Gastronomie

Duisburg: So reagieren Gastronomen auf die Sperrstunde

Der „Fährmann“ in Duisburg-Neudorf hat gerade erst wiedereröffnet. Nun trifft die Betreiber die neue Sperrstunde.

Der „Fährmann“ in Duisburg-Neudorf hat gerade erst wiedereröffnet. Nun trifft die Betreiber die neue Sperrstunde.

Foto: Zoltan Leskovar / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Kein Bier nach 1 Uhr: Duisburger Wirte müssen wegen der neuen Sperrstunde umdisponieren. Ihre Pläne und die Erfahrungen aus der ersten Nacht

Gastronomen müssen in Duisburg ab sofort um 1 Uhr nachts schließen – das sieht ein neuer NRW-Landeserlass vor, der dazu führen soll, dass die Corona-Zahlen wieder sinken. In der ersten Nacht sind dabei laut Polizei keine gravierenden Verstöße aufgefallen. Die Einsatzkräfte kontrollieren die Einhaltung gemeinsam mit dem Städtischen Außendienst des Ordnungsamtes. Dort möchte man nach einem Tag allerdings noch keine erste Bilanz ziehen. Verstöße würden – auch wegen der Uhrzeit – wohl zunächst bei der Polizei legen, erklärt Stadtsprecher Peter Hilbrands.

Nun mögen böse Zungen behaupten, dass um diese Zeit sowieso nichts mehr mit dem Duisburger Nachtleben los ist. In der Tat gibt es aber ein paar Kneipen, die von der Sperrstunde betroffen sind. Darunter der „Fährmann“, der gerade erst Anfang Oktober wieder eröffnet hat.

Gerade wieder eröffneter Fährmann in Duisburg-Neudorf muss nun improvisieren

„Wir haben damit gerechnet, dass wir vielleicht kein Bier mehr nach 23 Uhr ausschenken dürfen, aber dass wir um 1 Uhr komplett schließen müssen...“ Christian Rademaker und seine drei Mitstreiter, die den Fährmann aus Leidenschaft wiederbelebt haben, müssen nun improvisieren. In die Studentenkneipe kehren viele zu vorgerückter Stunde ein, um noch einen Absacker zu nehmen.

Kurz nach der Eröffnung kamen die Mitarbeiter nie vor 4 Uhr morgens raus. Nun überlegen Christian Rademaker, Lukas Selic, Lennart Tappe und Norman Butry, an den Samstagen und Sonntagen um 15 Uhr zu öffnen, um so die drei Stunden, die nach der Sperrstunde liegen, wieder reinzuholen. „Wir wussten, dass es schwierig wird, aber das hat uns von der Eröffnung nicht abgehalten.“ Zum Glück haben alle vier noch andere Jobs. Problematisch könnte auch werden, dass nur noch fünf Personen aus verschiedenen Haushalten an einem Tisch sitzen dürfen.

Jörn Höfkens, Chef des „Bürgerhof“ hat den Schritt in die Selbstständigkeit als Gastronom ebenfalls nicht bereut, „auch wenn es momentan nicht ums Verdienen, sondern Überleben geht.“ Der Bürgerhof ist eine beliebte Sportkneipe, in der regelmäßig Fußballspiele übertragen werden. Früher ging es da auch mal länger. Allerdings kehre das Personal die Gäste mittlerweile um 1 Uhr heraus, unabhängig von der Corona-Sperrstunde. Viele Raucher standen in der Vergangenheit vor der Tür. Das gab dann Ärger mit den Nachbarn. Um den zu vermeiden, ist nun ohnehin um 1 Uhr Schicht.

Roland Jahn vom Finkenkrug wird die Sperrstunde am Wochenende merken. Seit der Eröffnung des Fährmann sei das jüngere Publikum zwar wieder vermehrt dort, doch freitags und samstags schauten einige früher am Morgen auf ein Bier vorbei. „Normalerweise sind die Leute am Wochenende nach einem Besuch bei uns ins Pulp oder Old Daddy gegangen. Aber das geht ja nun nicht.“ Der Umsatz am Wochenende werde fehlen.

„Hübi“ hat Trennwände für die Tische selbst gebaut

Zusätzlich hat Jahn in Trennwände investiert, die nun zwischen den Tischen aufgestellt wurden. Zwei Räume sind bereits ausgestattet, der Wintergarten wird in nächster Zeit entsprechend hergerichtet. „Aber was mach ich, wenn drei Pärchen zusammen sitzen wollen. Fünf ist eine doofe Zahl.“

Dirk Hübertz, Betreiber des „Hübi“ in Ruhrort, hat sich selbst auf Bettrahmen und Plexiglase Schutzwände für seine Tische gebaut. „Wenn das Wetter gut ist, spielt sich momentan noch viel draußen ab. Da nehmen wir mit, was geht.“ Mit Blick auf die kältere Jahreszeit ist er allerdings froh, dass er nun die Trennwände hat. „Die Leute fühlen sich dann sicherer“, weiß er.

Die Wirte ahnen: Die schwierigen Monate stehen ihnen noch bevor.

>>SPERRSTUNDE GILT BIS 6 UHR MORGENS

  • Die Sperrstunde gilt in Duisburg von 1 bis 6 Uhr. In dieser Zeit dürfen auch Trinkhallen und Tankstellen keine alkoholischen Getränke verkaufen.
  • In Düsseldorf und Köln greift die Sperrstunde ebenfalls ab 1 Uhr morgens. In Frankfurt müssen Bars und Kneipen bereits um 23 Uhr schließen.
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