Rettungsdiensteinsatz

Duisburg: Ärger über hohe Kosten nach Rettungsdiensteinsatz

In Duisburg gibt es Ärger wegen einer hoher Kosten nach einem Rettungsdiensteinsatz.

In Duisburg gibt es Ärger wegen einer hoher Kosten nach einem Rettungsdiensteinsatz.

Foto: Nicolas Armer / picture alliance

Duisburg.  Eine Duisburgerin wählt nach zwei Stürzen ihres dementen Mannes den Notruf und bleibt auf den hohen Kosten für den Rettungsdiensteinsatz sitzen.

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Sybille Schönrock aus Duisburg hat binnen eines halben Jahres zwei Mal den Notruf 112 gewählt. Ihr dementer Mann war im September 2018 zu nächtlicher Stunde und noch einmal im Mai 2019 gestürzt, die Sorge um schlimme Verletzungen groß. In beiden Fällen gab’s am Ende zum Glück Entwarnung, aber saftigen Rechnungen, die nicht nur bei der Seniorin aus Wanheim Kopfschütteln auslösen.

Jeweils 101 Euro musste die Duisburgerin aus eigener Tasche zahlen, weil die Krankenkasse die Kosten dafür nicht übernimmt. Sigrid Averesch-Tietz, Sprecherin des Verbandes der Ersatzkassen (vdek) in NRW, erklärt die Hintergründe und sagt auch, warum sie nicht verstehen kann, dass die Feuerwehr beziehungsweise die Stadt für solche Rettungsdiensteinsätze überhaupt Rechnungen gestellt hat.

Verband: Bei Leerfahrten teilen sich die Stadt Duisburg und Krankenkasse die Kosten

Grundsätzlich werden demnach Fahrten mit dem Rettungsdienst von den Krankenkassen komplett übernommen – allerdings nur, wenn sie denn auch in Anspruch genommen werden. Bei so genannten Leerfahrten, wenn also kein Transport in ein Krankenhaus wie im Fall Schönrock erfolgt, teilen sich Krankenkassen und Kommune laut Averesch-Tietz die Kosten. Dies sei klar vereinbart und in den Gebühren, die die Kommunen für Rettungsdienstfahrten erheben, bereits mit einkalkuliert.

Die Stadt betont auf Nachfrage, dass Leerfahrten weiterhin nicht in Rechnung gestellt werden. Bei den Gebühren von 101 Euro handele es sich allerdings um Einsätze, bei denen zum Beispiel einem Patienten, der aus dem Bett gefallen ist, aufgeholfen oder ein Matratzenwechsel für Bettlägerige vorgenommen wurde. „Dann handelt es sich streng genommen um Hilfeleistungen, die eher dem Pflegebereich zuzuordnen sind und nicht um originäre Tätigkeiten des Rettungsdienstes“, so Stadtsprecher Falko Firlus.

Stadt Duisburg stellt Hilfeleistungen privat in Rechnung

Die Gebühren dafür gemäß Duisburger Krankenkraftwagensatzung können laut Firlus nicht von der Stadt direkt über die Krankenkasse abgerechnet werden. Dies sei in den vergangenen Jahren mehrfach erfolglos versucht worden. „Aus diesem Grund werden Hilfeleistungen grundsätzlich privat in Rechnung gestellt“, sagt der Stadtsprecher. „Wir empfehlen, sich selbst mit der Krankenkasse zwecks Kostenerstattung auf dem Kulanzweg in Verbindung zu setzen.“

Die Sprecherin des Verbandes der Ersatzkassen kann dies nicht nachvollziehen. Es sei die gängige Rechtsauffassung, dass Bürger auch dann die 112 wählen dürfen, wenn nicht sofort klar ersichtlich ist, ob schwerwiegende Verletzungen vorliegen. Und sie sollen auch dann nicht auf ihren Kosten sitzen bleiben, wenn nach einer Untersuchung nur Hilfeleistungen vorgenommen wurden.

Der zuständige Beigeordnete Ralf Krumpholz berichtet, dass immer mehr Menschen die 112 wählen, obwohl es sich nicht um einen Notfall handele. Andrea Hennrich hatte bereits im vergangenen Sommer als Qualitätsbeauftragte für den Rettungsdienst bei der Feuerwehr in Duisburg im Gespräch mit der Redaktion betont, dass oft schon bei Kleinigkeiten der Rettungsdienst gerufen werde. Die Zahl der Einsätze sei so in den vergangenen Jahren von 48.000 auf rund 60.000 gestiegen.

Krumpholz: „Ich denke, dass unser Rettungsdienst das nötige Fingerspitzengefühl hat“

„Ich denke, dass unser Rettungsdienst das nötige Fingerspitzengefühl hat und nach einem Einsatz beurteilen kann, ob eine Rechnung gerechtfertigt ist oder nicht“, so Krumpholz. „Niemand soll bei einem Notfall davon abgehalten werden, die 112 zu wählen. Lieber einmal mehr als zu wenig.“

Sybille Schönrock kann dann nicht verstehen, warum sie in ihrem Fall eine Rechnung erhalten hat, die sie nach erfolgloser Beschwerde bei der Stadt inzwischen auch bezahlt hat. „Ich werde künftig in ähnlichen Fällen sicherheitshalber auf einen Transport in ein Krankenhaus bestehen“, so die Duisburgerin. „Dann bin ich mir wenigstens sicher, dass die Krankenkasse die Kosten übernimmt. Aber das kann es ja eigentlich nicht sein.“

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