Innovation

Duisburg: Innovationsmanagerin der Caritas lotet Grenzen aus

Jenny Versteegen (Innovationsmanagerin bei der Caritas) und Sascha Rülicke haben sich im Ars Vivendi in Duisburg zum Mittagessen getroffen. Versteegen lädt jeden hundertsten Twitter-Kontakt zum Treffen im echten Leben ein.

Jenny Versteegen (Innovationsmanagerin bei der Caritas) und Sascha Rülicke haben sich im Ars Vivendi in Duisburg zum Mittagessen getroffen. Versteegen lädt jeden hundertsten Twitter-Kontakt zum Treffen im echten Leben ein.

Foto: Jörg Schimmel / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Die Duisburger Caritas hat eine Innovationsmanagerin. Und die lässt sich selbst innovativ inspirieren - beim Lunch mit Unbekannten.

Die Duisburger Caritas beschäftigt eine Innovationsmanagerin, die sich drei Jahre lang um neue Prozesse, bessere Kommunikation, kluge Strategien kümmern soll: Jenny Versteegen. Sie belebt den Job seit einem Jahr - und um selbst innovativ zu bleiben, trifft sie sich mit Twitter-Kontakten aus ganz anderen Branchen zum Lunch.

In trauter Einigkeit bestellen sie stilles Wasser und Linsencurry im Ars Vivendi, duzen sich sofort, dabei haben sie sich noch nie gesehen: Sascha Rülicke, Wirtschafts-Ingenieur bei einer Essener Unternehmensberatung, ist von Berufs wegen innovativ, aber auch privat begeistert ihn die Thematik. Sich vernetzen, Ideen und Methodiken austauschen, dafür kommt er gern zum Mittagessen nach Duisburg.

Fachsimpeln über Formen des Zusammentreffens

„Im normalen Leben würden wir uns nie über den Weg laufen“, sagt Jenny Versteegen, „deshalb feiere ich diese Diversität so.“ Es würden sich neue Perspektiven ergeben.

Aber was haben die Caritas-Strukturen mit der Energiebranche von Rülicke zu tun? „Auf der Metaebene stellen sich die gleichen Probleme und Ziele“, erklärt der 44-Jährige. Und fachsimpelt mit Versteegen los über Formen des beruflichen Zusammentreffens.

Mit unterschiedlichen Kommunikationsstrategien geht Versteegen in die Caritasabteilungen, gründet Experimentierräume und Wunschwerkstätten, will die Kollegen wieder zum Träumen bringen, sie zu Ermöglichern machen, auch ein ganzheitliches Azubi-Management gehört dazu.

Die besten Ideen sind im Alltag vergraben

Solche Strategien findet auch Rülicke spannend. In vielen Unternehmen und Verwaltungen höre das Denken an der Grenze der Zuständigkeiten auf. „Alte Kultur“, nennt das die 35-Jährige. Dabei seien die besten Ideen schon da, nur leider im Alltag vergraben.

Aktuell laufen zwei Projekte bei der Caritas, eins im Schifferkinderheim, wo es um Nachhaltigkeit geht. Eines betrifft die Pflege und die Frage, wie sich der Arbeitsalltag positiv verändern lässt. Hinzu kommt ein wöchentlicher Newsletter „Montags-Momentum“ genannt, dazu Innovations-Frühstücke, Mitmach-Mittagessen. Sie hospitiert viel, um annähernd allen 1000 Mitarbeitern mal begegnet zu sein.

Werte der Caritas im Blick behalten

Bei aller Innovationsfreude bleibe die Caritas aber ein Traditions-Unternehmen, „da ist es wichtig, auf die Werte zu schauen“, betont Versteegen. Binnen drei Jahren soll das Thema Innovation in die DNA der Mitarbeiter übergegangen sein, „das würde ich mir wünschen“.

Auch der Vorstand nehme sich nicht aus, habe sich mit ihr eine Auszeit im Kloster gegönnt, um losgelöst vom Alltag kreativ sein zu können, berichtet Versteegen. Überflüssig werde sie sich jedenfalls nicht machen: Ein etablierter Innovations-Manager gebe „die nötige Schubkraft“.

Die Innovationsmanagerin:

Jenny Versteegen hat zunächst eine Ausbildung zur Krankenschwester gemacht. Daran schloss sich ein Theologiestudium an.

Wissbegierig wie sie ist, setzte sie noch einen Bachelor in den Niederlanden drauf. „Culturele Maatschappelijke Vorming“ nennt sich der Studiengang, der die Absolventen befähigt, etwa in Stadtteilen Probleme zu lösen.

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