Abschied

Dr. Konrad Schilling ist im Alter von 91 Jahren gestorben

Konrad Schilling im Gespräch mit Hans-Peter Feldmann, dessen „David“ 2010 vor dem Lehmbruck-Museum aufgestellt wurde.

Konrad Schilling im Gespräch mit Hans-Peter Feldmann, dessen „David“ 2010 vor dem Lehmbruck-Museum aufgestellt wurde.

Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg.  Duisburgs Kulturdezernent für immer. Konrad Schilling prägte das Duisburger Kulturleben auch über seine Pensionierung hinaus.

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Eigentlich hätte Duisburgs Kulturdezernent Dr. Konrad Schilling Energie und Ideen für ein zweites langes Leben gehabt, das er selbstverständlich wieder in seinem Kulturdezernat gelebt hätte. Doch jetzt ist Duisburgs wohl berühmtester Kulturdezernent am 2. November im Alter von 91 Jahren nach langer Krankheit verstorben. Dies teilte uns seine Tochter Esther Kirchner mit. Um Konrad Schilling trauern seine Ehefrau, seine Familie und Freunde, aber auch die Duisburger Kultur verliert eine große Persönlichkeit, die viele Jahre lang das Kulturleben prägte.

Der 1927 in Leipzig geborene Konrad Schilling war von 1976 bis 1992 Kultur- und einige Jahre auch Schuldezernent der Stadt, der mit seinen Ideen, mit immer wieder neuen Projekten und mit einem Höchstmaß an lokalpolitischer Raffinesse die Kulturpolitik prägte wie kein anderer. Konrad Schilling gehörte zu den Begründern der „Duisburger Akzente“, zu den Förderern der Duisburger Museen, er brachte die großen Festivals in die Stadt, die Russen kamen mit Prokofjew und Schostakowitsch und Weltklasse-Konzerten. Die Künstler seiner Stadt erhielten ein eigenes Künstlerhaus an der Goldstraße. Er war ein großer Förderer und Freund der Philharmoniker, deren Konzerte er bis fast zuletzt besucht hat. Sein lautstarkes „Bravo“ im Schlussapplaus war einst der hoheitliche Segen für die Leistung des Orchesters auf der Bühne.

Mit ganzem Herzen ein Freund der schönen Künste

Konrad Schilling war mit ganzem Herzen ein Freund der schönen Künste, beinahe jeden Abend nach Dienstschluss, den er in dieser Form nicht kannte, im Konzert, im Ballett oder im Theater anzutreffen. Auch selbst war er künstlerisch aktiv, hat fast sein ganzes Leben lang Gedichte geschrieben. 2008 erschien der Gedichtband „Große wilde leuchtende Welt“, der eine Zeitspanne von 1944 bis 2013 umfasst. In seinen Gedichten zeige Schilling „Facetten von Zartheit, Hemmungslosigkeit, Verletzlichkeit, Farbigkeit und Gestaltungskraft eines Mannes, welcher sich der Alltagsroutine gelegentlich entzog, um sich gleichsam kindlicher Verzauberung hinzugeben, begeistert – und mit unbändiger Lust“, wie Herausgeber Martin Goppelsröder schrieb, Kunstprofessor aus Mülheim und Freund Schillings.

Dabei war der Macht- und bisweilen überirdisch Selbstbewusste ein streitbarer und auch streitlustiger Kulturmanager, der seinen Mitarbeitern kaum Pausen gönnte, sie aber auch zu Höchstleistungen antrieb. Schilling war sozusagen immer im Dienst. Aber auch seine Kritiker, die ihn als überheblich und übergriffig erlebten, zollten dem gewieften Kulturpolitiker Respekt. So war nicht alleine vom Leiter eines Bezirksamtes und ehemaligem Mitarbeiter des Kulturdezernates zu hören: „Alles was ich gelernt habe, habe ich von ihm gelernt.“ Konrad Schilling war ein Verwaltungs-Profi von Format.

Aktiv hinter den Kulissen

Weiterhin engagierte er sich in der christlich-jüdischen Gesellschaft, förderte die Universität und ging dann 1992 nur sehr widerwillig in Rente. Doch seine Aktivitäten vor und hinter den Kulissen erlahmten damit keineswegs. Er blieb auch weiterhin ein gefragter Ansprechpartner und gut vernetzter Kulturmanager, der erst in den allerletzten Jahren allmählich an Kraft verlor. Eigentlich ist Konrad Schilling immer der Duisburger Kulturdezernent geblieben.

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„Mit Konrad Schilling verliert Duisburg einen Kulturbegeisterten, von dessen Schaffenskraft und Gestaltungswillen unsere Stadt bis heute profitiert. Als Kultur- und Bildungsdezernent hat er das Kulturleben bis heute geprägt: Markenzeichen wie die Duisburger Akzente, das Binnenschifffahrtsmuseum oder den Lifesaver-Brunnen hat Konrad Schilling möglich gemacht – und dafür ist ihm Duisburg zu großem Dank verpflichtet.“

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