FEstival Akzente

Duisburger Choreograph bringt düsteren Rausch ins Zelt

Eine Tänzerin in einem wolkenförmigen Netz: So beginnt die Performance „berauschet euch“ von Max Bilitza im Bühnenbild von Teresa Grünhage, die als freie Produktion zu den Akzenten gezeigt wurde.

Eine Tänzerin in einem wolkenförmigen Netz: So beginnt die Performance „berauschet euch“ von Max Bilitza im Bühnenbild von Teresa Grünhage, die als freie Produktion zu den Akzenten gezeigt wurde.

Foto: Lars Heidrich

Duisburg.   In seiner Performance „berauschet euch“ bemüht Max Bilitza Baudelaire und Nietzsche. Großartige Schlagzeuger und Tänzer im Festivalzelt.

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Vom französischen Dichter Charles Baudelaire hat der Duisburger Choreograph Max Bilitza den Titel „berauschet euch“ für seine Performance entlehnt (Baudelaire fügte noch „zügellos“ hinzu). Vom deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche stammen die Sätze, die dazu aufrufen, gefährlich zu leben: „Baut eure Städte an den Vesuv! Schickt eure Schiffe in unerforschte Meere!“, schrieb Nietsche in einem Text, der mit dem Satz beginnt „Ich begrüße alle Anzeichen dafür, dass ein männlicheres, ein kriegerisches Zeitalter anhebt, das vor allem die Tapferkeit wieder zu Ehren bringen wird!“. Dieser Satz kommt in der Aufführung am Dienstag im Akzente-Festivalzelt nicht vor, erklärt aber vielleicht, warum sich die Tänzer im Verlauf des Abends mit Dildos bewaffnen.

Tribüne verdeckt teilweise die Aktionsfläche

Baudelaire und Nietzsche signalisieren: Bilitza möchte Bedeutendes auf die Bühne bringen. Mitwirkende sind ein hochkarätiges Percussion-Quartett, dem mit Rafael Sars auch ein Schlagzeuger der Duisburger Philharmoniker angehört; Veith Kloeters, Stephan Möller und Johannes Wippermann stehen ihm in Virtuosität nicht nach. Ihre Kunst an diversen Schlaginstrumenten zu erleben, ganz besonders an den Vibrafonen, war allein ein Erlebnis. Ebenso wie die sechs Tänzer, die beeindruckend düstere Bildern von Gewalt, Unterwerfung und Ausweglosigkeit schaffen. Teresa Grünhages Bühnenbild unterstreicht die alptraumartige Atmosphäre. Anfangs treten die Tänzer aus halbdurchsichtigen Hüllen hervor. Bald nach dieser „Geburt“ werden sie getrieben in ein mühseliges Leben.

Diese Figur einer Herrscherin gibt die Impulse, „gebiert“ Äpfel, die die Tänzer von Mund zu Mund weitergeben müssen. Und sie sagt neben den Nietzsche-Zitaten Sätze wie „Dies ist eine Demo“ oder „Dieses ist meine letzte Improvisation“. Dunkel bleibt der Worte Sinn, ähnlich wie die Videos, die am schrägen Zeltdach unentzifferbar bleiben. Schade auch, dass manche Zuschauer den Tanz nur schwer verfolgen können, weil die (erfreulich gut besetzte) Tribüne die Aktionsfläche verdeckt.

Symbolische Überfrachtung

Wirkungsvoller wäre es wohl gewesen, wenn sich Max Bilitza auf seine Choreographie, die Tanzkunst und das beeindruckende Schlagzeuggewitter verlassen und auf manche symbolische Überfrachtung verzichtet hätte. Zugleich einen Kommentar zur Lage Europas abzugeben und dabei „den Zuschauer berauschen zu wollen, den Kater als reinigende Kraft willkommen zu heißen, und sich auf die Extreme des Lebens vielleicht etwas mutiger einzulassen“ war doch sehr hoch gegriffen.

Das Publikum bricht in Jubel aus.

>> Ein Garten voll Poesie

- Mit „Le Jardin“ wird das Programm im Festivalzelt an der Gutenbergstraße am Mittwoch, 22. März, um 20 Uhr fortgesetzt. Der Cirque Nouveau (Jean-Paul Lefeuvre und Didier André) zeigt eine Produktion für Familien.

- Ganz ohne Sprache führen die beiden eineinhalb Stunden in diesen poetischen Garten mit Gewächshaus und Hängematte, Musik, einer Schubkarre, Gartenschläuchen und Blumen. Eintritt 12/8 Euro.

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