Familie Kühnel hat große Zweifel, dass dies passieren wird. Sie hat einen Anwalt eingeschaltet und ist außerdem bereits auf der schwierigen Suche nach einer neuen Wohnung, und jetzt erst einmal froh, überhaupt ein Dach über dem Kopf zu haben. „Die Wohnung ist notdürftig, aber völlig okay,“ sagt Carina Kühnel. Stadtsprecher Hilbrands verspricht: „Die Familie kann dort so lange bleiben, wie die gegenwärtige Situation es erfordert.“

>> ERSATZUNTERKÜNFTE DER STADT

Es kann Mietern beziehungsweise Familien nach plötzlichen und unvorhersehbaren Ereignissen passieren, dass sie von der Stadt versorgt werden müssen – im Rahmen der Gefahrenabwehr, so Sprecher Peter Hilbrands. „Dies ist insbesondere nach Brandereignissen und Baunutzungsuntersagungen der Fall. Die Zahl der aus diesen Gründen untergebrachten Personen variiert sehr stark, aktuell wird nur eine weitere Familie versorgt.“
Der zuständige Fachbereich verfüge über vier Ersatzunterkünfte.

In den Einrichtungen der Stadt werden, so Hilbrands, in der Regel Personen versorgt, die ihre Wohnung verloren haben. Die Gründe seien vielfältig und aktuell sind 35 Einzelpersonen untergebracht.

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