Unser Duisburg (10)

Die Türme der Friedrich-Ebert-Brücke - geschichtsreiche Wahrzeichen

Foto: Tanja Pickartz / far

Duisburg.  Am schönsten sehen sie aus Richtung Homberg aus. Mächtige Steinquader, gekrönt von grünem Kupferblech auf Dach und Türmchen: Die Ruhrorter Brückentürme an der Friedrich-Ebert-Rheinbrücke sind ein geschichtsreiches Duisburger Wahrzeichen.

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Am schönsten sehen sie aus Richtung Homberg aus. Mächtige Steinquader, gekrönt von grünem Kupferblech auf Dach und Türmchen: die Ruhrorter Brückentürme.

„Klassischer Repräsentationsbau der nationalistisch-monumentalistisch orientierten Gründerzeitepoche“: Klingt nicht gerade schmeichlerisch, was die städtischen Denkmalhüter über das Turm-Duo schreiben, das die Zufahrt zur Friedrich-Ebert-Brücke auf der rechtsrheinischen Seite flankiert. Dabei gab’s darin sogar einmal eine Brückenschänke der eher unmonumentalen Art.

Der Bau von Duisburgs erster Rheinbrücke wurde 1904 begonnen, weshalb ein Schild an einem der Türme völlig richtigerweise von einem Vorhaben der Stadt Ruhrort der Gemeinde Homberg kündet. Der Hafenstadtteil wurde nämlich erst 1905 eingemeindet, die „Stadt im Grünen“ sogar noch sieben Jahrzehnte später. 1907 war der Brückenbau fertig. Und auch die Türme, die damals noch kleinere Gegenstücke auf der linksrheinischen Seite hatten.

Und was heute im Zusammenhang mit einer Brücke relativ zweckfrei scheint, hatte damals durchaus einen Sinn: Denn in den Türmen wohnten die Brückenbediensteten, die fürs Kassieren des Brückenzolls zuständig waren – möge der Kämmerer diesen Absatz überlesen.

Brücken über den Rhein waren zu Kaisers Zeiten zunächst kein leichtes Unterfangen, aber nicht etwa aus technischen Gründen. Das Militär war strikt dagegen, sah darin vor allem eine Möglichkeit für die Franzosen, schnell und bequem ins Rechtsrheinische vorzustoßen. Eine Trajektverbindung fürs Übersetzen per Schiff war zunächst das einzige, was man zu genehmigen ruhte (darauf kommen wir in dieser Serie noch zurück).

Wie auch immer, irgendwann war es soweit, Brückenbauanträge erhielten den richtigen Stempel und schon entstand eine Brücke in Eisenfachwerk, von der heute nichts mehr zu sehen ist. Sie wurde nämlich zunächst nach Admiral Scheer, einem Marine-Kommandanten in der Skagerrak-Schlacht (1916) benannt, dann zum Ende des Zweiten Weltkriegs (1945) gesprengt, weil nun tatsächlich feindliche Truppen übersetzen wollten.

1951 bis 1954 ging man erneut ans Brückebauen, nun aber in neuer Form, ohne Zollstation und Brückenschänke. Benannt ist sie heute nach dem ersten sozialdemokratischen Staatsoberhaupt Deutschlands, Friedrich Ebert. Und die Brückentürme, in die inzwischen Praxen und Firmen mit ihren Büros eingezogen sind, liegen am Richard-Hindorf-Platz, der nach einem Ruhrorter benannt wurde, der sich als Agrarwissenschaftler um den Sisal-Anbau in der einstigen Kolonie Deutsch-Ostafrika verdient gemacht hatte. Ganz schön viel Geschichte und Geschichten, die sich um die zwei Türme ranken, in deren Schatten Bänke mit Rheinblick locken.

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