Kirche

Duisburg: Erste katholische Kirche im Süden schließt 2020

Die katholische Kirche St. Suitbert in Wanheim wird im Juni geschlossen. Ab den 1. Juli hat sie einen neuen Besitzer.

Die katholische Kirche St. Suitbert in Wanheim wird im Juni geschlossen. Ab den 1. Juli hat sie einen neuen Besitzer.

Foto: Tanja Pickartz / WAZ FotoPool

Duisburg-Wanheim.  Im Juni schließt die katholische Kirche St. Suitbert in Duisburg-Wanheim. Eine Zukunft hat sie dennoch – denn es gibt einen neuen Nutzer..

Noch in diesem Jahr verliert der Duisburger Süden eine seiner katholischen Kirchen: Die Pfarrei St. Judas Thaddäus gibt den Standort St. Suitbert in Wanheim auf. Eine Nachnutzung steht schon fest: Die Kirche bekommt einen anderen Eigentümer, ebenso das Pfarrheim.

Die letzte Messfeier in der Kirche St. Suitbert findet am 21. Juni statt. Danach überträgt die Pfarrei St. Judas Thaddäus das Kirchengebäude an die rumänisch-orthodoxe Gemeinde Hl. Nikolaus und Hll. Epictet und Astion aus Duisburg-Neudorf. „Somit ist dann gesichert, dass die Kirche als Kirche erst einmal dauerhaft erhalten bleiben kann“, heißt es auf der Homepage der Pfarrei. Mit der rumänisch-orthodoxen Gemeinde hatte die Pfarrei St. Judas Thaddäus schon Anfang des Jahres 2016 über eine Übernahme der Kirche verhandelt, diese Pläne hatten sich aber zunächst zerschlagen. Jetzt werden sie doch umgesetzt.

Die Duisburger Kirche St. Suitbert besuchen nur noch 80 Menschen zum Gottesdienst

„Viele Leute hängen an der Kirche, sind dort getauft worden, haben dort geheiratet, haben ihre Kinder dort taufen lassen“, weiß Pfarrer Roland Winkelmann von der Pfarrei St. Judas Thaddäus, und so trennt sich die Pfarrei mit Wehmut von ihrer Kirche. Aber: Sie muss Kosten sparen. Die nach seinen Angaben noch 70, 80 regelmäßigen Kirchgänger müssen sich nach der Schließung dann umorientieren in Richtung St. Peter und Paul in Huckingen oder St. Judas Thaddäus in Buchholz.

Bei der Übertragung an die rumänisch-orthodoxe Gemeinde handelt es sich Pfarrer Winkelmann zufolge um einen Überlassungsvertrag: Das Gebäude bleibt im Besitz der katholischen Kirche. Die rumänisch-orthodoxe Gemeinde hat einen Nutzungsvertrag für die nächsten zehn Jahre. Sie zahlt zwar keine Miete, muss die Kirche aber im Falle einer Kündigung oder eines Auslaufens des Vertrags in dem Zustand zurückgeben, in dem sie sie übernommen hat. Der Pfarrei St. Judas Thaddäus entstehen so keine Kosten mehr für die Kirche St. Suitbert.

Mitglieder der rumänisch-orthodoxen Gemeinde aus Duisburg, Essen, Bochum

„Es ist noch nicht hundertprozentig sicher“, äußert sich Pfarrer Nicolae Abuziloaie von der rumänisch-orthodoxen Gemeinde zwar vorsichtig; der Vertrag liege noch nicht vor. Pläne für die Zeit nach der Übernahme zum 1. Juli hat die Gemeinde aber schon: Ihre wöchentlichen Sonntagsdienste werden in der Wanheimer Kirche stattfinden, ebenso wird sie dort die orthodoxen Feiertage begehen. Bisher finden die Gottesdienste der rumänisch-orthodoxen Gemeinde in der Kirche St. Anna in Neudorf statt, dorthin kommen laut Abuziloaie jeden Sonntag zwischen 100 und 150 Menschen nicht nur aus Duisburg, sondern auch aus umliegenden Städten wie Essen, Bochum oder Oberhausen.

Sie werden dann nicht mehr die Kirche St. Suitbert besuchen, sondern die Kirche St. Nikolaus, Epictet und Astion. Nicht nur der Name der Kirche wird sich ändern: Im Inneren der Kirche möchte die neue Gemeinde einen Altar errichten, langfristig soll sie von innen außerdem mit Wandgemälden, wie sie in der rumänisch-orthodoxen Kirche üblich sind, gestaltet werden. Pfarrer Nicolae Abuziloaie ist sich sicher: „Es wird ein Schmuckstück.“ Erst einmal müssen es aber Bilder zum Aufhängen tun: Die Gemeinde finanziert sich aus Spenden.

Fünf von elf katholischen Kirchen im Duisburger Süden schließen

Die Kirche St. Suitbert ist die erste katholische Kirche im Duisburger Süden, die im Rahmen des sogenannten Pfarreientwicklungsprozesses schließt. Wegen immer weniger Kirchenmitglieder und dementsprechend sinkender Einnahmen müssen die Pfarreien im Bistum Essen bis 2020 knapp ein Drittel ihrer bisherigen Ausgaben einsparen, bis zum Jahr 2030 sogar rund die Hälfte. Ziel ist ein ausgeglichener Haushalt.

Geplant war die Schließung der Kirche St. Suitbert bis zum Jahr 2025, ebenso wie die Schließung der Kirche St. Stephanus. Im Duisburger Süden schließen fünf von elf katholischen Kirchen: Neben St. Suitbert und St. Stephanus stehen auf der Streichliste der katholischen Kirche auch St. Joseph in Wedau und St. Raphael in Bissingheim; beide sollen bis 2030 Vergangenheit sein. Bei den Zahlen handelt es sich um die spätestmöglichen Jahre: „Wenn sich vorher etwas ergibt, werden wir handeln“, kündigt Pfarrer Winkelmann an.“ Interessenten für weitere Streichkirchen gebe es derzeit aber nicht. Die Hüttenheimer Kirche Maria Himmelfahrt ist schon seit 2008 geschlossen.

Ein Sonderfall ist die Kirche Herz Jesu in Serm: Eigentlich sollte auch sie bis zum Jahr 2025 schließen. Das haben die Sermer verhindert: Der Förderverein übernimmt die Kirche. Als reguläre katholische Kirchen im Duisburger Süden bleiben bestehen St. Dionysius in Mündelheim, St. Franziskus in Großenbaum, St. Hubertus in Rahm, St. Judas Thaddäus in Buchholz sowie St. Peter und Paul in Huckingen.

Förderverein übernimmt das Pfarrheim von St. Suitbert Duisburg-Wanheim

Die Pfarrei St. Judas Thaddäus gibt auch das angeschlossene Pfarrheim in Wanheim auf. Dieses übernimmt allerdings nicht die rumänisch-orthodoxe Gemeinde. Stattdessen wird das Pfarrheim auf den Förderverein der Kirche St. Wanheim übertragen. Dieser hatte zwischenzeitlich überlegt, auch die Kirche zu übernehmen, dazu kommt es nun aber doch nicht.

70 bis 80 Gläubige besuchen nach Angaben von Pfarrer Winkelmann regelmäßig den Sonntagsdienst in der Wanheimer Kirche St. Suitbert. Für sie wird der letzte Gottesdienst am 21. Juni nicht nur ein trauriger Tag sein, sondern auch einer mit Symbolkraft: Am selben Tag wurde im Jahr 1914 die erste Heilige Messe in der Kirche gefeiert.

Die rumänisch-orthodoxe Gemeinde Hl. Nikolaus und Hll. Epictet und Astion freut sich auf ihre neue Heimat, auch wenn Pfarrer Nicolae Abuziloaie nicht sicher ist, dass alle Gemeindemitglieder ihre neue Kirche kennenlernen werden: „Jeder Umzug ist fast wie eine neue Gründung.“

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