Stadtteilreport (26)

Dorf-Geschichte(n) aus Serm

Rundgang durch den Stadtteil Serm. Die Herz-Jesu-Kirche. Fotos: Alexandra Umbach

Rundgang durch den Stadtteil Serm. Die Herz-Jesu-Kirche. Fotos: Alexandra Umbach

Foto: WAZ FotoPool

Duisburg. Serm im Süden Duisburgs vereint Alt- und Neubürger durch ein reges Vereinsleben. Klein und überschaubar ist Serm Stadtteil geworden, aber Dorf geblieben. Hier birgt jede Ecke wenn nicht Geschichte, so doch Geschichten. Ein Stadtteilrundgang.

Klein und überschaubar, rundum ausgedehnte Felder: Serm ist Stadtteil geworden, aber Dorf geblieben. Alte Höfe, gepflegte Neubau-Quartiere, das Einfamilienhaus ist der Regelfall, - und ein reges Vereinsleben eint Alt- und Neu-Sermer.

Beispielsweise Hans Eck und Johannes Issel, der eine in Bochum geboren, der andere seit Generationen im Dorf verwurzelt, beide in gleichem Maße überzeugte und überzeugende Sermer. Wo anfangen in einem Stadtteil, der an jeder Ecke wenn nicht Geschichte, so doch Geschichten birgt? Vielleicht bei „Schloss Pipi“, wo mit dem stets edel gewandeten „Sir Henry“ ein echtes Sermer Original lebte? Oder am Festplatz, der nach einem weiteren Original, dem stets aufs Wohlergehen der Schausteller bedachten „Kasselle Pitter“ benannt wurde und jetzt vom autobahnmäßigen Ausbau der Bundesstraße B 288 bedroht ist?

Kirmes und Karneval wird hier gefeiert, Schützen- und Oktoberfest, feste Termine für echte Sermer, die zusammenlegten, um den Platz von Mannesmann zu kaufen.

Evangelische Bestattungen sind etwas teurer

Nun bangen sie um die Fläche, an der vorbei wir zum Friedhof kommen – auch der hat Geschichte(n). In den 20er Jahren spendierte eine wohlhabende Familie die Fläche, die als letzte Ruhestätte den Katholiken vorbehalten war. „Heute ist das kein Problem mehr“, lacht Issel. Nur: Evangelische Bestattungen sind etwas teurer, aber das ist wieder eine andere Geschichte.

In diesem Haus, erfahre ich ein paar Schritte weiter, seien Zwillinge geboren, ein Haus weiter gar Drillinge und offenbar wegen des Gesetzes der Serie bleibe das nächste Grundstück seit langem unbebaut. „Wirklich?“ Meine Begleiter lachen.

Wir kommen zur Grundschule, um deren Bestand man sich in Serm keine Sorgen machen muss. Kinder gibt’s genug für Kindergarten und Schule, deren Pausenhof von einem sehenswerten Schüler-Künstler-Gemeinschaftswerk geziert wird.

Schlechte Einkaufsmöglichkeiten

Woran es aber mangelt im Dorf, sind Einkaufsmöglichkeiten: „Das ist leider schlecht geworden“, beschreibt Eck das Einzelhandelsangebot. Bis 2002 habe es noch einen Tante-Emma-Laden gegeben an der Dorfstraße, die wir nun erkunden. Die Bebauung ist etwas höher als in den reinen Wohnstraßen, aber dörflich bleibt’s auch hier.

Wir passieren den alten Eickhof, kommen zum Ehrenmal für die Kriegstoten, gegenüber steht die alte Dorfschule mit Lehrerhaus, inzwischen zu Wohnzwecken umgenutzt. Wir kommen am Bastenhof vorbei, in dessen Scheune die rührigen Sermer Karnevalisten von der KG Südstern ihre Wagen bauen, und kommen zur Kirche, die dort ist, wo sie hingehört: in der Mitte des Dorfes. Und gebaut ist, wie man in Serm vorzugsweise baut: in rotem Backstein. Samstags ist Messe im Dorf, „immer relativ gut besucht“, sagt Eck. Und Issel kann sich noch gut erinnern an Zeiten, als Serm noch fast zu 100 Prozent katholisch war.