Posse

Duisburg: Amt lässt Waschmaschine zwei Jahre im Rhein liegen

Seit zwei Jahren liegt die Waschmaschine auf einer Sandbank vor dem Ufer bei Rheinkilometer 772 zwischen den Duisburger Ortsteilen Friemersheim und Wanheim-Angerhausen.

Seit zwei Jahren liegt die Waschmaschine auf einer Sandbank vor dem Ufer bei Rheinkilometer 772 zwischen den Duisburger Ortsteilen Friemersheim und Wanheim-Angerhausen.

Foto: Tanja Pickartz / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Vor zwei Jahren meldete eine Anwohnerin den Behörden eine Waschmaschine auf einer Sandbank im Rhein. Da liegt sie nun immer noch.

Erst stand sie. Dann lag sie. Und heute noch glotzt ihr Bullauge Löcher in den Himmel über Duisburg. Wenn nicht das Hochwasser des Rheins einen nassen Schleier des Vergessens über sie legt. Wie die Waschmaschine an das linksrheinische Friemersheimer Ufer gekommen ist, gibt Beobachtern Rätsel auf. Und wohl noch für einige Zeit, denn seit zwei Jahren schafft es das zuständige Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein nicht, die nunmehr deutlich mitgenommene Maschine zu bergen.

„Irgendwann war sie da.“ Von ihrem Panorama-Fenster im rechtsrheinischen Stadtteil Wanheim-Angerhausen aus kann Angelika Koplin-Hörnemann den ehemals weißen Kasten auf einer Sandbank, gut 30 Meter vom Ufer entfernt, noch immer sehen. Ob sie damals vom Schiff gefallen ist oder sie jemand zum Ufer geschleppt hat, um sie illegal zu entsorgen?

Waschmaschine im RheSchifffahrtsbehörde reagiert auf Hinweis nur zögerlich

Keine saubere Sache jedenfalls. „Da beteiligen sich tausende Menschen jedes Jahr am Clean-up, um den Rhein sauber zu halten. Es engagieren sich Bürger für saubere Umwelt“, ärgert sich Koplin-Hörnemann über das wenig vorbildliche Verhalten der Behörde, „aber das Schifffahrtsamt lässt das Gerät seit Jahren einfach liegen. Das kann doch auch für Boote gefährlich werden.“

2018 fiel das Ding bei Niedrigwasser erstmals auf. Koplin-Hörnemann griff zum Telefon und rief das Schifffahrtsamt an. Mehrfach. Jedes Mal verwies das Amt auf immer andere Zuständigkeiten. Am Ende schrieb sie dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Duisburg-Rhein. „Schönen Dank für Ihren Hinweis“, antwortete die Behörde seinerzeit. „Infolge des Niedrigwassers“ sei es nicht möglich, sich mit dem Entsorgungsschiff der Sandbank zu nähern. Allerdings führte Vater Rhein seither nicht zwei Jahre lang durchgängig Niedrigwasser.

Und: „Ich sehe das Entsorgungsschiff häufig bei uns vorbeifahren“, hat Koplin-Hörnemann den Eindruck, mit ihrem Anliegen auf Sand zu laufen. Denn geändert hat sich an der Lage (der Waschmaschine) nichts. Papier ist offenbar geduldig, die Waschmaschine sowieso.

Die Schifffahrtsbehörde schweigt sich aus

Die Behörde, das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein, schweigt. Auf die mehrfache telefonische und schriftliche Nachfrage unserer Redaktion gab es bislang keine Antwort.

Dass ein Entsorgungsschiff das störende Objekt bis heute nicht bergen konnte, hält zumindest die Duisburgerin für „Blödsinn. So ein Bergungsschiff hat doch lange Ausleger, mit denen sogar Schrott vom Rheinufer an Deck geholt wird.“ Was ist, fragt sich Koplin-Hörnemann, wenn die Waschmaschine weitergespült wird und etwa eine Schiffsschraube beschädigt?

Und das nächste Hochwasser? Kommt bestimmt. Dann käme auch ein Entsorgungsschiff an die Stelle. Der Sommer 2021 wird den Schleier wohl wieder lüften. Und vielleicht ist sie dann immer noch da, die ,gute alte’ Waschmaschine.

>> RHEINPEGEL 2020: VON 8,89 AUF 2,10 METER

• Durch das Rhein-Hochwasser im Februar 2020 war die Neun-Meter-Marke am Pegel in Ruhrort fast erreicht worden. Der Höchststand: 8,89 Meter. Die Wirtschaftsbetriebe hatten neben einigen Zufahrten zu den Deichen bereits das Mariensperrtor geschlossen.

• Am Freitagmorgen soll der Pegel etwa bei 2,10 Meter liegen, bis Ende September laut Vorhersage auf mehr als 2,30 Meter steigen.

Leserkommentare (4) Kommentar schreiben