Kunst

Urbane Künste Ruhr: Duisburg hat zwei Kunst-Stipendiaten

Raphael Weilguni und Viola Relle haben als Team ein Stipendium von Urbane Künste Ruhr bekommen. Nun wohnen sie für drei Monate in Duisburg und arbeiten im Atelier des Kunstvereins im Weidenweg an ihren Skulpturen.

Raphael Weilguni und Viola Relle haben als Team ein Stipendium von Urbane Künste Ruhr bekommen. Nun wohnen sie für drei Monate in Duisburg und arbeiten im Atelier des Kunstvereins im Weidenweg an ihren Skulpturen.

Foto: Lars Heidrich

Duisburg.   „Wir wollten unbedingt nach Duisburg“: Bis Ende des Jahres wirken zwei Künstler in der Stadt. Ein Gespräch über Arbeit, Druck und Entspannung.

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Dass zwei junge Künstler, die bereits im Londoner Tate Modern ausgestellt und an der renommierten Akademie der Künste in München ihren Abschluss gemacht haben, unbedingt nach Duisburg wollen, kommt nicht alle Tage vor. Bei Viola Relle (26) und Raphael Weiguli (29) ist das so. Gut, ein wenig vorgeschrieben war die Richtung schon: Die beiden haben ein Stipendium von Urbane Künste Ruhr erhalten, einer Institution für Gegenwartskunst im Ruhrgebiet, und durften sich dann aussuchen, in welche Ruhrgebietsstadt sie möchten. „Es wollen dann immer alle nach Essen“, sagt Raphael, „aber wir haben das Gefühl, dort ist die Kunstszene schon so vorgekaut. Wir wollten an einen Ort, der nicht schon durch Kunstprojekte vorbelastet ist.“ Was die beiden in Duisburg genau vorhaben, verraten sie noch nicht. Nur so viel: „Wir wollen unsere persönliche Seidenstraße aufbauen“ – in Anlehnung an die Handelsverbindung zwischen Duisburg und der chinesischen Stadt Chengdu. Gut gekleidete Geschäftsleute sollen darin eine Rolle spielen.

Die vergangenen vier Jahre haben Viola und Raphael in New York gelebt, in Brooklyn und Manhattan, oft im Freien gearbeitet, mal in einem Hinterhof, mal auf einem Balkon im 36. Stock. „Das ist dort schon ein anderes Feeling. Hier in Duisburg ist eine ganz andere Energie, weniger Druck. Das tut uns gerade sehr gut“, sagt Viola. Sie hat Bildhauerei studiert, ihr Künstler-Partner Raphael Malerei. Bereits seit sechs Jahren arbeiten sie zusammen. Ihre Werke sind immer ein Gemeinschaftsprojekt, bei dem beide alles machen und sich niemand auf die Disziplin beschränkt, auf die er sich in der Vergangenheit einmal festgelegt hatte. „Wir haben inzwischen eine gemeinsame Sprache entwickelt.“

Werke erinnern an Organe und Korallen

Die Figuren bearbeiten sie mal liegend, mal in der Luft hängend. „Dabei ändern sich immer wieder die Perspektiven.“ Viele der Skulpturen und Bilder erinnern an Organe oder Korallen. Die Deutung ist aber bewusst

offen gehalten. Genauso wie der Werdegang der Kunstwerke, der nicht an Orte gebunden ist: „Diese hier haben wir in London angefangen, dann in München weitergemacht und jetzt bearbeiten wir sie hier“, erzählt Viola und deutet auf eine gebrannte Keramik-Skulptur in gedeckten Farben. Das Atelier des Kunstvereins im Weidenweg bietet dafür beste Voraussetzungen: hohe Decken, viel Licht, einen warmen Holzboden. Die Künstler können sich hier unter der Woche ausbreiten, am Wochenende räumen sie den vorderen Bereich für die Volkshochschule frei.

Immer mehr Malerei ist quadratisch

Die Frage, was sie selbst so am Wochenende unternehmen, beantworten sie mit Lachen. „Wochenende?“, fragt Raphael ungläubig. „Sowas kennen wir nicht. Wir sind täglich im Atelier oder unterwegs, um Eindrücke zu sammeln.“ Dass das künstlerische Schaffen auch viel mit der permanenten Suche nach neuen Stipendien und Geldgebern zu tun hat, außerdem mit Druck und Schnellebigkeit, geht an Raphael und Viola nicht vorbei. „Es gibt den Zwang, dass in der Kunst immer alles neu sein muss. Seit es Instagram gibt, ist zum Beispiel immer mehr Malerei quadratisch.“

Entspannung finden sie in der Natur: „In einem Gehege in einem Wald bei Neudorf haben wir Wildschweine entdeckt. Da fahren wir gerne hin.“ Ein Foto der borstigen Tiere hängt sogar im Atelier.

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