Fluglärm

Duisburg: Neue Messstelle erfasst 44 mal so viel Fluglärm

Duisburg bekommt eine dauerhafte Messstelle für Fluglärm.

Duisburg bekommt eine dauerhafte Messstelle für Fluglärm.

Foto: Roland Weihrauch / dpa

Duisburg-Süd.  Der Flughafen Düsseldorf verlegt eine Messstelle für Fluglärm von Düsseldorf-Wittlaer nach Duisburg. Die Alte erfasste nur 0,6 Prozent der Flüge.

Duisburg bekommt eine dauerhafte Messstelle für Fluglärm: Der Flughafen Düsseldorf verlegt einen seiner Messpunkte in die Nachbarstadt. Die Ergebnisse sollen dadurch deutlich aussagekräftiger werden. Das ist insbesondere im Hinblick auf die Erweiterung des Airports wichtig.

3,3 Kilometer Abstand betrug der Abstand der bisherigen Messstelle in Düsseldorf-Wittlaer zu den Wegen, die die Flugzeuge von und zum Flughafen Düsseldorf nehmen. Ihr neuer Standort im Duisburger Süden, wo sie zunächst auf Probe installiert war, ist deutlich näher dran an den Wegen der Flieger am Himmel: nur noch 700 Meter Abstand sind es jetzt. Der Messpunkt befindet sich nun dauerhaft an der Straße Am Hasselberg gegenüber der Kneipe Aschlöksken. „Jetzt sind die Messungen sinnvoll“, sagt Veronika Bappert, die Leiterin des Nachbarschaftsdialogs beim Flughafen.

Am neuen Ort in Duisburg erfasst die Messstelle 44mal so viele Flüge

Der Bezirksvertretung Süd erstattete Bappert jetzt Bericht über die ersten Erkenntnisse seit Verlegung der Messstelle. An der neuen Stelle im Duisburger Süden seien zwischen Mai und Oktober mehr als 28 Prozent der Starts und Landungen erfasst worden: 2.964 von 10.537. An der alten Stelle in Düsseldorf-Wittlaer seien es im selben Zeitraum nur 0,6 Prozent gewesen – von 11.153 gerade einmal 66.

Der Lärm habe in diesem Zeitraum durchschnittlich zwischen 39 und 42 Dezibel gelegen. Die lauteste Messung erreichte 63 Dezibel, wobei Bappert relativiert: „Das ist relativ wenig.“ Die Messschwelle der Station liegt bei 58 Dezibel. Das bedeutet: Alles, was über dem ohnehin vorhandenen Hintergrundgeräusch von 53 db liegt und von Ort und Zeit her einem Flugzeug zugeordnet werden kann, wird als Fluglärm erfasst.

Fluglärm erreicht in Duisburg in den Ferien bis zu 72 Dezibel

Ein Blick in die öffentlichen Daten der Messstationen, die der Flughafen Düsseldorf auf seiner Internetseite veröffentlicht, zeigt, dass der Maximalpegel teilweise deutlich vom Durchschnittswert abweicht. So erreichte der Fluglärm im Sommerferienmonat August 2019 Werte von bis zu 72 Dezibel. Der Mittelwert der gemessenen Höchstwerte lag bei 65,6 Dezibel. Im nicht-Ferienmonat November sieht es ähnlich aus.

Nachts sind zwischen Mai und Oktober laut Bappert Werte zwischen 14,6 und 22,2 Dezibel gemessen worden. Das Nachtflugverbot – nach 22 Uhr dürfen am Düsseldorfer Flughafen regulär keine Flugzeuge starten, nach 23 Uhr auch keine mehr landen – macht sich also deutlich bemerkbar. Dennoch gab es zwischen Mai und Oktober drei nächtliche Ruhestörungen durch Überflieger: Einmal startete ein Flug zwei Minuten später als vorgesehen, um 22.02 Uhr. Die beiden anderen Messungen hielten keine Flugzeuge fest – sondern den Polizeihubschrauber; die Fliegerstaffel ist am Flughafen Düsseldorf stationiert.

Über Duisburg fliegen die Flugzeuge mindestens 1500 Meter hoch

Bappert berichtete den Bezirkspolitikern weiter, an einem Beispieltag habe es 261 Starts über den Süden hinweg gegeben. 79 davon führte ihr Flug über Mündelheim und Serm hinweg. Das bedeute aber nicht zwangsläufig eine hohe Lärmbelastung: Die Flieger hätten dort bereits eine Flughöhe von 5.000 bis 8.000 Fuß, umgerechnet also 1500 bis 2400 Meter.

„Flugzeuge starten immer gegen den Wind“, erläutert Bappert. Für die südlichen Stadtteile bedeutet das: „Bei Starts Richtung Westen wird der Duisburger Süden überflogen.“ Im Sommer ist das nach Angaben des Flughafens bei 70 bis 80 Prozent aller Starts der Fall.

Und das in Zukunft häufiger, wenn die Erweiterungspläne des Düsseldorfer Flughafens genehmigt werden. Der entsprechende Antrag liegt seit 2017 beim NRW-Verkehrsministerium. Der Airport möchte in Spitzenzeiten mehr Starts und Landungen abfertigen dürfen: bis zu 60 pro Stunde, bisher sind 47 erlaubt. Die nach Duisburg verlegte Station soll einen Vergleich der Messungen vor und nach der Erweiterung ermöglichen, so dass etwaige höhere Belastungen nachvollziehbar werden.

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