Kirchenasyl

Diskussion um Kirchenasyl: Diese Fälle gab es in Duisburg

Die Debatte um das Kirchenasyl ist durch einen aktuellen Fall in Solingen entfacht worden.

Die Debatte um das Kirchenasyl ist durch einen aktuellen Fall in Solingen entfacht worden.

Foto: Axel Heimken

Duisburg.  Zuletzt fand ein junger Mann aus Afghanistan in einer evangelischen Gemeinde Schutz vor der drohenden Abschiebung. Was der Superintendent sagt.

Der Fall eines Iraners, der in einer Solinger Gemeinde Schutz vor seiner drohenden Abschiebung fand, hat eine bundesweite Debatte um das Thema Kirchenasyl entfacht. Auch in Duisburg fanden Flüchtlinge Schutz in Kirchen. Doch das geschah stets ohne großes öffentliches Aufsehen. Zumindest in den vergangenen zehn Jahren, so eine Stadtsprecherin, musste kein Kirchenasyl durch eine Zwangsmaßnahme beendet werden.

Eigens ausgestattete Räume

So lobt etwa Frank Michael Rich die Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden. Er ist Presbyteriumsvorsitzende der evangelischen Gemeinde Wanheim, die erst noch im vergangenen August einem jungen Mann aus Afghanistan Kirchenasyl in eigens dafür ausgestatteten Räumen gewährt hat. „Er war zusammen mit seiner Familie geflüchtet“, so Rich. „Als er volljährig wurde, drohte ihm als Einziger die Abschiebung. „Wir haben erreicht, dass er in Deutschland mit seiner Familie ein Asylverfahren bekommt.“

Dies sei aufgrund der Drittstaatenregelung für viele Flüchtlinge fast unmöglich. Wenn sie als politisch Verfolgte über einen sicheren Drittstaat nach Deutschland eingereist sind, haben sie dort kein Recht auf Asyl. Sie müssen dann in das jeweilige Land abgeschoben werden – allerdings innerhalb einer bestimmten Frist. Wird diese überschritten, kann in Deutschland Asyl beantragt werden. „Das war auch das Ziel 2013 bei einer Familie aus Usbekistan“, so Rich. „Dort hatte sie damals Besuch von der Polizei bekommen, weil ein Verwandter zur Opposition gegen das despotische Regime gehörte. Das Familienoberhaupt wurde zusammengeschlagen, die Frau so brutal vergewaltigt, dass sie noch in Duisburg Angst vor jedem Mann hatte. Das alles nachzuweisen, ist nur sehr schwierig.“ Am Ende habe die Familie, die laut Rich von Belgien über die grüne Grenze nach Wanheim gekommen war, in Deutschland kein Asyl bekommen.

Mehr Erfolg hatte die evangelische Gemeinde in Meiderich, die 2014 verfolgten Christen aus Ägypten Kirchenasyl gewährte. „Sie flüchteten über Rom nach Duisburg“, so Pfarrer Frank Hufschmidt. „Nach vier Wochen bei uns konnten sie ganz normal Asyl beantragen und durften in Deutschland bleiben.“

Superintendent Armin Schneider betont: „Kirchenasyl ist für uns immer nur die Ultima Ratio.“ Aber: „Wenn Menschen an Leib und Leben bedroht werden, wenn es schwere Menschenrechtsverletzungen gibt, dann sollte man alles dafür tun, sie zu schützen.“

Kein Fall in jüngster Vergangenheit in der katholischen Kirche

Dem Stadtdechanten Reinhold Winkelmann ist aus der jüngeren Vergangenheit kein Fall von Kirchenasyl in einer katholischen Gemeinde in Duisburg bekannt.

Zwischen dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und den Kirchengemeinden gibt es laut Stadt eine grundsätzliche Vereinbarung über das Vorgehen: Das Kirchenasyl muss umgehend angezeigt werden. Sollte vor Ablauf einer bestimmten Frist, dass BAMF ablehnend über Härtefallgründe entschieden haben, erfolge die Abschiebung durch die kommunale Ausländerbehörde.

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