Diebstahl

Diebe gefilmt - 2,3 Millionen sehen Facebook-Video

Sinan Karaaslan filmte eine mutmaßliche Taschendiebin, sein Video ging auf Facebook viral. Foto: Franz Luthe

Sinan Karaaslan filmte eine mutmaßliche Taschendiebin, sein Video ging auf Facebook viral. Foto: Franz Luthe

Duisburg.  Duisburger filmt mutmaßliche Diebe - und verhindert damit einen Diebstahl. 2,3 Millionen gucken das Video. Bundespolizei warnt Nachahmer.

Das Video haben am Wochenende über 2,3 Millionen Menschen auf Facebook gesehen: „Taschendiebe in Duisburg - wieder vereitelt“ hat Sinan Karaaslan sein Video benannt und noch einen kleinen Smiley mit Heiligenschein daneben gestellt. 27 Sekunden, die nach seiner Einschätzung zeigen, wie eine junge Frau einer älteren Dame an die Handtasche will, der Zugriff ist getarnt durch einen langen Schal.

Karaaslan filmt das Heranpirschen und sagt dann laut, „Ja, klau klau, ich nehm auf, mach weiter“. Die Hand der jungen Frau zuckt zurück, irritiert schaut sie in die Kamera. Während sich die Menschen in die wartende Bahn schieben und auch Karaaslan einsteigt, bleiben die mutmaßliche Taschendiebin und ein Mann zurück. „Ihr Ausbilder“, ist sich Karaaslan sicher, er habe beobachtet, wie er ihr Anweisungen gegeben habe.

Filmer war vor zehn Jahren im Big-Brother-Haus

Sein Video wurde in etlichen Duisburger Facebook-Gruppen über 34000 mal geteilt, in vielen aus rechtlichen Gründen aber auch wieder gelöscht. Auch Karaaslan hat es am Montag aus seiner Facebook-Timeline gelöscht, als Vorsichtsmaßnahme. „Ich musste mein Handy vier mal am Tag aufladen“, beschreibt Karaaslan. Diese Aufmerksamkeit hatte er zuletzt vor zehn Jahren, als er acht Wochen im Big Brother-Haus von RTLII wohnte.

Täglich fährt Sinan Karaaslan von Duisburg aus mit dem Zug zur Arbeit. Er ist Luftsicherheitsassistent, arbeitet am Düsseldorfer Flughafen. Wachsam zu sein, Menschen schnell einschätzen zu können ist sein Job. Abschalten könne er das im Alltag nicht. „Seit fünf Jahren schnapp ich Diebe. Ich hab bestimmt schon über 100 Leuten geholfen, Taschendiebstähle verhindert, Aussagen bei der Polizei gemacht“, erzählt der 39-Jährige.

Mutmaßliche Diebe filmten vom Bahnsteig aus zurück

Woran er Diebe erkennt, wie das abläuft, fragten seine Freunde. Deshalb hatte er sich vorgenommen, mal zu filmen, wenn er wieder Langfinger beobachtet. Am Freitag auf dem Weg zum 12.42 Uhr-Regionalexpress nach Düsseldorf war es so weit. Dass die mutmaßlichen Taschendiebe, die auf dem Bahnsteig in Duisburg zurück blieben, ebenfalls das Smartphone zückten und ihn filmten, lässt Karaaslan kalt. „Das hatte ja schon was comedyhaftes“, bewertet er die bedrohliche Geste.

Grundsätzlich ärgert den durchtrainierten Sicherheitsmann, dass Diebe kaum was zu befürchten hätten. Die würden vernommen, freigelassen und gingen dann gleich weiterklauen. „Mein Leben wäre ruiniert, ich würde meinen Job verlieren, wäre vorbestraft.“

Bundespolizei ermittelt wegen versuchten Diebstahls

Die Bundespolizei hat Ermittlungen aufgenommen, wegen des versuchten Diebstahls, der auch schon ein Straftatbestand ist. „Wir werden Kontakt zu dem Videofilmer aufnehmen“, sagt Armin Roggon, Pressesprecher der Bundespolizeidirektion in Düsseldorf. Zur Anzeige sei bislang nichts gebracht. Roggon vermutet, dass das Video auch als Beweis zugelassen würde, entscheiden müsse das aber ein Richter.

Ein weiterer Ermittlungsansatz steht noch aus: Durch die Veröffentlichung des Videos wird §33 des Kunst- und Urhebergesetzes verletzt. „Hier wurde nichts geschwärzt“, sagt Roggon, „dadurch wird gegen das Recht am eigenen Bild verstoßen“. Den Strafantrag müsste aber das gefilmte Paar stellen...

Die Bundespolizei warnt davor, Diebe auf frischer Tat zu filmen. Man setze sich selbst einer Gefahr aus, weil manche Diebesbanden ein hohes Interesse daran hätten, ihre Identität zu schützen.

>>DAS KANN MAN TUN, WENN MAN EINEN DIEBSTAHL BEOBACHTET

Besser sei es, die Polizei über die 110 zu alarmieren oder die Hotline der Bundespolizei zu kontaktieren unter 0800 6888000, sich Tatort. Tatzeitpunkt und Tätermerkmale zu merken, damit man als Zeuge aussagen kann.

Um den Diebstahl aktiv zu verhindern, sei es klug, das Umfeld zu mobilisieren, erklärt Armin Roggon, Sprecher der Bundespolizei Düsseldorf. Der Ruf „Schauen sie mal, da wird gerade ein Taschendiebstahl begangen“ sorge für Aufmerksamkeit, die der Dieb gerade nicht wolle.

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