Ehrenamt

Dieser Duisburger ist ein begehrter Fachmann – trotz Rente

Volker Persch aus Duisburg ist seit 2004 im Ruhestand. Heute ist er 73 – und arbeitet einfach weiter, ehrenamtlich.

Volker Persch aus Duisburg ist seit 2004 im Ruhestand. Heute ist er 73 – und arbeitet einfach weiter, ehrenamtlich.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Duisburg-Huckingen.  Volker Persch arbeitet im Ruhestand einfach weiter, und das weltweit. Als Seniorexperte ist er ehrenamtlich im Einsatz – und das mit 73 Jahren.

Volker Persch hat seine Einsätze für den Senior Experten Service akribisch dokumentiert. Der 73-Jährige ist seit 2004 im Ruhestand. Seine Fähigkeiten und Kenntnisse wollte der Huckinger auch nach seiner beruflichen Zeit weitergeben. Seine Begründung: „Ich finde es einfach schade, wenn Kompetenzen, die man sich während des Berufslebens erworben hat, von heute auf morgen nicht mehr genutzt werden.“ Seine werden genutzt – und das auch im weit entfernten Ausland.

Menschen mit dieser Einstellung werden tatsächlich dringend gesucht. Und zwar vom in Bonn ansässigen Senior Experten Service (SES). Der SES gibt ehemaligen Fach- und Führungskräften die Möglichkeit, ihr berufliches Wissen weiterhin zur Verfügung zu stellen. Der Bedarf ist groß, wie die weltweite Nachfrage nach dieser kostengünstigen Expertenunterstützung beweist. Volker Persch ist ausgebildeter Ingenieur, hat zudem ein Architektur- und ein Wirtschaftswissenschafts- Studium absolviert. Auslandserfahrung hat er bei seinen früheren Arbeitgebern Züblin und Henkel gesammelt. Dabei kam er als Projektmanager im Bereich Hoch- und Tiefbau zum Einsatz. Persch scheint erblich vorbelastet: Sein Vater war der Konstrukteur der 1950 eingeweihten Schwanentorbrücke.

Sein erster Einsatz führte den Seniorexperten zurück an seine Schule

Seinen ersten Einsatz für den SES hatte der rege Ruheständler im Jahr 2010. Für das Erreichen seines Einsatzgebiets reichte eine Fahrkarte der DVG: An der Globus-Gesamtschule im Dellviertel betreute er 18 Monate lang ein neu eingerichtetes Selbstlernzentrum, führte dort Aufsicht und stand den Schülern mit Tipps und Ratschlägen zur Seite. Kurios: Diesen Ort kennt Persch gut – im selben Gebäude besuchte er in den 1950er-Jahren die dort untergebrachte Volksschule.

Sein erster Auslandseinsatz für den SES führte ihn 2015 nach Argentinien. Dabei kam dem Baufachmann entgegen, dass er neben Englisch, Französisch und Russisch perfekt Spanisch spricht: „Das vereinfacht die Sache sehr, immer wieder auf Dolmetscher unterschiedlicher Qualität angewiesen zu sein, ist nicht immer von Vorteil.“ Dabei ist Eile geboten, die Experten werden in der Regel für gerade mal einen Monat vermittelt.

Auslandseinsätze in Argentinien und Bolivien

Persch macht deutlich, dass er und seine Kollegen nur beratend tätig sind: „Was der Auftraggeber daraus macht, können wir meist nicht kon­trollieren.“ Erforderlich sei immer zuerst eine Bestandsaufnahme, danach werden entsprechend den Möglichkeiten Maßnahmen vorgeschlagen und in Pläne gefasst.

Im argentinischen San Francisco in der Provinz Cordoba war Perschs Rat gefragt, als es darum ging, einen Gewerbepark zu erweitern. Dabei war ein wichtiger Aspekt, für eine vernünftige Entwässerung zu sorgen. Dafür war der Duisburger als Tiefbaufachmann der richtige Ansprechpartner: „Der Starkregen ist dort ein Riesenproblem, die Straßen sind sehr häufig überschwemmt.“

Duisburger liefert Pläne für 300.000-Dollar-Spende

Ganz anders war die Aufgabenstellung drei Jahre später in Bolivien. Dort war in der Millionenstadt Santa Cruz de la Sierra ein Heim für 120 Straßenkinder – in der massiv wachsenden Industriemetropole gibt es noch weitere 20 Heime dieser Art – zu sanieren: „Das Haus wurde von vier Franziskaner-Mönchen geleitet, hatte total marode Dächer, bei Regen stand immer wieder alles unter Wasser.“ Zudem waren die sanitären Anlagen komplett sanierungsbedürftig. Die Mönche hatten mit der Versorgung und Beschulung der Kinder genug zu tun, aber von Sanierungsarbeiten keine Ahnung, so Persch. Die Erneuerung der Dächer konnte dank einer 300.000-Dollar-Spende des Bayer-Konzerns durchgeführt werden, die Pläne dazu lieferte der Duisburger.

Die Auslandeinsätze laufen auf ehrenamtlicher Basis, bezahlt wird der Flug, dazu gibt es ein Taschengeld von 10 Euro pro Tag. Unterkunft und Verpflegung sind frei. Volker Persch spricht wohl für viele Senior-Experten, wenn er seine Motive darlegt, sich auf diese Weise einzubringen: „Es ist schon toll, dass man mit seinen Kenntnissen noch helfen kann und dabei Gutes tut.“

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