Beerdigung

Dreckige Trauerhalle schockiert Angehörige von Verstorbenen

 Der Friedhof in Duisburg-Huckingen macht einen gepflegten Eindruck – die Trauerhalle gibt von innen allerdings ein ganz anderes Bild ab.

 Der Friedhof in Duisburg-Huckingen macht einen gepflegten Eindruck – die Trauerhalle gibt von innen allerdings ein ganz anderes Bild ab.

Foto: Herbert Scholzen

Duisburg-Huckingen.  Angehörige klagen über unwürdige Zustände der Trauerhalle bei Beerdigungen. Wie die Gemeinde reagiert, warum das den Angehörigen nicht reicht:

Es hatte ein würdiger Abschied werden sollen vom Vater seiner Lebensgefährtin. Doch die letzte Ehre mussten Herbert Scholzen und seine Familie dem Verstorbenen in einer Trauerhalle leisten, so verdreckt, dass Scholzen die Halle auf dem Friedhof Huckingen einen „christlichen Schandfleck“ nennt. Solcher Ärger über den Zustand der Friedhofskapelle ist offenbar kein Einzelfall.

„Der Boden war dreckig, zum Teil fleckenartig. Die Stühle, Bänke, sowie die künstlichen Blumen waren verstaubt.“ So beschreibt Herbert Scholzen die Trauerhalle am Tag der Beerdigung. Auch an den Wänden und der Decke hätten Staubfäden und Spinnweben gehangen, die Sitzkissen auf den Bänken seien offenbar schon lange nicht mehr gereinigt worden. „Man steckt so viele Emotionen in die Vorbereitung und macht sich so viel Mühe zusammen mit dem Bestattungsunternehmen“, sagt Scholzen traurig und wütend. „Und dann gibt es während der Feier so unwürdige Verhältnisse.“

Auch die Bestatter haben sich schon über den Dreck in der Trauerhalle beschwert

Herbert Scholzen ist nicht der Einzige, der sich über den Zustand der Trauerhalle auf dem Huckinger Friedhof ärgert. Und auch nicht der Erste: Den Bestattern in der Umgebung ist das Problem schon lange bekannt. Ingeborg Klucken vom gleichnamigen Bestattungshaus ärgert sich darüber: „Der Zustand ist eine Katastrophe.“ Die Kapelle werde nur ein-, zweimal im Jahr grundgereinigt. Der Boden werde vor oder nach einer Bestattung ab und zu gefegt, meist von Angehörigen oder den Bestattern selber. Aber in den vielen Monaten bis zur nächsten Grundreinigung bilde sich Dreck. „Wenn man sich durch die Kapelle bewegt, hat man schnell Schlieren an der Kleidung“, sagt Klucken. Auch Bestatter Friedhelm Scheuten bestätigt die Kritik an der Trauerhalle: „Die Wände sind nicht verputzt, und an den alten Kirchenbänken kann man sich schon mal einen Faden aus der Strumpfhose ziehen.“

Gemeinde will die Kosten für die Reinigung erstatten

Beide Bestatter bestätigen, dass es in der Vergangenheit schon mehrfach Beschwerden über den Zustand der Kapelle gab. Man habe dann die Verwaltung der zuständigen katholischen Gemeinde St. Judas Thaddäus informiert. Doch die Verwalterin, Ursula Savarino, sagt, sie habe erst am 20. August diesen Jahres eine Beschwerde bekommen, vorher nicht. Darauf habe die Gemeinde sofort reagiert: „Es wurde den Angehörigen sofort eine Kostenerstattung für die Reinigungsgebühren zugesagt.“ Außerdem habe die Gemeinde daraufhin eine Grundreinigung in Auftrag gegeben.

Nach Savarinos Aussage wird die Kapelle außerdem nach jeder Nutzung gereinigt, im Schnitt 30 mal im Jahr, und zwar durch den Friedhofsgärtner. Angesprochen von Herbert Scholzen, wies dieser allerdings jede Verantwortung von sich: Weder er noch seine Firma hätten einen Auftrag zur Reinigung der Trauerhalle.

Herbert Scholzen ist noch immer verärgert. „Es darf Angehörigen, die einen Menschen verloren haben, nicht eine derart schmutzige Kapelle zugewiesen werden“, fordert er. Die Kirche finanziere sich schließlich unter anderem „durch diesen Beerdigungskommerz“. Auch ihm hat die Gemeinde zwar die Reinigungskosten erstattet. Doch Scholzen fordert eine Begründung für die Zustände in der Kapelle sowie eine Entschuldigung. „Mir geht es nicht ums Geld. Mir geht es um die Würde.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben