Zoo Duisburg

Duisburg: Wie viel Artenschutz steckt im Zoo am Kaiserberg?

Zwei Delfine aus dem Duisburger Zoo (Aufnahme 2016).

Zwei Delfine aus dem Duisburger Zoo (Aufnahme 2016).

Foto: Stephan Eickershoff / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Der Zoo Duisburg hat sich dem Artenschutz verschrieben. Welchen Beitrag der Zoo für den Tiererhalt leistet – und warum es auch Kritik gibt.

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Was haben Flachlandgorilla und chinesischer Riesensalamander gemeinsam? Sowohl die Menschenaffen als auch die größten Amphibien der Welt sind vom Aussterben bedroht. Und: Sie leben beide im Zoo Duisburg. Wenn Tierbestände in der Wildnis sinken, übernehmen Zoos die Funktion einer modernen Arche Noah. Tierschützer kritisieren aber, dass viele Tiere diese Rettungsinsel nicht mehr verlassen. Wie viel Artenschutz steckt also in der Arbeit des Duisburger Zoos?

„Wenn es Zoos nicht bereits gäbe, müsste man sie vor dem Hintergrund des vom Menschen provozierten Massensterbens der Arten erfinden“, sagt Christian Schreiner, Sprecher des Zoos Duisburg. 6413 Tierarten sind laut Weltnaturschutzunion (IUCN) vom Aussterben bedroht, 10.629 Tiere gelten als stark gefährdet. Einige dieser Tierarten sind auch im Zoo am Kaiserberg beheimatet. Das Bürstenschwanz-Rattenkänguru, der Tasmanische Teufel oder etwa die Netzgiraffe. Derzeit leben im Zoo am Kaiserberg 87 Tierarten die vom IUCN als „gering gefährdet“ bis „im Freiland ausgestorben“ kategorisiert werden.

Bedrohte Tierarten: Die Probleme sind „menschengemacht“

Die Gründe für die Bedrohung sind vielfältig – „aber alle menschengemacht“, sagt der Zoosprecher. „Dem globalen Hunger nach Palmöl“, so Schreiner, fallen stündlich etwa riesige Flächen Regenwald zum Opfer – mit ihm verschwindet der Lebensraum für Flachlandgorillas und Orang-Utans. Beide Arten leben auch in Duisburg. „Durch die Beteiligung an den jeweiligen Zuchtprogrammen leistet der Zoo Duisburg einen wichtigen Beitrag zum Erhalt dieser Tierarten in menschlicher Obhut“, teilt der Zoo mit.

Zoos reklamieren für sich „Reservepopulationen“ aufzubauen. Verschwindet eine Art, könnte durch Auswilderung die Population im ursprünglichen Verbreitungsgebiet wieder angesiedelt werden. „Zoos verstehen sich als Artenschützer“, sagt Schreiner.

Wisent: Fortbestand durch Zoos

Es gibt Tierarten, die ihre Existenz nur noch den Nachzuchten in Zoos verdanken. Der Verband der Zoologischen Gärten spricht von etwa 50 Arten. Als Beispiel gilt der Europäische Wisent: Um 1920 wurde das letzte freilebende Tier erschossen. Es blieben nur Tiere in menschlicher Obhut. Heute – 100 Jahre später – sollen laut dem Zoo am Kaiserberg wieder rund 7.500 Tiere existieren. Auch Wisente aus Duisburg sind im vergangenen Jahr in Projekte gegangen, deren Nachzucht perspektivisch für Auswilderungen gedacht sind, teilt der Zoo mit.

Am Kaiserberg beteiligt man sich aktiv an einer Vielzahl von europäischen und internationalen Zuchtprogrammen. Die unterschiedlichen Programme dienen „dem Aufbau langfristig genetisch gesunder und stabiler Bestände von Tierarten, die im Freiland stark gefährdet sind“, sagt der Zoosprecher. Von Duisburg aus betreuen Biologen etwa das europäische Zuchtprogramm der madagassischen Fossas. Auch für die Nördlichen Koalas, die Nacktnasenwombats und Bärenstummelaffen führt der Zoo Duisburg das europäische Erhaltungsprogramm.

Wie ein Erhaltungsprogramm funktioniert

Was das bedeutet? Zwei Biologen am Kaiserberg stellen Zuchtpaare oder Zuchtgruppen für Zoos zusammen, die entsprechende Tierarten halten wollen. Möchte ein Zoo mit der Haltung von Fossas beginnen, gilt Johannes Pfleiderer als zoologischer Leiter und Koordinator des Zuchtprogramms als erster Ansprechpartner. Er empfiehlt, welche Tiere zwischen Zoos transferiert werden, um neue Gruppen aufzubauen. Vier junge Fossas wurden etwa 2019 aus Duisburg in andere Zoos übergeben. Die Tiere wurden am Kaiserberg geboren.

Von Tierschützern wird die Rolle des Zoos als Artenschutz-Pension aber in Frage gestellt. Der Beitrag der Zoos zum Artenschutz durch Nachzuchtprogramme mit dem Ziel einer späteren Auswilderung „ist nach wie vor überschaubar“, sagt der Deutsche Tierschutzbund. „Elefanten, Tiger oder Eisbären zählen hier leider nicht dazu.“ Positive Beispiele, so die Tierschutzorganisation, sind hingegen Luchs, Feldhamster, Europäischer Nerz und Moorente, die in Zoos gezüchtet werden und hierzulande wiederausgewildert wurden.

Generell gebe es aber durch Züchtung und Erforschung von Tierarten im Zoo „eine Reihe von Erkenntnissen, die ohne Zoos nicht denkbar gewesen wären und letztlich den Arten auch zugute kommen“, urteilt auch der Deutsche Tierschutzbund.

Die vier Aufgaben eines Zoos

Heutzutage haben sich Zoos selbst vier Aufgaben auferlegt: Forschung, Arterhaltung, Bildung sowie Erholung. Das Vergnügen, so sieht es der Tierschutzbund, sei gemeinhin dominierend. „Der zahlende Besucher bedingt die Wirtschaftlichkeit eines Zoos. Um Besucher anzuziehen, sind Zoos gezwungen, neue Konzepte zu erarbeiten, die dem Publikum neben Erholung auch und vor allem Unterhaltung bieten.“ Das gehe bei einigen Einrichtungen bereits aus dem Namen hervor, etwa der „Zoom Erlebniswelt“ in Gelsenkirchen.

In Bezug auf den Artenschutz sollte der Fokus von zoologischen Gärten „verstärkt auf heimische Arten gelegt werden anstatt auf eine Vielzahl von Exoten.“ In Duisburg konnten aufgezogene Ringelnattern bereits mehrfach in geeigneten Biotopen im Ruhrgebiet ausgewildert werden.

Das Dilemma mit „Flaggschiff-Arten“

Wichtig sei laut Tierschutzbund auch der Erhalt von Amphibien und Reptilien, von denen einerseits unzählige Arten hochbedroht sind, die aber anderseits in vielen Zoos – im Verhältnis zu den zahlreich gezeigten Säugetieren – kaum vorhanden sind. Das Problem: Ein chinesischer Salamander hat nicht die Anziehungskraft eines Elefanten. Sie sind keine Publikumslieblinge wie Delfine, die in freier Wildbahn nicht vom Aussterben bedroht sind. Deren Haltung wird seit Jahren von Tierrechtsorganisationen wie Peta kritisiert.

Und an dieser Stelle wird das Dilemma der vier auferlegten Aufgaben eines Zoos deutlich, denn insbesondere für Besucher interessant sind sogenannte „Flaggschiff-Arten“ wie Eisbären, Delfine, Elefanten oder eben Menschenaffen. All diese Arten sind laut Deutschem Tierschutzbund „äußerst schwierig zu halten“ und bei Zuchterfolgen für eine Auswilderung ungeeignet.

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