Karnevals-Splitter

Duisburg Helau! – Notizen vom Rosenmontagszug

Absoluter Hingucker in Duisburg: Die "Steltenlopers van Merchtem" aus Belgien.

Absoluter Hingucker in Duisburg: Die "Steltenlopers van Merchtem" aus Belgien.

Foto: Thomas Richter

Duisburg.  Von Stelzenläufern und Superhelden: Unser Reporter hat Wissenswertes und Kurioses rund um den Duisburger Rosenmontagszug zusammengetragen.

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Fehlvorhersage: Die Wetterfrösche hatten am Rosenmontag eigentlich Dauerregen und Schneefälle vorausgequakt. Doch glücklicherweise lagen sie völlig daneben: Als sich der Zug zur narrentypischen Zeit um 13.11 Uhr in Neudorf in Bewegung setzen sollte, lachte die kalte Februarsonne vom leicht bewölkten, aber doch erfreulich blauen Himmel. Die Jecken freuten sich über den Beistand von oben. Petrus, helau!

Rosenmontagszug Duisburg

Tausende Karneval-Fans feierten am Montag, 12. Februar 2018, in Duisburg.
Rosenmontagszug Duisburg

Gott des Meeres: Mit seiner wallenden blau-weißen Haarpracht und dem weißen Rauschebart war er nicht zu übersehen: Joachim Frintrop war in das Kostüm von Meeresgott Neptun geschlüpft. „Das hat meine Frau Claudia in Handarbeit gemacht“, erzählt der Neudorfer. Seine Gattin hat sich passend dazu als Meerjungfrau verkleidet. Den auffälligen Dress des Vaters hatte vor zwei Jahren übrigens auch schon Sohn Johannes getragen. Das Abi-Motto hieß damals: „Die Götter verlassen den Olymp“. Und auch er machte in dem Neptun-Kostüm eine gute Figur – genau wie der Vater nun.

Hingucker: Zu den absoluten Hinguckern des Rosenmontagszuges zählten die belgischen Stelzenläufer, die gleich an der Spitze des Zuges losbalancierten. Und das in teils schwindelerregender Höhe: Am Ende des 30-köpfigen Ensembles stolzierte Ricardo in üppigen sieben Metern Höhe durch die Massen. Für ihn war es kein Problem, bis in die zweite Etage der anliegenden Häuser zu „fensterln“. Bei den Anwohnern stießen er und seine Kollegen von den „Steltenlopers van Merchtem“ auf ein großes Hallo.

Verdiente Pause: Das Stelzenlaufen ist allerdings eine kräftezehrende Angelegenheit. Kein Wunder, dass sich die Belgier in jenen Momenten, als der Zug einmal wieder zum Stillstand gekommen war, sofort ein Plätzchen zum Rasten suchen. Das war mal ein Brückenpfeiler an der Landfermannstraße oder eine Hauswand am Pulverweg. Vor so viel Stehvermögen zogen viele Besucher am Rande der Zugstrecke den Hut.

Warmtanzen: „Richtig warm ist das heute nicht“, sagt Anouschka, die gemeinsam mit Patrick unterwegs ist. „Aber dafür kann man sich ja warmtanzen.“ Gesagt, getan. Und der vorbeiziehende Fanfarencorps bietet gleich ein passendes Stück: „Pokerface“ von Lady Gaga. „Ich wusste gar nicht, dass die auch Pop draufhaben“, staunt Studentin Anouschka.

Superhelden: Die Superhelden aus den Kino-Comicverfilmungen inspirierten schon in den Vorjahren zahlreiche Karnevalsfans bei ihrer Kostümwahl – so auch Daniel Röhr. Der Duisburger schaut sich mit Sohn Jaymie (8) und zahlreichen Freunden in der Nähe des Hauptbahnhofs den Zug an. Und er trägt das Original-Outfit des leicht durchgeknallten Superhelden Deadpool. „Ich finde diesen Charakter im Marvel-Universum genial. Den Film hab ich natürlich zu Hause auf Blu-Ray. Und ich freue mich auch schon, wenn bald der zweite Teil in die Kinos kommt“, erzählt Röhr.

Partnerlook: Während Deadpool so plaudert, laufen zwei Captain Americas vorbei: ein großer und ein kleiner. Vater und Sohn setzen hier eindeutig auf einen coolen Partnerlook.

Von Fliegenpilzen, Tierkostümen und Schaufensterpuppen

Fliegenpilze: „Wir stehen immer hier – und das seit inzwischen über zehn Jahren“, erzählen Susanne Grätz und Andrea Wollnik, die mit ihrem rund 20-köpfigen Freundeskreis an der Klöcknerstraße Position bezogen haben. „Wir leben alle seit langem in Duisburg, viele von uns haben ihre familiären Wurzeln aber im Ostwestfälischen. Hier sind wir aber sofort jeck geworden“, berichten die Damen, die in auffälligen Fliegenpilz-Kostümen unterwegs sind. „Dies sind aus Samt gefertigte Eigenkreationen. Zuerst suchen wir uns immer die Kopfbedeckungen aus und basteln dann das dazu passende Kostüm“, erzählen Andrea Kulen und Dunja Feder (eine Ex-Buchholzerin, die es nach Donaueschingen verschlagen hat). Und wie lange hat das Anfertigen der Ausgehanzüge gedauert? Da lacht Susanne Grätz laut und sagt: „Mehrere Flaschen Sekt lang.“

Tierkostüm: Weil sich die Temperaturen trotz der Sonne meistens nahe dem Nullpunkt bewegten, vertrauten viele Narren auf ein Ganzkörper-Kostüm. Und fast die gesamte Tierwelt war dabei vertreten. Ob Löwe, Maulwurf, Hase, Wildschwein, Drache, Tiger oder Leopard: Alle Bibbernden mummelten sich in ihr Fell. Die absolut meisten Einteiler waren aber die auf zwei Beinen wandelnden Einhörner. Kein Wunder: Die sind gerade vor allem bei jüngeren Mädels schwer angesagt.

Zugmotto: „Duisburgs Karneval besuchen ist wie tierisch guten Urlaub buchen“, so lautete das Motto des Rosenmontagszuges, an dem gestern fast 3000 Aktive in 42 Prunkwagen und in mehr als 30 Musikkapellen teilnahmen. Traditionell fuhr Prinz Udo I. in seinem prächtigen Wagen am Ende des Feldes. Er schmetterte im Brustton der Überzeugung das „Duisburg Helau!“ hundertfach aus sich heraus. Und das Narrenvolk zu seinen Füßen, das wieder zu Zehntausenden in die Innenstadt geeilt war, entgegnete ebenso stimmgewaltig den Narrengruß.

Kino-Snack: Leonie geht ein paar Mal im Jahr ins Kino. Und wenn sie vor der Großleinwand Platz nimmt, dann holt sich die 13-Jährige auch immer eine Tüte Popcorn dazu. Nicht verwunderlich, dass sie als eine solche verkleidet in die Innenstadt zum Zug loszieht. „Das Kostüm habe ich drei Wochenenden lang mit meiner besten Freundin Viktoria gebastelt“, erzählt Leonie. Und es ist so toll gelungen, dass nicht nur Kinofans anerkennend eine Augenbraue hochziehen.

Leuchtend gelb: Die grellsten Farben – nämlich Neongelb oder Leuchtend-Orange – trugen traditionell nicht die Jecken, sondern die Ordner, die den Zug begleiteten. An jedem einzelnen Rad eins jeden Wagens und jedes ziehenden Traktors marschierten die Aufpasser mit – damit vor allem die jüngsten Kamellesammler nicht unter die Räder kommen.

Bewegungslos: Die Tanzgarde Blau-Gold feiert ihr 60-jähriges Bestehen. Um auf diesen runden Geburtstag hinzuweisen, hatte die Gruppe eine besondere „Frontfrau“ verpflichtet. Die erschien den angetrunkenen Narren im ersten Moment als etwas bewegungslos, bei genauerem Hinsehen stellten aber auch sie fest, dass da eine kostümierte Schaufensterpuppe vornweg fuhr.

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