Handschrift

Digitalzeitalter: Eine Lehrerin in Sorge um die Handschrift

Die Schülerinnen des Alissa (links) und Maja des Landfermann Gymnasiums schreiben handschriftlich einen Brief. Dennoch macht sich Lehrerin Maria-Anna Schulze Brüning  sorgen um die Handschrift.

Die Schülerinnen des Alissa (links) und Maja des Landfermann Gymnasiums schreiben handschriftlich einen Brief. Dennoch macht sich Lehrerin Maria-Anna Schulze Brüning sorgen um die Handschrift.

Foto: Tanja Pickartz

Duisburg.   Trotz Smartphones schreiben Schüler gerne mit der Hand. Warum sich Lehrerin Maria-Anna Schulze Brüning trotzdem Sorgen um die Handschrift macht.

„Liebe Oma”. So beginnen Alissa und Maja vom Landfermann Gymnasium in Duisburg ihre Briefe an die Großmutter. Ganz konzentriert schreiben die Schülerinnen die ersten Sätze auf das Blatt Papier. Die zehnjährige Maja berichtet vom Urlaub an der Nordsee. Ihre Schulkameradin Alissa (11) erzählt von ihrem Tag. Mit ganz viel Liebe und Feingefühl schreiben sie Wort für Wort.

„Selbstgeschriebene Texte sind schön“, findet Maja. „Und es ist auch nicht schlimm, wenn man sich verschreibt. Denn dann sieht man ja, dass es wirklich mit der Hand geschrieben ist“, sagt Alissa, die noch einen lieben Gruß unter ihren Brief setzt.

Texte mit der Hand zu schreiben ist etwas Besonderes

Einen Text mit der Hand zu schreiben, ist für beide Mädchen noch immer etwas Besonderes. Auch für Autorin und Lehrerin Maria-Anna Schulze Brüning, die nun mit ihrem Buch „Wer nicht schreibt, bleibt dumm“ die Volkshochschule besucht hat. „Die Handschrift ist eine unverwechselbare Spur von mir. Auch Jahre später weiß die Person noch, wer die Karte geschrieben hat“, betont die Autorin, „eine Mail löscht man da schon schneller“.

Obwohl Schüler, wie Alissa und Maja noch gerne mit der Hand schreiben, macht sich Schulze Brüning Sorgen um die Handschriften beim Nachwuchs. Denn bei einer Untersuchung der handgeschriebenen Texte ihrer Fünftklässler hat sie festgestellt, dass sie diese kaum noch lesen konnte. Das Problem sei, dass die Kinder ihre eigene Handschrift in der Schule nicht als Arbeitsmedium nutzen konnten. Auf der weiterführenden Schule müssen die Schüler schneller und mehr schreiben können. „Aber ein Schüler, der seine Vokabeln nicht richtig notiert, weil er zu langsam und unleserlich schreibt, lernt falsch“, erklärt Schulze Brüning.

Oft würde dies an der Vereinfachten Ausgangsschrift liegen, einem der fünf Schrifttypen, die Grundschüler lernen. Damit hatten viele ihrer Schüler Probleme, denn die Kleinbuchstaben werden durch einen Verbindungsstrich nach jedem Buchstaben an der Mittellinie verbunden. „Aber dadurch hängt die Schrift an dieser Linie, die es nur in den Heften der Grundschüler gibt. Wenn diese Linie wegfällt, verlieren die Handschriften Halt und Orientierung. Sie entgleisen und werden unleserlich“, sagt Schulze Brüning.

Einige Buchstaben ließen sich auch nicht immer so einfach nach diesem Verbindungsprinzip anschließen. Das „s“ beispielsweise wird manchmal zu groß geschrieben und ähnelt einem „j“. Die Probleme der Vereinfachten Ausgangsschrift zeigten sich oft erst in der weiterführenden Schule, da dieser Schrifttyp meist nicht zu einer fließenden Schrift führt und beim schnellen Schreiben überfordert.

Schriftprobe von Fünftklässlern der Gesamtschule Mitte

Die Druckschrift scheint dabei eine Möglichkeit, dem aus dem Weg zu gehen. Eine Schriftprobe von Fünftklässlern der Gesamtschule Mitte zeigt, dass 26 Schüler in Druckschrift und nur acht in Schreibschrift geschrieben haben. Einige Mischformen waren auch dabei. „Als Gründe nannten die Schüler, dass sie in Druckschrift schneller, ordentlicher und lesbarer schreiben könnten“, erklärt Lehrerin Melanie Schäfer. Das sehen auch Maja und Alissa so. „Außerdem kann man bei der Druckschrift Pause machen und noch einmal überlegen, wie das Wort geschrieben wird“, meint Maja.

Trotzdem kämpft Maria-Anna Schulze Brüning weiterhin um die verbundene Schreibschrift. Die Hand- und Schreibschriften der Kinder sollen bereits in der Grundschule intensiv trainiert werden. „Kinder lernen haptisch und müssen die Buchstaben und Wörter begreifen. Sie müssen sie formen, um sie zu verstehen“, betont die Lehrerin. „Die reine Zeigefunktion des Tippens auf dem Computer spart die motorische Gedächtnisebene aus“, sagt sie im Hinblick auf das Zeitalter der Digitalisierung.

Schüler würden ihre Feinmotorik durch die verbundene Schrift stark verbessern. Und bekannterweise könnten sie sich auch besser etwas merken, wenn sie das mit Stift auf Papier selbst notiert haben. Wer schreibt, bleibt eben nicht dumm.

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