Gesundheit

Duisburg: Arztpraxis für Unversicherte stößt an ihre Grenzen

Einmal in der Woche behandeln Ärzte in Duisburg ehrenamtlich Menschen ohne Krankenversicherung in der Praxis der Malteser. Doch die Arztpraxis stößt an ihre Grenzen.

Einmal in der Woche behandeln Ärzte in Duisburg ehrenamtlich Menschen ohne Krankenversicherung in der Praxis der Malteser. Doch die Arztpraxis stößt an ihre Grenzen.

Foto: Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung / MMM

Duisburg.  Einmal in der Woche behandeln Ärzte ehrenamtlich Menschen ohne Krankenversicherung in der Praxis der Malteser. Warum die Hilfe an Grenzen stößt.

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Es ist Donnerstag und in der „Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung“ (MMM) geht es zu wie im Taubenschlag. Fünf Stunden behandeln Ärzte und medizinisches Personal hier ehrenamtlich die Patienten. Die Helfer stoßen auch deshalb an Grenzen, weil auch immer mehr Deutsche das ausschließlich spendenfinanzierte Angebot an der Münzstraße 15 in der Altstadt nutzen.

Allein im vergangenen Jahr haben die zehn Ärzte, allesamt Allgemeinmediziner, Gynäkologen und Kinderärzte im Ruhestand, 2648 Menschen behandelt. Tendenz steigend. Seit Eröffnung der Sprechstunde im Jahr 2017 gab es 6510 medizinische Behandlungen. „Durchschnittlich suchen uns 55 Patienten pro Woche auf, es können aber auch schon mal 90 sein“, berichtet Benjamin Schreiber, Projektleiter der MMM. Der Einzugsbereich der Praxis reicht weit über Duisburg hinaus. Aus den Nachbarstädten und vom Niederrhein kommen viele, weil es dort keine vergleichbaren Angebote gibt. „Es hat sich rumgesprochen“, so Schreiber.

Arztpraxis für Unversicherte: Patienten aus der Mittelschicht

Der Begriff „Migrantenmedizin“ sei nicht mehr zutreffend, sagt das Team. Zwar stellten die nicht krankenversicherten Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien immer noch die größte Gruppe der Patienten, dann folgen aber schon die Deutschen. „Die Annahme, alle seien hier per Gesetz versichert, stimmt nicht“, betont Schreiber.

Oft sind es ältere, chronisch Kranke, die aus der Mittelschicht stammen und ihren Leistungsanspruch bei der privaten Krankenkasse durch Beitragsrückstände verloren haben, erläutert Prof. Dr. Hans-Georg Nehen, der medizinische Leiter des ausschließlich durch Spenden finanzierten Angebots. „In dieser Gruppe haben wir gelegentlich auch schwerstkranke Patienten, die wegen lebensbedrohlicher Erkrankungen dringend ärztlicher Hilfe bedürfen.“ Zuletzt stieg auch die Zahl von Schwarzafrikanern und Asiaten, die die MMM aufsuchen. Sozialarbeiter aus der Clearingstelle der Awo-Integration bieten Beratung an.

„Wir haben hier weniger Möglichkeiten als jeder Hausarzt“

Doch nicht nur hier stößt das Team an Grenzen. „Wir haben hier weniger Möglichkeiten als jeder Hausarzt“, erklärt Nehen. Würde nicht das Netzwerk der Ärzte helfen, in dem Radiologen für Röntgenaufnahmen und Labore bei Vorsorge-Untersuchungen von Schwangeren „Freundschaftspreise“ machen, wäre die Finanzierung selbst einfacher Leistungen noch schwieriger.

Impfstoff für die wichtige Masernimpfungen stellt das Gesundheitsamt – durch 270 Impfungen von Kindern allein in 2019 leistete das Team einen wichtigen Beitrag zur Verhinderung neuerlicher Masern-Epidemien in Duisburg.

Versorgung von Schwangeren ist schwierig

Schwierig bleibt die Versorgung von Schwangeren, weil bei Unversicherten die Kostenübernahme für die Entbindung nicht geklärt ist. „Dafür brauchen wir eine nationale Lösung“, mahnt Prof. Nehen. Schlimmstenfalls entbünden die Frauen „irgendwo“, zumeist suchten sie eine Klinik auf, die zwar Notfälle nicht abweist, aber auf den Kosten zwischen 3000 und 5000 Euro sitzenbleibt.

Steigend sei auch die Zahl derer, die krank werden in der Folge traumatischer Erlebnisse, berichtet der medizinische Leiter, der auch Psychotherapeut ist. „Viele Menschen haben dramatische Geschichten hinter sich.“

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