Buchveröffentlichung

"Wahrer" Schimanski: Duisburger Ex-Ermittler mit neuem Buch

Der Ex-Kommissar Heinz Sprenger stellt sein neues Buch „KinderLos – Kinderschutz in Deutschland – Anspruch und Wirklichkeit“ vor.

Der Ex-Kommissar Heinz Sprenger stellt sein neues Buch „KinderLos – Kinderschutz in Deutschland – Anspruch und Wirklichkeit“ vor.

Foto: Franz Naskrent

Duisburg.   Heinz Sprenger, ehemaliger Leiter der Duisburger Mordkommission, hat ein neues Buch geschrieben: In „KinderLos“ fordert er besseren Kinderschutz.

„Viele Kinder hätte man retten können“, sagt Heinz Sprenger. Der ehemalige Leiter der Duisburger Mordkommission löste etwa die Mafiamordfälle und gilt als einer der besten Fahnder des Landes. Nun hat er das Buch „KinderLos“ veröffentlicht, das den bisherigen Kinderschutz kritisiert und weitere Maßnahmen fordert.

„Das vergisst man nicht“

Geschlagen, gewürgt, weggeschmissen – die unfassbaren Auswüchse von Gewalt an Kindern musste Heinz Sprenger jahrelang als Chefermittler miterleben und aufklären. „Abdrücke von Gürtelschnallen oder ausgedrückten Zigaretten auf dem Körper, verbuddelte Kleinkinder. Das vergisst man nicht.“ Besonders die Fälle, die hätten verhindert werden können, nagen an Sprenger. 2005 initiierte er zusammen mit dem langjährigen Duisburger Staatsanwalt Gerd Unterberg und dem Kinderarzt Dr. Ralf Kownatzki den Verein Riskid – ein Netzwerk aus mittlerweile 300 Ärzten, Kliniken und Institutionen, die Daten mit Hinweisen auf Kindesmisshandlung erstellen und austauschen.

Es war auch im Jahr 2005, als in Duisburg fünf Kinder getötet wurden. „Drei davon hätten nicht sterben müssen“, ist sich Sprenger sicher. Unerfahrene Familienrichter, überforderte Jugendämter und gesetzliche Hürden können ihren Anspruch an Kinderschutz nicht gerecht werden.

Wehrlose Menschen schützen

Konkret benennt Sprenger Maßnahmen, die es zu verwirklichen gilt, um „wehrlose Menschen zu schützen“. Die Jugendämter müssten besser ausgestattet und eine Obergrenze für Fallbetreuungen eingeführt werden; „Es kann nicht sein, dass es keine elektronischen Dateien zum schnellen Austausch zwischen den Ämtern gibt oder der kommunale Etat davon abhängt, ob ein Kind überlebt, weil ein Mitarbeiter entweder 30 oder 120 Familien betreuen muss.“ Außerdem sollten Familienrichter erfahren sein oder sich zumindest zu Fortbildungen verpflichten.

Zudem hätten Polizei, Jugendämter und Ärzte strenge gesetzliche Vorgaben bei der Weitergabe von Informationen: „Es muss wirksame Kooperations- und Kommunikationswege zwischen allen Institutionen geben. Gerade ein Austausch zwischen Ärzten muss ohne Einverständnis der Eltern möglich sein.“ So könne man das „Ärzte-Hopping“ beenden. Gewalttätige Eltern nutzen die Informationssperre zwischen Medizinern aus, indem sie mit ihren verletzten oder verwahrlosten Kindern immer wieder andere Ärzte aufsuchen, um sich der Aufdeckung ihrer Taten zu entziehen.

Sprenger vereint in seinem Buch auf 192 Seiten theoretische Grundlagen wie Gesetze und Ursachen für Kindesmisshandlung, Fallbeispiele aus der Praxis des ehemaligen Chefermittlers und Lösungsvorschläge. „Ich will den Fokus auf die Opfer richten. Ich will, dass Entscheidungsträger über den Tellerrand gucken. Es müssten nicht so viele Fälle sein.“ Nach wie vor werden laut Statistik deutschlandweit fast jede Woche drei Kinder getötet.

>> Mit Orden ausgezeichnet

- Autor Heinz Sprenger wurde 2009 vom BDK wegen seiner Verdienste um die innere Sicherheit mit dem Orden „Bul le mérite“ (spielt auf „Pour le Mérite“ an) ausgezeichnet.

- KinderLos: Kinderschutz in Deutschland – Anspruch und Wirklichkeit“ gibt’s bei Amazon in der Kindle-Edition (4,99 Euro) oder als Taschenbuch (26,74 Euro).

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